Ausbilderprüfung 2

Nachdem ich am Abend einen Fehler in meiner Unterweisung
entdecke, sehe ich meine Chancen, die Prüfung irgendwie zu bestehen, weiter
schwinden. Was die Fachfragen angeht, weiß ich auch nichts mehr. Und so
beschäftige ich mich mit der Frage, ob es Sinn macht die Prüfung zu
wiederholen, wenn ich durchfalle. Eine Antwort darauf habe ich nicht.
Nachdem ich in der Nacht ständig aufwache und völlig unentspannt
bin, beschließe ich, dass ich, sollte ich durchfallen, es dabei belasse. Das
ist nichts für mich. Ich bin der geborene Arbeitslose und Prüfungsstress tut
mir nicht gut. Als ich um kurz vor 08.00 Uhr aufstehe, frage ich mich, ob es
überhaupt Sinn macht zur Prüfung zu gehen. Ich könnte stattdessen einfach hier
bleiben und mich nie wieder melden. Andererseits könnte ja ein Wunder passieren
und ich irgendwie doch die Prüfung schaffen. Aber Wunder passieren nicht
wirklich oft und wenn ich zu Hause bleibe, kann ich mich auch nicht blamieren
und spare mir diesen unsäglichen Prüfungsstress. Ach, hätte ich mich doch nie
auf all das eingelassen.
Knapp drei Stunden später stellen sich die drei Prüfer vor. Der
eine ist der Dozent, der uns für diese Prüfung fit gemacht hat, die anderen
beiden machen auch einen guten Eindruck. Leicht plaudernd beginnen wir und
schon sind wir mitten in der Unterweisung. Der Dozent verlässt uns spontan,
weshalb wir zu dritt weiter machen. Die ersten fünfzehn Minuten gehen schnell
um und ich bin sehr erstaunt als der Wecker klingelt und das Ende des
gemütlichen Teils einleitet. Nun beginnt der Teil, den es meiner Meinung nach
nicht geben müsste. Und kaum geht es los, habe ich keine Antworten. Die beiden
Prüfer sind dennoch ganz locker, stellen die Fragen anders, plaudern und
irgendwann passt es dann irgendwie und es geht weiter. Dummerweise habe ich den
Leittext in einer hinteren Ecke meines Gehirns abgestellt, so dass die beiden
immer viel Fragen müssen, bevor ich brauchbare Antworten liefere. Das hat teilweise
etwas von einem Ratespiel und ich bin verwirrt und probiere immer wieder von
diesen Fragen in eine lockere Plauderei zu wechseln, um möglichst Zeit zu überbrücken.
Ich versuche das Gespräch quasi umzuleiten, was aber wenig mit dem Leittext zu
tun hat. Nebenbei wollen diese fünfzehn Minuten einfach nicht enden. Erst eine
gefühlte Ewigkeit später, sagt einer der Prüfer, dass zwar noch vierzig
Sekunden Zeit sind, sie diese aber nicht brauchen, weil sie genug gehört haben,
um ein Urteil zu fällen. Sie fügen an, dass es ein positives Ergebnis sein
wird. Ich bin erfreut und überrascht und gehe kurz raus, damit sie sich beraten
können. Kaum bin ich draußen werde ich schon wieder rein gerufen und  erfahre, dass meine mangelnde Flexibilität
mich wohl eine Note gekostet hat. Ich bekomme für meinen Auftritt 88 Punkte und
werde gefragt, ob ich damit leben kann. Und wie ich das kann. Vor allem, wenn
ich bedenke, dass ich heute Morgen erst auf dieses Spektakel verzichten wollte. Das Leben ist echt komisch und ich bin nun offiziell dazu befähigt Leute
auszubilden. Das ist nicht nur ein bisschen verrückt, das ist der pure
Wahnsinn.

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