Vertragsunterzeichnung

Weil die Chefin
noch nicht da ist, nehme ich auf einem Sofa Platz und warte. Nach einer Weile
setzt sich eine ihrer Mitarbeiterinnen zu mir und wir unterhalten uns. Die
Mitarbeiterin ist, so schätze ich, um die dreißig, sehr attraktiv und wir
plaudern recht entspannt. Die Atmosphäre ist mehr als angenehm. Irgendwann ruft
die Chefin an, um zu sagen, dass sie bald da sein wird. Die Mitarbeiterin
antwortet, dass alles gut ist und wir zusammen auf dem Sofa sitzen. Nachdem sie
aufgelegt hat, findet sie es merkwürdig, dass sie ihrer Chefin das gesagt hat.
Ich sage ihr, dass daran nichts merkwürdig ist, weil wir ja zusammen auf einem
Sofa sitzen und dieses Sofa ziemlich unbequem ist. Sie ist der gleichen Meinung
und nachdem wir uns über das unbequeme Sofa ausgelassen haben, erzählt sie
etwas von der Arbeit. Ich bin völlig entspannt, mein gestörtes Ich hält sich
erstaunlich zurück und beobachtet einfach nur,während ich die attraktive
Mitarbeiterin betrachte und mir bewusst wird, wie alt ich wirklich bin und dass
es durchaus möglich gewesen wäre, dass ich als Arbeitsloser von ihr gecoacht
worden wäre. Nun aber sitze ich hier mit ihr, quasi auf derselben Ebene, und
wir reden über Arbeitslose, zu denen ich wohl nicht mehr gehöre, was mir sehr
surreal erscheint.  
Jahrelang habe ich
mich über Maßnahmen aufgeregt, die Dozenten und Coaches, falls es damals schon
Coaches gab und man sie so nannte, für unfähig erklärt, die Maßnahmen wegen
Sinnlosigkeit verurteilt und immer gesagt, dass ich es besser machen würde. Und
nun sieht es ganz danach aus als würde ich genau diese Möglichkeit tatsächlich
bekommen. Schon bald kann ich es besser machen. Oder feststellen, dass ich es
eben doch nicht besser kann. Bald werde ich die andere Seite für mich
entdecken.

Wir führen weiter eine Unterhaltung, die so entspannt
ist, dass die Zeit nur so verfliegt und es ist mir ein Rätsel, wie ich es immer
wieder hinbekomme einen völlig normalen Eindruck auf Menschen zu hinterlassen.
Es stellt sich nur die Frage, wie lange es dauert bis mein gestörtes Ich wieder
Besitz von mir ergreift. Bis es soweit ist,genieße ich dieses Gespräch,
versuche witzig zu sein, grinse die Mitarbeiterin debil an und warte bis es
vorbei ist und ich meinen Vertrag unterschreiben darf.

Das anschließende Gespräch mit der Chefin verläuft ähnlich entspannt. Wenn das
die Arbeitsatmosphäre ist und ich meinen Job anständig mache, könnte das
durchaus eine Zukunft haben. Jetzt den Vertrag nicht zu unterschreiben wär
vermutlich das Dümmste, was ich machen könnte. Und weil mein gestörtes Ich auch
weiterhin keinen Mucks von sich gibt, unterschreibe ich und werde in zwei
Wochen den nächsten Schritt auf meiner Karriereleiter erklimmen. Sollte ich die
Sprossen dieser Leiter nicht absägen, scheint vieles möglich zu sein. Ich bin
gespannt

2 Gedanken zu „Vertragsunterzeichnung“

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