Raum 415 und Raum 21

Achtzehn
Arbeitslose haben sich im Raum 415 eingefunden, um einen Job im
Flüchtlingsheim, welches am 01. Oktober in Cappenberg eröffnet wird und 110
Personen aufnehmen kann, zu ergattern. Kaum zwei Minuten später wissen wir,
dass der Job am Empfang schon lange vergeben ist. Eigentlich sind alle Jobs
vergeben. Es werden lediglich Leute gesucht, die dann eingesetzt werden können,
wenn doch noch wer abspringt. Ernüchterung macht sich breit. Es werden aber
noch vier Köche gesucht. Für Einrichtungen in Haltern oder Dorsten. Davon wird
die ernüchternde Stimmung auch nicht besser.
Es
klopft an der Tür. Niemand kommt herein. Es klopft erneut, doch die Tür öffnet
sich auch dieses Mal nicht. Die Frau neben mir, der ich in den letzten Jahren
schon einige Bewerbungen geschrieben habe, öffnet die Tür, damit das Klopfen
aufhört. Herein tritt eine geschminkte, junge Frau, die irgendwie verstört und
unsicher wirkt. Sie nimmt Platz. Weitere Arbeitslose trudeln ein.
Sechsundzwanzig von uns sitzen nun hier rum. Die ersten Arbeitslosen regen sich
wegen der vergebenen Jobs auf und verlassen die Veranstaltung, weil sie sich
irgendwie verarscht fühlen. Ich bleibe. Nun darf sicher jeder Arbeitslose kurz
vorstellen und sagen, was für eine Ausbildung er gemacht hat. Der junge Mann
vom Jobcenter, der zur Abteilung Arbeitsmarktmanagement gehört, was schon
ziemlich geil klingt und sicher dementsprechend bezahlt wird, notiert sich
etwas und tut so als hätte er für fast jeden Arbeitslosen noch ein Ass im
Ärmel. Für mich angeblich einen Job als Bürokaufmann in Recklinghausen.
Immerhin wirkt er bemüht und scheint einen Plan zu haben. Erst als sich die
geschminkte, junge Frau vorstellt, entpuppt auch er sich als Pappnase.
Zumindest in meinen Augen. Die Frau hat nämlich keine Ausbildung und er seine
Asse  wohl alle gespielt. Und so sagt er
nichts weiter als okay und setzt die Vorstellungsrunde fort. Mit Menschen ohne
Ausbildung kann er scheinbar nichts anfangen. Auch die nächste junge Frau ohne
Ausbildung scheint ihn zunächst zu verwirren, doch dann fällt ihm irgendein
Hilfsjob ein, den die Frau vielleicht machen kann. Wie wäre es mit einer
Ausbildung? Wieso kommt er nicht auf die Idee, dass so junge Menschen
vielleicht mit einer Ausbildung weiterkommen? Für mich hat sich Mister
Arbeitsmarktmanagement damit erledigt. Ein Mann, der so eine Stellung
bekleidet, sollte immer einen Plan B für Menschen ohne Ausbildung haben. Ich starre
ihn verständnislos an, was er nach einer Weile bemerkt. Ich glaube, dass macht
ihn nervös. Wenige Augenblicke später ist diese fragwürdige Veranstaltung
vorbei und ich mache mich auf den Weg nach unten, um mich ordnungsgemäß von
meiner Ortabwesenheit zurück zu melden. Dazu werde ich in Raum 21 gebeten. Dort
muss ich meinen Ausweis vorzeigen, die Frau vom Jobcenter trägt etwas ein und dann
darf ich gehen. Ob man eine Ausbildung braucht, um ihren Job zu machen? Vermutlich
braucht man nicht nur eine Ausbildung, sondern muss auch noch studiert haben,
um so eine Tätigkeit auszuüben. Ich verzichte darauf, die Frau nach ihrer
Qualifikation zu fragen und verlasse Raum 21, wohlwissend, dass ich nie wieder
eine Ortsabwesenheit melden werde.

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