Bier und andere Drogen

Eine Mitarbeiterin vom Jobcenter schickt einen Mann, Mitte
dreißig, zu mir, damit ich seinen Lebenslauf zu seinem Vorteil gestalte. Dabei
soll es weniger um die Optik, sondern vielmehr um den Inhalt gehen. In dem
Lebenslauf des Mannes gilt es über fünf Jahre, die er wegen verschiedener
Drogendelikte im Gefängnis verbrachte, so zu gestalten, dass er nicht sofort
durchfällt, wenn jemand seinen Lebenslauf sieht. Ich soll also einen Lebenslauf
im Namen des Jobcenters jenseits der Wahrheit umgestalten. Das ist neu für
mich, denn bisher hieß es ja, man soll so etwas nicht machen. Und so hat der
Mann am Ende in diversen, natürlich nicht aufgeführten Unternehmen,
verschiedene Tätigkeiten ausgeführt. Ob das wirklich zum Erfolg führen wird,
darf zwar bezweifelt werden, aber versuchen kann man es ja. Papier ist geduldig
und der Ehrliche eh oft der Dumme. Der Mann macht insgesamt einen anständigen
Eindruck, ist vernünftig gekleidet, stinkt nicht und hat in seinem Rucksack ein
paar Flaschen Bier mitgebracht.  Am Ende
unseres Termins bietet er mir eine Flasche Bier an, weil ich ihm so toll
geholfen habe. Da Bier mir nicht schmeckt und ein zu Unrecht verharmlostes
Teufelszeug ist, lehne ich dankend ab und der Mann mit dem Bier verlässt das
Büro.

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