Mein Weg zur Ausbilderprüfung

05.47 Uhr aufstehen. Um 07.10 Uhr losfahren und feststellen,
dass die B1 zu voll ist, um pünktlich anzukommen. So bin ich an meinem ersten
Schultag gleich zu spät. Wie kann der Weg zur Ausbilderprüfung schöner
beginnen?
16 Männer und 5 Frauen haben ebenfalls den Wunsch die
Ausbilderprüfung zu machen. Ich bin der zweitälteste und nach den ersten
Eindrücken auch der zweitblödeste hier. 
Beste Voraussetzungen also für dreizehn wundervolle gemeinsame Tage. Der
Klassenraum ist gut gekühlt, weil die anderen Teilnehmer das wohl mögen und die
Fenster durchgehend geöffnet sind. Die Pausen sind mir mit ihren fünfzehn Minuten
zu kurz, der Unterricht ist ermüdend. Ich sitze neben einem Mann, der fast in
meinem Alter ist. Ich habe nicht das Bedürfnis mit ihm zu reden. Es sieht
derzeit so aus als würde ich während der Zeit, die wir hier verbringen, mit
niemandem reden wollen. Schnell bilden sich die ersten Pärchen, welche sogar
gemeinsam zur Toilette gehen, was mich arg verwirrt, weil es Männerpärchen
sind. In meiner Klischeewelt gehen nur Frauen gemeinsam zur Toilette. Doch was
weiß ich schon von der Welt der Menschen unter 30?
In der zweiten Pause spricht mich einer der Teilnehmer an, weil
er bei der Vorstellungsrunde mitbekommen hat, dass ich Menschen bei Bewerbungen
helfe. Er hat zwei Cousins und fragt, ob ich denen helfen kann. Natürlich kann
ich das. Was ich ihm verschwiege ist die Tatsache, dass meine Bewerbungen
ziemlich mäßig sind. Vielleicht merkt er das ja nicht. Außerdem siezt er mich,
was mich nicht nur irritiert, sondern auch deprimiert. Ich bin alt. Ich will
das nicht. In den folgenden neunzig Unterrichtsminuten schlafe ich mehrfach ein
und weiß dann kurzzeitig nicht, wo ich bin. Fängt alles wirklich
vielversprechend an.
Der Dozent erzählt von der Prüfung und schnell wird klar, dass
ich hier nichts zu suchen habe. Die Prüfung wird sich natürlich mit einem
Ausbildungsberuf beschäftigen. Mein Plan war es dem Prüfer, der so tut, als
wäre er ein Auszubildender, zu erklären, wie man eine fantastische Bewerbung
erstellt. Wenn ich den Dozenten richtig verstehe, kann ich das vergessen. Dumm
nur, dass mir das am Telefon vor meiner Anmeldung anders mitgeteilt wurde. Also
bin ich hier wohl falsch. Dafür zahle ich gerne fast 700€ aus eigener Tasche.
Alleine daran erkennt man, dass ich vollkommen einen an der Waffel habe. Weil
ich mir nun selber peinlich bin, beschließe ich, dass ich mit niemandem aus der
Runde reden werde. Außerdem sind die meisten hier intelligenter, gebildeter und
beruflich erfolgreicher. Da komme ich mir nur noch minderwertiger vor, wenn ich
mit denen rede. Das möchte ich nicht.

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