Auf der falschen Seite

Am zweiten Tag in meiner neuen Arbeitswelt sind sieben
Teilnehmer anwesend und es steht das gemeinsame Frühstück auf dem Plan.
Gemeinsames Frühstück in einer kleinen Küche klingt wenig prickelnd für mich.
Noch unprickelnder wird es, als meine desillusionierte Kollegin mit einer
Teilnehmerin aufbricht, um einkaufen zu gehen. Vorher stellt sie mich nämlich
den anderen Teilnehmern vor und eine Welle der Ablehnung schwappt aus der
hinteren Reihe zu mir hinüber. Daran ist deutlich zu erkennen, dass ich auf der
anderen Seite stehe.
Nachdem die Kollegin weg ist, stehe ich vor den Teilnehmern, die
mich mehr oder weniger missachten, und bin zum handeln gezwungen. Also sage ich
ein paar Sätze, um mich zu positionieren. „Sie haben ja alle eine Aufgabe.
Sollten Sie fragen haben, finden Sie mich im Büro nebenan. Ich gehe aber davon
aus, dass Sie keine Fragen haben werden.“ Nach dieser überzeugenden und
deutlichen Ansage, ziehe ich mich zurück in eines der Büros, um mir die Akten
der Teilnehmer durchzulesen.
Als meine Kollegin vom Einkaufen zurück ist, wundert sie sich,
dass es so still ist. Liegt bestimmt an meiner Rede und dem Respekt, den die
Teilnehmer vor mir haben.
Am Frühstück nehmen nur vier Teilnehmer teil. Die letzte Reihe
bleibt fern, was ich durchaus schätze. Nach dem Frühstück fragt eine
Teilnehmerin, ob ich befugt bin, Ihre Bewerbungen zu überprüfen. Natürlich bin
ich das. Ich gehöre nämlich vorübergehend zu denen, die man fragt und nicht zu
denen, denen man etwas sagt. Dennoch fällt es mir schwer diesen Zustand zu
verinnerlichen und die Teilnehmer nicht zu duzen. Ich bin keiner von ihnen,
obwohl ich sehr wohl einer von ihnen bin. Oder eben doch nicht. Verdammt, ich
weiß nicht, wer oder was ich bin. Aber irgendwie scheine ich auf der falschen
Seite zu sein.

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