Preußenhafenfest

Man muss auch mal etwas Verrücktes tun. Da trifft es sich gut,
dass in Lünen das beliebte Preußenhafenfest stattfindet. Ein Fest, welches ich
immer gemieden habe. Doch wenn man spontan sein und nicht in seiner Wohnung
versauern will, dann bietet sich so ein Fest geradezu an.
Das Fest ist von der Größe her recht überschaubar. Es gibt
Stände an denen man sich was zu essen kaufen kann, Getränkestände und eine
Bühne auf der eine maximal mittelmäßige Band für Lärm sorgt. Und es gibt
Menschen. Eine fast durchgehend graue Masse, die sich kleidungstechnisch
abgesprochen zu haben scheint. Praktische Kleidung, die eher schlicht als
schick ist, scheint hier der Trend zu sein. Mit Hemd und Sakko gehöre ich zu der
Minderheit, die vollkommen falsch gekleidet zu sein scheint. Ich hätte mich
vorher informieren sollen, was hier kleidungstechnisch angesagt ist. Wenigstens
sind meine praktischen Sneakers, die ich auf Grund von Schmerzen im Fußgelenk
auswählen musste, für dieses Fest angemessen.
Auf den Tischen stehen überwiegend alkoholische Getränke, weil
man ohne Alkohol solche Feste wohl nur schwer ertragen kann. Vielleicht kann
man aber auch sich selbst oder seine Begleitung ohne Alkohol nur schwer ertragen.
Möglicherweise ist so ein Fest mit Alkohol auch viel lustiger, weil man dann
lockerer ist. Ich weiß das nicht, weil ich von Alkohol und solchen Festen keine
Ahnung habe. Dafür weiß ich, dass viele angetrunkene Menschen auf mich
irgendwie lächerlich, fast schon bemitleidenswert, wirken. Dieser glasige
Blick, die besondere Körperhaltung und das Getränk in einer Hand, sind eine wirklich
geniale Kombination.  Glücklicherweise
wirken nicht alle so, die etwas Alkohol konsumiert haben. Der Mann direkt vor
mir leider schon.  Seine weibliche
Begleitung scheint vollkommen nüchtern zu sein und ich frage mich, wie sie den
Mann in dem Zustand, sollte sie wirklich nüchtern sein, nur ertragen kann. Er
wirkt wie eine lächerliche Karikatur eines Mannes und ist entsprechend
angezogen. Vielleicht trinkt er, um sich selbst besser ertragen zu können. Vielleicht
sollte man ihn einschläfern.  Vielleicht
sollte ich auch trinken.
Ich schaue mich weiter um und bin überrascht. Scheinbar habe ich
gar nicht mitbekommen, dass Jeansjacken (noch) so angesagt sind. Eigentlich
sind Jeansjacken auch eine feine Sache, wenn sie ordentlich geschnitten sind,
passen und der Rest, den man sich angezogen hat, zur Jacke passt. Hier passt
oftmals gar nichts. Unförmige Körper mit billig wirkenden Jeansjacken, die
alles andere als gut geschnitten sind, und dazu Jeanshosen, in einem fast
ähnlichen Blauton, die auch nicht zu passen scheinen. Sicher alles sehr bequem,
aber alles andere als schick. Vielleicht trinken die Leute auch deshalb, aus Verzweiflung,
weil sie einfach nichts Schönes anzuziehen haben. Oder einfach nicht wissen,
wie man sich schick anzieht. Aber versuchen kann man es wenigstens.
Möglicherweise trägt man zu solchen Festen auch so Kleidung, was weiß ich denn
schon? Nur weil ich hier schöne Menschen sehen will und versnobt bin, muss ich
mich nicht so aufspielen. Ich kann jederzeit gehen, wenn mir das nicht passt.
Außerdem denken viele sicher genauso über mich und meine lächerlichen Schuhe
und mein albernes Sakko zu den getönten Haaren. Vielleicht ist das alles
wirklich nur alkoholisiert zu ertragen. Und vielleicht bin ich angetrunken auch
viel umgänglicher. Da ich das nie erfahren werde, ist es an der Zeit dieses
fulminante Fest zu verlassen. Das ich wiederkomme ist relativ unwahrscheinlich.
Ist nicht meine Welt, macht keinen Spaß und hat auch sonst keinen wirklichen
Nutzen für mich.

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