Teamsitzung

Teamsitzungen
dienen oft lediglich dazu, dass irgendwer mit ganz vielen Worten ganz wenig zu
sagen hat. Gewöhnlich nehme ich deshalb nur selten an Teamsitzungen teil. Doch
weil heute eine ganz besonders wichtige Teamsitzung stattfindet, darf auch ich
nicht fehlen. Meine Kollegin hat dafür extra ihren Urlaub unterbrochen, weil diese
Sitzung so bedeutsam ist. Und so sitzen drei Mitarbeiter, drei Ehrenamtliche
und der Chef zusammen, um diese enorm wichtige Teamsitzung abzuhalten. Zwei
Themen von unglaublicher Bedeutung sollen heute besprochen werden. Zum einen
das bevorstehende Audit. Eine QM-Veranstaltung von höchster Wichtigkeit. Wenn
ich schon QM höre, dann wird mir ganz anders. Ich will ja nicht abstreiten,
dass QM einen Sinn haben könnte, doch ich kann mich nicht daran erinnern, dass
es vor der Erfindung des Qualitätsmanagements und der seuchenartigen
Verbreitung alles so viel schlechter lief. Aber vermutlich irre ich mich da.
Nun sitzen wir hier jedenfalls und reden so wichtig daher, als wären wir plötzlich
keine Menschen zweiter Klasse mehr. Als wären wir Festangestellte mit einem
echten Gehalt und von Bedeutung. Das macht es für mich leider irgendwie noch
lächerlicher. Die Bedeutung eines solchen Audits macht mir auch Angst. Denn
kann man bei einem Audit überzeugen, weil man sich gut vorbereitet hat, dann
spielt es keine Rolle, ob man in den letzten Monat einfach nur beschissene
Arbeit geleistet hat. Man muss sich nur an diesem einen Tag super verkaufen und
schon ist man der Held. Mir ist das ein wenig zu krank, weshalb ich mir
schweigend anhöre, was meine wichtigen Mitmenschen von sich geben. Nach einer
Stunde sind alle wichtigen Details geklärt und wir kommen zum zweiten wichtigen
Punkt. Die Einführung eines Beratungstages. Da werden alle Fragen zum SGB II
beantwortet. Eine Idee des anderen ehrenamtlichen Mitarbeiters. Und schon legt
er los. Wie wichtig das ist, wenn wir das anbieten. Wie groß die Nachfrage doch
ist. Und vor allem, wie groß die Möglichkeit ist, zu zeigen, was wir alles
können. Mit diesem Angebot haben wir eine Monopolstellung. Ich bin zunächst
völlig überwältigt, dann aber fällt mir auf, dass all das, was er da so stolz
erzählt, schon immer Teil unserer Tätigkeit war. Und als wir früher noch Kunden
hatten auch öfter genutzt wurde. Nur brauchten wir dafür keinen Beratungstag.
Das haben wir einfach so mitgemacht. So wird eine Sache, die absolut nicht neu
und auch nicht herausragend ist, als neu und herausragend verkauft. Und mein
Kollege, der nicht nur übel riecht, sondern auch ziemlich ungepflegt aussieht,
ist plötzlich ein Fachmann, der voll den Durchblick hat, weil er sich stundenlang
zuhause eingelesen hat. Es ist so leicht, Menschen zu beeindrucken. Dumm nur,
dass es bei mir in diesem Fall nicht funktioniert. So ist es wenig
verwunderlich, dass ich diesen Beratungstag für unser Büro ablehne, weil wir
erstens keine Nachfrage haben und zweitens solche Beratungen, oder wie auch
immer man es nennt, nebenbei machen können, wenn es gewünscht wird. Wir sind
schließlich keine solchen Vollidioten, dass wir das nur zu bestimmten Zeiten
einrichten können.  Dafür hat der Kollege
nun dreißig Minuten geredet und der Chef ist voll angetan. Die Menschen
erscheinen mir immer schwachsinniger zu werden. Und natürlich bin ich keine
Ausnahme. Ich habe nur das Pech, dass mir der Schwachsinn voll bewusst ist und
es kein Entkommen gibt.

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