Deprimierende Kompetenzlosigkeit

Unerwartet viel los ist zu Wochenbeginn in meinem Büro. Ein
regelrechtes Kommen und Gehen. Die erste Kundin steckt heimlich meinen No-Hands
Hinweis ein. Dreist. Kundin Nummer zwei bleibt länger als nötig und weist mich
mehrfach darauf hin, dass ich sie total deprimiere. Ich sage ihr, dass es nun
mal so ist, dass ihre Chancen einen Job zu bekommen, nicht so gut sind und ich
keine Lust habe, ihr Geschichten zu erzählen. Wir leben schließlich in der
Realität und nicht in irgendeiner Märchenwelt. Dennoch will sie demnächst
wieder kommen. Ihre Entscheidung. Später habe ich eine kleine Familie bei mir.
Oma, Mutter, Kleinkind. Ich soll bei einem ALG-II Antrag helfen und bin
komplett überfordert, denn ich bin nicht in der Lage zwischen
Bedarfsgemeinschaft und Hausgemeinschaft zu unterscheiden. Ich wusste bis eben
noch nicht einmal, dass es da Unterschiede gibt. Hat mir ja auch keiner
erklärt. Besonders förderlich ist es, dass das Kleinkind ständig schreit. Ich
erkläre der Kleinen mehrfach, dass sich das nicht gehört und uns nicht weiter
bringt, was aber nur kurzzeitig wirkt. Kaum enden meine gutgemeinten
Belehrungen, geht das Geschrei wieder los. Wie soll man da konzentriert
arbeiten? Es wäre äußerst hilfreich, wenn mir irgendwann mal jemand beigebracht
hätte, wie solche Anträge ausgefüllt werden und wie man kleine Kinder dauerhaft
ruhig stellt. So ist unschwer zu erkennen, dass meine Kompetenz für diese
Tätigkeit absolut nicht ausreichend ist. Allerdings erklärt es auch, warum ich
so wenige Kunden habe. Wer geht schon gerne zu Leuten, die keine Ahnung haben
und einen deprimieren? Sicher nur diejenigen, denen Kompetenzlosigkeit nicht auffällt.

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