Urlaubsantrag

Der
Urlaubsantrag beim Jobcenter ist dann doch nicht so unkompliziert, wie es mir
meine Betreuerin gesagt hat. Denn ich kann nicht einfach so am Empfang sagen,
dass ich Urlaub beantragen möchte. Das mache ich zwar, bekomme aber
unverzüglich eine Nummer und muss in ein Zimmer. Dort ist man für
Urlaubsanträge zuständig. Wieso hatte ich nur die irrsinnige Idee, anzukündigen,
dass ich ein paar Tage das Land verlassen will?
Nach
kurzer Wartezeit betrete ich das Büro, trage der Mitarbeiterin vor, dass ich in
der nächsten Woche abwesend bin und schon mahlen die Mühlen der Bürokratie. Ich
werde gefragt, ob ich schon weiß, dass ich am 24. August zu einer
Gruppeninformationsveranstaltung eingeladen bin. Ich sage, dass ich den Brief
mit der Einladung heute bekommen habe und es kein Problem darstellt, weil ich
ja am 21. zurück bin. In Wahrheit bin ich schon am 20. zurück, aber die Frau muss
auch nicht alles wissen. Nun druckt sie irgendetwas aus, drückt es mir dann in
die Hand und sagt, dass ich mich am 24. mit meinem Personalausweis bei ihr
zurückmelden muss. Ich glaube an einen bürokratischen Scherz, erinnere mich
aber dann daran, dass die Bürokratie oft nur ein einziger schlechter Scherz ist
und nehme die ausgedruckten Blätter entgegen. Die ausgedruckten Blätter sind
nichts weiter als eine Einladung mit Belehrung. Ich muss am 24. August um 11.45
Uhr im Zimmer 20 vorsprechen. Genauer Wortlaut: persönliche Vorsprache nach
Ortsabwesenheit. Mir fehlen die Worte. So also schafft sich das Jobcenter
Arbeit für die eigenen Mitarbeiter. Es reicht übrigens auch nicht, wenn ich am
24. August um 09.30 Uhr der Gruppenveranstaltung beiwohne. Das wird zwar dann
auch in meiner elektronischen Akte vermerkt, reicht aber nicht aus, um zu
bestätigen, dass ich nicht mehr Ortsabwesend bin. Ich bin tatsächlich sprachlos
und irgendwie auch entsetzt. Man kann es wirklich übertreiben mit der
Bürokratie. Spätestens dann, wenn es lächerlich wird, sollte man innehalten und
sich Gedanken machen. Aber dazu müsste man ein funktionierendes Gehirn haben.
Und solche Gehirne werden in Deutschland leider immer seltener.

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