Ein Todesfall, ein Mann am PC und zwei Frauen

Der Mann, dessen Bruder gestorben ist, hat wirklich ein Problem.
Allerdings bin ich da nicht wirklich der richtige Ansprechpartner für. Und so
sage ich ihm, dass er unbedingt zum Amtsgericht gehen muss, um keine weiteren
Probleme zu bekommen. Wenn sich daraus ergibt, dass er weitere Hilfe benötigt,
kann er gerne wieder kommen. Alles andere wäre fahrlössig und würde niemandem
helfen.
Ein Mann kommt ins Büro und möchte nach freien Stellen suchen
und anschließend seine Bewerbungen schreiben, weil man ihm beim Jobcenter
gesagt hat, dass er das hier machen kann. Ich finde es zwar auch weiterhin
befremdlich, dass hier jemand an den PC darf, doch das spielt keine Rolle.
Schnell wird klar, dass der Mann nicht wirklich weiß, was er da tut. Passend
dazu ist sein Anschreiben eine echte Katastrophe. Ich biete ihm meine Hilfe an,
erkenne aber schnell, dass er mit dem, was ich aus seinem Anschreiben mache,
nicht einverstanden ist. So beseitige ich nur die groben Fehler und lasse den
Rest so, wie er ist. Der Kunde ist König und ich bin sein ergebener Diener. So
soll es sein. Ich gehe zurück an meinem Platz und sehe, wie der Mann wahllos
seine Dateien löscht und Schwierigkeiten hat, die Dinge im richtigen Format zu
speichern. Er klickt hier, klickt da, kommt aber nicht wirklich weiter. Dann
möchte er  Stellenangebote, die er
gefunden hat, ausdrucken. Ich sage ihm, dass er von dem PC nicht drucken kann
und bin froh, dass ich dafür gesorgt habe, dass es nicht geht. Seit fast einer
Stunde sitzt er nun hier und hat nicht eine einzige Bewerbung fertig. Ich muss
gestehen, dass mich diese Langsamkeit irgendwie nervt. Ich sage ihm, dass die
maximale Nutzungsdauer eine Stunde beträgt und er im Internetcafe der
Stadtbücherei weiter recherchieren kann. Das bringt doch so alles nichts.
Dennoch bedankt er sich artig für meine Hilfe und sagt, dass er vielleicht
morgen wieder kommt. Ich weiß nicht, ob mir das gefällt.
Kaum ist er weg, ist eine junge Türkin mit Kopftuch zu Gast. Sie
war vor etwa drei Jahren zuletzt hier und ich kann mich noch gut an sie
erinnern, weil sie die süßeste Frau mit Kopftuch ist, die ich je gesehen habe.
Auch heute ist sie wieder ganz entzückend. Entzückende Frauen sind mir am
liebsten. Da passt es gut, dass direkt nach ihr Pamela, die erneut ihren
Hintern unter einer zu langen Jacke versteckt hält,  zu Besuch ist. Morgen endet ihre dreimonatige
Maßnahme zur Qualifizierung im Hotel- und Gaststättengewerbe, bei der sie
nichts gelernt hat und sich die Teilnehmerinnen den ganzen Tag gelangweilt
haben. Was die Maßnahme letztlich mit dem Hotel- und Gaststättengewerbe zu tun
hat, konnte bisher niemand herausfinden. Immerhin wurde dort meine Bewerbung
kritisiert, weshalb die Pamela  fragt, ob
sie rüber auf meine Seite kommen darf, damit wir die beiden Bewerbungen
vergleichen können. Sie erklärt mir, was denen an meiner Bewerbung nicht
gefällt und was alles falsch ist. Ich sehe zwei Bewerbungen, die sich ähnlich
sind und nur einen einzigen Fehler. Der ist allerdings nicht auf meiner
Bewerbung. Es stört mich übrigens nicht im Geringsten, dass Pamela hier neben
mir steht und sich lustig über die andere Bewerbung macht. Dennoch muss sie
nach einer Weile zurück auf ihren Platz, denn Ordnung muss sein. Wir plaudern
noch eine Weile, dann muss sie gehen. Zum Abschied sagt sie noch, dass sie froh
ist, dass meine Kollegin nicht mehr hier ist. Ja, da kann man wirklich froh
sein.

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