Wichtige Sitzung

Sitzungen, Teambesprechungen, oder wir auch immer man es nennen
mag, sind in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken und können einen echt weiterbringen. Oder auch nicht. Je nachdem, wie man es betrachtet und wie so eine Sitzung abläuft. Da ich ein großer Freund dieser Sitzungen bin, freue ich mich besonders, dass wir uns heute zu einer solchen Sitzung treffen.
Aus unerklärlichen Gründen beginnt die Sitzung eine Stunde später als geplant. Meine selbstbewusste Kollegin und unser dritter Mann, der zwar eigentlich an zwei Tagen in der Woche bei uns im Büro sein soll, den wir
aber zuletzt bei der Begrüßungssitzung gesehen haben, ist ebenso dabei, wie Alpha, die Chefin, zwei Damen und ein Herr vom Jobcenter. Wie üblich gibt es Kaffee und Kuchen und wir erfahren, dass Alpha demnächst für sage und schreibe vier Maßnahmen den Kopf hinhalten muss. Er schwebt quasi über uns allen. Davon, dass ich für die Akquise zuständig bin, ist heute keine Rede. Vielmehr nutze ich die Gelegenheit, um mit dem Mann vom Jobcenter zu vereinbaren, dass ich neben der Maßnahme auch noch für Bewerbungsgutscheine zuständig bin. Vielleicht kann ich mich so unentbehrlich erscheinen lassen, ohne es zu sein.
Wie auch schon bei der ersten Sitzung am ersten Maßnahmetag, merke ich, dass meine Chefin mich gelegentlich intensiv beobachtet. Ich schaue sie kurz an, um anschließend wieder bedeutungslos in die Runde zu starren und den Ausführungen zu lauschen. Meine Chefin findet mich sicher komisch. Ich finde es komisch, dass so viele Worte zu Sätzen geformt werden, die alles meiner Meinung nach unnötig in die Länge ziehen. Aber vermutlich muss das so sein. Was weiß ich denn schon davon?
Während das Gespräch munter weiter läuft, mache ich mir die Absurdität der Situation bewusst. Ich sitze hier mit Leuten vom Jobcenter, habe mich als Experte im SGB II vorgestellt und war vor kurzem noch selbst in einer
Maßnahme. Das hat schon etwas von verarsche, wie ich finde. Doch was kümmert es mich? Die Menschen sind halt verrückt und es passieren zu oft Dinge, die man nicht rational erklären kann.
Nach der Sitzung bespreche ich mit dem Mann vom Jobcenter noch
ein paar Details, bevor ich mich einem meiner Teilnehmer widme. Meine Chefin fragt unterdessen die Selbstbewusste über mich aus. Wie ich mit der Akquise vorankomme und ob wir gut zusammenarbeiten. Dann stellt sie fest, dass ich wohl besser im Einzelcoaching bin und kündigt ein Gespräch mit mir an. Zumindest sind das die Informationen, welche meine Kollegin mir später zur Verfügung stellt. Für mich bleibt die Arbeitswelt auch weiter ein Mysterium.

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