Erstes Vorstellungsgespräch 2016

Weil meine derzeitige Tätigkeit
nicht nur keine Zukunft hat, sondern auch nur mäßig bezahlt wird, schreibe ich
tatsächlich ab und zu Bewerbungen. Ob ich die Jobs, auf die ich mich bewerbe,
wirklich will, kann ich gar nicht so genau sagen, weil ich mir sowieso nichts
anderes als das hier zutraue und vor allem auch keine Ahnung von irgendwelchen
sonstigen Dingen habe. So ist es dann auch ein Schock als ich tatsächlich zu
einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde. Ich hatte mich auf eine Stelle als
Jobcoach beworben, obwohl ich nur einen Teil der geforderten Qualifikationen
mitbringe. Einen winzigen Teil, weshalb ich nicht verstehen kann, wieso man
mich einlädt. Man darf dort angeblich zwischen 25 und 39 Wochenstunden wählen.
39 sind mir definitiv zu viel und von 25 kann ich vermutlich nicht leben.
Obwohl ich nicht
glaube, dass es Sinn macht, mache ich mich auf den Weg zum Vorstellungsgespräch.
Schließlich weiß man erst, ob etwas einen Sinn macht, wenn man sich die
Fakten angehört hat.
Nachdem ich über
zwanzig Minuten warten darf, holt mich die Chefin zum Vorstellungsgespräch in
ihr Büro. Wir plaudern recht locker, ich erzähle, was ich von dem Job erwarte,
sage, dass ich nicht mehr als dreißig Stunden arbeiten mag und was ich verdienen
möchte. Ich wirke vermutlich nicht wie ein normaler Arbeitsloser und plappere
sehr viel und vermittle durchaus den Eindruck, ich wäre ein normaler Mensch.
Wobei ich gar nicht weiß, was ein normaler Mensch ist und wie sich ein solcher
verhält. Zu meiner Überraschung bietet mir die Chefin tatsächlich einen Job an.
Ein neues Projekt mit Arbeitslosen bei denen drei Mitarbeiter der Firma für die
Arbeitslosen zuständig sind. Ich wäre neben der Betreuung für die Akquise von
Arbeitgebern zu ständig, welche die Arbeitslosen einstellen sollen. Entweder
als Praktikanten oder zur Probe. Irgendwie klingt das zu gut, um wahr zu sein.
Überhaupt ist dieses Gespräch anders als andere Vorstellungsgespräch, die ich im Laufe meines Lebens so geführt habe. Ich fühle mich zumeist gar nicht wie ein
Arbeitsloser und werde auch nicht so behandelt. Alles wirkt entspannt und wenn
ich Anfang nächster Woche wirklich ein konkretes Angebot für diesen Job
bekomme, dann kann ich eigentlich nicht ablehnen. Sollte es so kommen, müsste
ich mich vermutlich etwas erwachsener verhalten in den nächsten zwölf Monaten,
die mein Arbeitsvertrag gültig wäre. Das ist echt verrückt. Ich war schon so
oft als Teilnehmer in solchen Maßnahmen und wäre dann tatsächlich auf der
anderen Seite angekommen. Das könnte mein erster nicht vom Jobcenter
unterstützter Job seit zehn Jahren werden. Sofern die Chefin es sich nicht anders
überlegt und meine Minderwertigkeitskomplexe mir keinen Strich durch die
Rechnung machen. Ich weiß echt nicht, wie ich damit klarkommen soll. Eigentlich
weiß ich gerade gar nichts mehr.

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