Totalitarismus?

Als
ich die Bürotür öffne, erkenne ich sofort, dass alles etwas anders aussieht als
es am Freitag beim Verlassen aussah. Im Raum für die Teilnehmer stehen nun neun
Laptops. Drucker, Tische und Schrank wurden umgestellt. Das Ausweichbüro,
ehemals Besprechungsraum, mit seinem runden Tisch, bietet zwei Laptops an denen
wir demnächst bis zu sechs Teilnehmer unterbringen sollen, sofern sich die
Pläne nicht wieder geändert haben.
Unsere
Schreibtische wurden umgestellt und Sessel für Kunden davor gestellt. Die
Anordnung der Gegenstände (Telefon, Stifte, Papier, Ordner) auf den Tischen
wurde geändert, man wird es uns sicher als optimiert verkaufen, sofern man
überhaupt etwas dazu sagt, und selbst im Büroschrank wurden die Dinge anders
untergebracht. Niemand soll selbst entscheiden, wie es für ihn am besten ist,
die Führung übernimmt das für uns. Als wir letzte Woche die Anweisung bekamen,
dass wir nichts umstellen dürfen, wusste ich nicht, dass wir auch nicht
entscheiden dürfen, wo und wie wir Sachen auf dem Schreibtisch abstellen. Ich
suche noch nach der Anleitung, wie ich Stift und Telefon zu halten habe und in
welcher Stärke die Tasten auf dem Laptop zu betätigen sind. Eine Atemanweisung
wäre ebenfalls schön. Nicht, dass ich am Ende Luft vom falschen Ende des Raumes
zu mir nehme.
Wie
ich hier so sitze, staune und die optimierte Anordnung meines Schreibtisches
betrachte, erinnere ich mich an eine Szene aus dem Film Equilibirium bei
welcher der Hauptdarsteller die Anordnung der Dinge auf seinem Schreibtisch
änderte und sich damit verdächtig gemacht hat. Sofort beschließe ich, dass ich
nie wieder etwas im Büro verändere.

Ich muss gestehen, dass mir derartige
Geschehnisse Sorgen bereiten und für Unbehagen sorgen. Die Dinge entwickeln
sich in eine Richtung, die mir nicht gefällt. Totalitäre Demokratie in der
Arbeitswelt. Ich glaube nicht, dass mir das gefällt.

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