Coaching 8

Das achte Coaching findet in meinem Büro, welches Frau Frühling
ziemlich öde findet, statt. Natürlich beginnen wir  mit dem Stresstest, der mir ja einen baldigen
Tod prophezeit. Mein Wert liegt heute bei 5,3 und es scheint so als wäre ich
von den Toten auferstanden. Ob es nur ein kurzer Ausflug ist und ich schon bald
wieder zu den Toten gehöre, wird sich in zwei Wochen zeigen, wenn wir den
lustigen Test wiederholen. Neues Ziel ist ein Wert von 5,7, weil
Babyschritte  besser als Rückschritte
sind. Außerdem gehören Ziele, seien sie auch noch so albern, zu diesem
Coaching. Weil wir nicht nur dumm rum sitzen können, will Frau Frühling eine
Übung mit mir machen. Dazu stellen wir uns Gegenüber im Büro auf und Frau
Frühling beginnt mich zu schubsen. So soll meine Standfestigkeit getestet
werden. Ich sage ihr, dass ich die Übung nicht ernst nehme, mache aber einen
Moment mit. Meine Standfestigkeit ist vorhanden und besser als von ihr
erwartet. Für mich ergibt das alles keinen Sinn. Kann man wirklich so einfach
sein Geld verdienen? Wieso habe ich nicht studiert und auch fast gar keinen
Ehrgeiz? Dieses Leben bietet so viele Möglichkeiten und ich lasse sie alle an
mir vorüberziehen. Bescheuert.
Nach dem praktischen Teil plaudern wir noch eine Weile und Frau
Frühling fragt, wie es mit mir weiter geht. Ich sage ihr, dass ich noch bis
Ende 2017 in diesem Büro abhängen werde und dann vermutlich wieder in die
Arbeitslosigkeit gleiten werde. Da fällt ihr dann nichts mehr zu ein. Kurz
danach ist die Coachingstunde vorbei und wir vereinbaren den nächsten Termin in
zwei Wochen. Ab jetzt werden die Abstände zwischen den Coachingstunden länger,
was ich begrüße, weil ich noch immer nicht weiß, was der Sinn und Zweck des
Coachings ist. Ich weiß lediglich, dass ich selber gerne Coach wäre, weil ich
mir das Leben als Coach lustig und entspannt vorstelle.

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