Audit und Arsch

Der Bürotag beginnt damit, dass ich
schaue, was meine Kollegin in den letzten Tagen so angerichtet hat und stelle
fest, dass sie außerhalb der Bewerbungstätigkeiten fleißig war. Im oberen
Schrank herrscht eine neue Ordnung. Insgesamt wirkt der obere Schrank aufgeräumter
als bisher. Es sind Fragebögen für die Kunden ausgelegt und Kaffeeflecken auf
der Tischunterlage verteilt. In den Kundenordnern am PC herrscht dafür das
übliche Chaos. Sie wird es sicher nicht mehr lernen, die Daten ordentlich
abzuspeichern. Gelegentlich hat sie die Dateien unter falschen Kundennamen
gespeichert und ab und zu Sachen in falschen Ordnern abgelegt. So verbringe ich
die erste Stunde damit alles anständig zu speichern und umzubenennen.
Nachdem das erledigt ist, werfe ich
einen Blick in die Unterlagen der Neukunden. Die Kopfzeile sieht beim gleichen
Kunden in der Bewerbung und im Lebenslauf völlig unterschiedlich, man könnte
meinen improvisiert, aus. In Lebensläufen lässt sie mal kleine, mal große
Lücken, gelegentlich auch gar keine. Auch das scheint vollkommen willkürlich
und ist es vermutlich auch. Stümperhaft hingeklatscht, fast schon eine
Frechheit. Ob mutwillig oder aus einer großen Unfähigkeit heraus entstanden,
kann ich nicht abschließend beurteilen. Ich denke, diese Art von Tätigkeit
liegt ihr weniger als mir. Doch da sie das schon seit mindestens vier Jahren
macht, sollte es nicht so erbärmlich sein und sie etwas bessere Arbeit
abliefern. Nichts gegen Fehler, aber das ist echt krasse Scheiße. Ein weiteres
Highlight ist der Schweisser, der gut schweissen kann. Wie gut, dass sie sich
auch weiter ganz sicher ist, dass das ß abgeschafft wurde. An all diesen Dingen
sieht man, dass sie nur begrenzt bis gar nicht lernfähig ist. Eine weitere
Kostprobe Ihrer Unfähigkeit, oder aber ihrer Ignoranz, sind die von ihr
eingescannten Bewerbungsfotos, die stets irgendwelche Ränder haben. Anstatt
diese Bilder später zu bearbeiten, die Ränder zu entfernen, wenn sie diese
schon nicht anständig einscannen kann, druckt sie die Fotos mit hässlichen
Rändern, fröhlich auf jede Bewerbung, so dass gar nicht erst ein guter Eindruck
entstehen kann. An besonders kreativen (guten?) Tagen scannt sie die Bilder
auch mal schräg ein und druckt sie so aus. Fehlende Individualität kann man ihr
wahrlich nicht vorwerfen. Doch ob diese Art der Individualität ankommt, darf
bezweifelt werden. So kann ich immer wieder feststellen, dass ich hier im Büro
tatsächlich derjenige bin, der etwas weniger blöd ist. Zumindest, was diesen
Teil der Tätigkeit angeht. Leider befähigt mich das jedoch nicht zu höheren
Aufgaben. Ich bin nur bemüht, den Kunden etwas weniger großen, mit den Worten
meiner Kollegin geschrieben, grossen, Mist abzuliefern. Gelingt mir zwar nicht
immer, aber immer wieder mal. Was die QM-Angelegenheiten angeht ist sie mir
aber weit voraus. Ich beschäftige mich so wenig wie möglich mit den Tiefen der
QM-Materie, weil ich denke, dass es wichtiger ist, Kunden ordentliche,
zumindest halbwegs ordentliche, Arbeit abzuliefern. Die ganzen QM-Abläufe sind
mir wegen meiner Ignoranz größtenteils ein Rätsel, weshalb ich auch niemals
eine normale berufliche Tätigkeit ausüben könnte. Da wäre ich mit meinen
begrenzten geistigen Fähigkeiten, gepaart mit meiner fragwürdigen Einstellung,
rasch überfordert. Und so muss ich mir stets aufs Neue eingestehen, dass diese ehrenamtliche
Tätigkeit das Maximum ist, was mir beruflich möglich ist. Nicht wirklich
erbaulich, aber andererseits besser als nichts. Wenn dieses Büro im nächsten
Jahr noch besteht und die Frage aufkäme, ob meine Kollegin oder ich Vollzeit
hier arbeiten, würde mit Sicherheit meine Kollegin gewählt, weil sie diese
ganzen organisatorischen Sachen und vor allem diesen QM-Kram besser macht. Ich
würde allerdings keinen von uns einstellen, weil jeder maximal zu 50% zu
gebrauchen ist. Für eine ganze Stelle ist das einfach zu wenig.
Im Nebenbüro höre ich der durchaus
attraktiven Frau, die gerne strullen geht, beim telefonieren zu. Ihre Stimme
passt zu ihrem Aussehen. Ansonsten kann ich mich leider nicht weiter für sie
begeistern. Wenn sie schon reden muss, dann sollte sie vielleicht irgendwelche
Texte vorlesen. Das würde mir gefallen. Und das Lachen sollte sie besser auch
einstellen. Wertet sie nur ab und muss nicht sein.
Der Schrank ist übrigens aufgeräumter
als üblich, weil in der nächsten Woche ein internes Audit ansteht. Schon
erstaunlich, was dann alles möglich ist. Vor allem, wenn man genauer hinsieht.
Da ist zwar der obere Schrank nun vorbildlich aufgeräumt, alles ist prima
angeordnet und fast schon abartig ordentlich, dafür ist aber der untere Schrank
plötzlich vollgestopft mit allem, was den guten Gesamteindruck im oberen
Bereich stören würde. Somit gehe ich davon aus, dass der untere Bereich beim
Audit verschlossen bleiben wird. Es ist auch nicht so, dass der obere Bereich
vorher wirklich unordentlich war. Nur halt nicht so perfekt, wie er für ein
Audit sein muss. Dazu passt das Chaos im unteren Bereich gar nicht. Wenn man
schon aufräumt, dann doch bitte komplett und nicht nur im Sichtbereich. Was
soll denn sowas? Ich bin absolut dafür, dass hier demnächst entrümpelt wird.
Als reine Wohlfühlmaßnahme. Der kleine Schrank, der vorher mit allem Kram, der
nun Teilweise im unteren, großen Schrank steht, vollgepackt war, ist auch
irgendwie aufgeräumt. Das Chaos wurde also in einen anderen Bereich verlagert. Erscheint
mir irgendwie lächerlich und unnütz. So ein internes Audit halte ich auch für
zumindest fragwürdig.
Als letzte Besucherin kommt die
blonde Frau mit dem geilen Arsch. Nachdem ihre Bewerbungsunterlagen erstellt
sind quatschen wir noch eine Weile einfach so über irgendwas. Währenddessen
versuche ich herauszufinden, ob ihre Augenbrauen nur aufgemalt oder noch
vorhanden sind. Trotz Brille kann ich es nicht wirklich sagen. Ich finde auch,
dass ihre Augenbrauen bläulich schimmern, was mir ebenso zu denken gibt.
Ansonsten sieht sie aber ganz normal aus. Vielleicht etwas dünn. Da muss sie
aufpassen, dass sie nicht noch dünner wird, weil zu dünn zu sein ist einfach
nichts. Ich glaube auch, dass sie etwas trockene Haut hat. Vielleicht trinkt
sie nicht genug. Da fällt mir ein, dass ich heute auch noch nicht getrunken
habe. Es ist so leicht zu vergessen, dass man genug trinken muss, um nicht zu
vertrocknen. Ob ihre beiden Kinder denselben Vater haben? Und wo ist er wohl?
Ist mir eigentlich auch egal. Wenn ich nur wüsste, worüber wir hier die ganze
Zeit reden. Bevor ich das herausfinde, haben wir auch schon genug gequatscht
und sie steht auf. Doch gehen mag sie dann zunächst doch nicht, weshalb wir
weiter reden. Ich betrachte sie ausführlich, kann aber nichts Außergewöhnliches
feststellen. Wie sie wohl aussieht, wenn sie sich die Augen nicht schminkt? Und
wieso erzählt sie mir nun von ihrer Tochter? Ach ja, weil wir irgendwas über Ausbildungen
gesprochen haben, glaube ich. Jedenfalls geht ihre Tochter in die achte Klasse,
was mich nicht wirklich interessiert. Eigentlich warte ich nur noch darauf,
dass sie sich umdreht und ich gucken kann, ob sie immer noch so einen geilen
Arsch hat. Als sie sich endlich umdreht bin ich mir allerdings nicht mehr
sicher. Vielleicht die falsche Jeans. Möglicherweise ist sie aber einfach nur
zu dünn. Auch am Arsch. Ich schaue ihr noch einen Moment nach und beschließe
dann, dass sie möglicherweise doch einen geilen Arsch hat. Mit der Erkenntnis,
die keinen weiter bringt, endet dieser Tag im Büro.

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