Teilnehmer 3 – Der Iraner

Der Iraner ist eine
echte Herausforderung. Er will unbedingt in Düsseldorf arbeiten, hat dort aber
keine Wohnung. Einen Job dort bekommt er aber nicht, weil er viel zu weit weg
wohnt. Überhaupt glaube ich nicht,  dass
er wirklich arbeiten will. Was er hingegen unbedingt will, ist ein
Sozialticket, damit er Bus fahren kann. 
Am liebsten Rund um die Uhr. Von mir bekommt er es aber nicht, weil er
nur 1,7km entfernt wohnt und daher kein Sozialticket benötigt. Außerdem kommt
er eh entweder mit dem Fahrrad oder bei Regen mit dem Auto. Ich sage ihm, dass
er maximal ein Viererticket bekommt, wenn er mir die abgestempelten Tickets
vorlegt. Findet er doof. Also biete ihm Kilometergeld für die 1,7 Kilometer an.
Möchte er nicht, weil ihm das zu wenig ist. Ob er mit dem Viererticket denn
auch mal in eine andere Stadt fahren kann, will er wissen. Natürlich kann er
das, nur bekommt er das Ticket dann nicht von uns bezahlt. Findet er logischerweise
auch nicht gut, weil er doch unbedingt in diese andere Stadt will. Vielleicht
probiert er es mal mit seinem Auto, dafür wurden die Dinger schließlich
hergestellt.
Nächstes Problem ist,
dass er ein Gesundheitszeugnis und Nachweise über Belehrungen nach dem
Infektionsschutzgesetz braucht, um sich bewerben zu können. Dafür hat er
natürlich kein Geld, was mich fast zu Tränen rührt, weil er möchte, dass ihm
das Jobcenter bezahlt. Überhaupt möchte er sich alles bezahlen lassen. Seine
zwei Kinder, die in Aschaffenburg leben, bezahlt auch der Staat, was ihm sehr
gefällt. Es gibt für ihn somit auch nicht wirklich einen Grund, sich einen Job
zu suchen, zumal seine aktuelle Lebensgefährtin gerade ihr drittes Kind
erwartet. So viel kann er gar nicht verdienen, dass es lohnenswerter ist als
weiter zu leben wie bisher. Mir ist das im Grunde auch egal und aus seiner
Sicht auch verständlich, doch wie soll ich einen solchen Kandidaten jemals
irgendwohin vermitteln? Jedes Gespräch mit Arbeitgebern führt zu nichts, weil
man ihn kaum versteht und er nie den Eindruck vermittelt als würde er irgendwas
von dem, was wir hier tun auch nur im geringsten Interessieren. Er verbringt
hier zwangsweise seine Zeit, grinst stets freundlich, tut interessiert und lässt
sich nichts zu Schulden kommen, hat dazu übelsten Mundgeruch, ist immer
freundlich und vollkommen verpeilt. Die Chance, dass er tatsächlich einen Job
bekommt, liegt bei 0,02%.
Nebenbei soll ich ihm
helfen, eine Wohnung in Düsseldorf zu finden. Auf diese Weise könnte ich ihn
auch loswerden. Die Wahrscheinlichkeit diesen Plan umsetzen zu können liegt bei
etwa 0,8%. 

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