Eingebildeter Ungebildeter besucht eine Weiterbildung

Wieder sitze ich im Sozialinstitut
Kommende, um mich etwas weiterzubilden. Thema heute: SGB II – aktuelle
Änderungen – neue Gesetze. Früher konnte ich davon einiges anwenden, wenn mal
irgendwelche Kunden kamen und diesbezüglich Fragen hatten. Doch das ist lange
her. Heute schreibe ich nur noch stupide meine Durchschnittsbewerbungen und niemand
fragt mich mehr was. So will ich den heuteigen Tag nutzen, um Informationen zu
sammeln, ob ich als Berufsbetreuer eine Chance habe. Mein letzter Plan, um
nicht wirklich im Call Center zu landen.
Es sind 25 interessierte Menschen zu
der Veranstaltung erschienen. 19 Frauen und 6 Männer. Drei der Frauen sind
durchaus interessanter als die anderen, was aber nichts zur Sache tut. Der
Dozent ist locker wie eh und je und sein Vortrag durchaus interessant. In der
ersten Pause nutze ich die Gelegenheit, um mich mit einem Berufsbetreuer zu
unterhalten. Kaum hat das Gespräch begonnen, wird klar, dass es nicht wirklich
eine Möglichkeit für mich gibt als Berufsbetreuer einen Job zu bekommen. Ohne
sozialpädagogische Ausbildung wird es kaum möglich sein, eingestellt zu werden.
Vor ein paar Jahren wurden noch Leute angestellt, die eine solche Ausbildung
nicht hatten. Heute gibt es wohl genug Berufsbetreuer und es werden nur noch gut
ausgebildete Leute eingestellt. So Durchschnittsdeppen wie mich braucht heute
niemand mehr. Auch wenn ich mir das Wissen über Seminare oder durch ein
Fernstudium aneigne, werden meine Chancen kaum größer. Das war nicht das, was
ich hören wollte. Der Berufsbetreuer gibt mir zwar noch Tipps, wo ich mich
beraten, bzw. ausbilden, lassen kann, aber das bringt mich auch nicht wirklich weiter.
Und damit ist auch diese aberwitzige Idee, mich in die Arbeitswelt zu
befördern, wegen Aussichtslosigkeit gescheitert. So sitze ich nach der Pause  einfach weiter zwischen all den gebildeten und
gut ausgebildeten Menschen, falle nicht auf, gehöre aber auch weiterhin nicht
hierher. Ich freue mich schon auf die nächsten Stunden.
Neben meiner Kollegin ist auch Jabba
the Hut wieder mit dabei. Sie ist gut gelaunt und nutzt die Zeit, um ihr
Mobiltelefon aufzuladen. Im Gegensatz zu mir ist sie wenigstens effektiv. Ich
indes lausche dem Vortrag und erfahre viele Dinge, die mich derzeit nicht
weiter bringen.
Die Mittagspause verbringe ich alleine,
weil ich eh nicht weiß, was ich mit den anderen reden soll. Nach der Pause
unterhalte ich mich mit meiner Kollegin und Jabba the Hut.
Später, in der letzten Pause, komme
ich noch mit einer Frau ins Gespräch. Sie lobt die Präsentation und den
Dozenten. Ich stimme ihr zu, weil sie wirklich Recht hat. Sie scheint mich für
einen normalen Teilnehmer zu halten, was ich ihr nicht übel nehme, weil ich
mich gut anpassen kann. Dann geht es weiter und ist kurze Zeit später auch
schon vorbei. Ich verlasse den Raum, ohne mich zu verabschieden und glaube
nicht, dass ich nochmal wiederkommen werde. Aber das dachte ich schon öfter. Kann
also sein, dass ich mich auch heute irre. Denn wenn ich etwas wirklich gut
kann, dann das. Möglicherweise bin ich auch nur ein Irrtum. Wer weiß das schon?

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