Das Audit und fragwürdige Bewerbungen

Erwartungsgemäß war das Audit ein voller Erfolg und ich rechne
damit, dass es sich in Kürze persönlich bedanken wird, soweit nicht schon
gesehen. Es kommt eben doch darauf an, dass man sich perfekt auf so ein Audit
vorbereitet. Leider hat das Audit drei ganz neue Bewerbungen meiner Kollegin
nicht gesehen. Die erste Bewerbung stammt von einem Schüler, der einen
Ausbildungsplatz sucht. Hier ein kurzer Ausschnitt daraus:
Sehr geehrte Damen und
Herren,
ich bin auf ihr
Stellenangebot um eine Ausbildungsstelle zum Klempner aufmerksam geworden.
Ich habe bereits
Berufserfahrung Praktika in verschiedenen Bereichen absolviert.
In meiner Schulischen
Laufbahn konnte ich feststellen, dass ich mich immer schnell in neue Gebiete
einarbeiten konnte. Dabei bin ich auch immer gründlich und zupackend.
Wenn das kein professioneller Einstieg in ein mögliches
Berufsleben ist, dann weiß ich es auch nicht. Leider bin ich mit der deutschen
Sprache nicht so gut vertraut, weshalb der Teil mit den Praktika für mich etwas
komisch klingt. Ich wusste auch nicht, dass man während seiner schulischen
 Laufbahn zupackend sein muss. Das könnte aber daran liegen, dass ich mehr
als einmal sitzen geblieben bin und meine schulische Laufbahn schon über
zwanzig Jahre zurück liegt. Die Zeiten ändern sich halt.
Ebenfalls einen Ausbildungsplatz sucht ein junger Mann, der ein
Geruchsproblem hat.
Wie Sie meinem Lebenslauf
entnehmen können, habe ich eine Ausbildung als Autolackierer begonnen. Da dies
nicht für mich geeignet war, weil ich den Nitro Geruch nicht ertragen konnte.
Wenn ich das richtig verstehe, hat er die Ausbildung zum
Autolackierer begonnen, weil er den Geruch von Nitro nicht ertragen kann und
die Ausbildung deshalb nicht für ihn geeignet war. Dass er nun eine Ausbildung
zum Maler und Lackierer machen will erscheint da nur logisch und konsequent.
Eine weitere Bewerbung hat mich sehr begeistert, aber auch
verwirrt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
sind Sie auf der Suche nach einer motivierten Verkaufshilfe,
dann ist meine Bewerbung nicht um sonst und ich darf mich Ihnen kurz
vorstellen.
In meinem Lebenslauf werden Sie ersehen, dass ich einem
Weiterbildungslehrgang – Qualifizierung Verkauf, welches mit einem vierwöchiges
Praktikum verbunden war, um meine Kenntnisse anzuwenden und weiter zu
vertiefen.
Ich bin ein sehr freundlicher, zuvorkommender und hilfsbereiter
Mensch, der auch bei großem Arbeitsanfall den Überblick bewahrt und auch in
schwierigen Situationen stets höflich bleibt.
Ich bin Flexibel einsetzbar und zeige stets Einsatzbereitschaft
und ein Auge für anfallende Arbeiten.
Abgerundet wird mein Profil durch eine sehr gute Teamfähigkeit,
wie auch Kenntnisse im täglichen Umgang mit Kunden und an der Kasse bringe ich
natürlich mit.
Hierbei erscheint mir die Rechtschreibung etwas bedenklich, was
aber an meiner mangelnden und lange zurück liegenden Schulbildung liegen kann.
Den Teil mit dem Lebenslauf und dem Weiterbildungslehrgang kann ich leider
nicht verstehen. Ein Auge für anfallende Arbeiten finde ich allerdings
großartig. Insgesamt handelt es sich vermutlich um eine absolut moderne
Bewerbung, die sicher großen Anklang finden wird. Es fragt sich nur wo. Was das
Audit zu solchen Bewerbungen sagen würde, wüsste ich schon gerne. Aber leider
sind dem Audit Bewerbungen und Kunden völlig egal. Daher ist es wenig
verwunderlich, dass ich mir immer wieder die Frage nach dem Sinn eines Audits
stelle. Diese kritische Einstellung ist vermutlich auf meine Borniertheit und
meine generelle Einstellung zur Arbeit zurückzuführen und daher mein
persönliches Problem.
Die Kaffeflecken auf dem Boden lachen mich unverändert an. Oder
aus. Je nachdem, welche Einstellung man zu Kaffeeflecken auf dem Boden hat. Ich
würde jedenfalls die Putzfrau entlassen. Die Schreibtischunterlage hat meine
Kollegin zwischenzeitlich, vielleicht um das Audit milde zu stimmen,
gewechselt. Was nicht bedeutet, dass auf der neuen Schreibtischunterlage keine
Kaffeflecken sind. Nur eben weniger.
Was mich ebenfalls etwas irritiert ist die Tatsache, dass alle
Bewerbungen, die ich ausdrucke mit einem sogenannten Eselsohr geschmückt sind,
weshalb ich das Papierfach des Druckes öffne, um festzustellen, dass alle
Blätter, die sich darin befinden, Eselsohren haben.  Da ich der Meinung
bin, dass man den Kunden keine Bewerbungen mit Eselsohren mitgeben kann, lege
ich neues, garantiert eselsohrenfreies Papier in den Drucker. Ich bevorzuge es,
wenn die Menschen sich ihre Bewerbungen selbst verknicken.
Gelegentlich, also fast nie, füllen Besucher einen
Bewertungsbogen aus. Frage 7 ist nicht zum ankreuzen, da kann man seine Wünsche
und Anregungen notieren. Irgendwer schrieb dort folgendes: Eine bessere PC wäre wünschenswert. Das finde ich erstaunlich, also nicht, dass der PC
weiblich ist, sondern wie ein Besucher den PC hier beurteilen kann. Hat
vielleicht meine Kollegin den Eindruck vermittelt, dass der PC so schlecht ist?
Entweder durch eine Aussage oder weil sie mit dem PC nicht klarkam und der
Besucher, der auch eine Besucherin gewesen sein kann, es so deutete, dass der
PC das Problem ist und nicht die Person, die ihn bedient. Ich stelle fest, dass
ich mittlerweile zu viele Dinge hinterfrage. So wird nie was aus mir. Aber das
war ja schon immer klar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.