Betriebsfeier

Es ist etwa 18.00 Uhr und wir befinden uns im 17achtzig in
Recklinghausen, wo uns der Geschäftsführer und die Chefin zur Betriebsfeier
begrüßen. Wenn ich mich recht erinnere, ist dies die erste Betriebsfeier meines
Lebens, was wenig verwunderlich ist, weil ich ja meistens ohne Job war.
Gemeinsam mit meiner Kollegin und Carsten, einem Kollegen aus einer anderen
Maßnahme, platzieren wir uns in einer Ecke und schauen uns ein wenig um. Mich
begeistert wenig, weshalb ich recht teilnahmslos bleibe und davon ausgehe, dass
ich schon bald wieder weg bin. Gelegentlich unterhält sich meine Kollegin mit
irgendwem, manchmal wird irgendwer vorgestellt, doch so wirklich erheiternd ist
das für mich nicht. Erst als Anke und Sonja sich kurz zu uns gesellen, bin ich
für einen Moment recht aufmerksam, denn die beiden sehen entzückend aus. Jetzt
ist es für einen Moment so als wäre ich in einer Disko und würde mir Frauen
angucken. Hoffentlich merken die beiden nicht, dass ich ein Spanner bin.
Die Chefin hält eine kurze Rede, anschließend werden interessante
Häppchen gereicht und ich stelle fest, dass Mirabelle zur Begrüßung gerne Leute
umarmt. Mich umarmt sie nicht, was ich großartig finde, da ich nur ganz wenige
Menschen umarme, weil ich finde, dass es nicht gut ist, einfach jeden zu
umarmen, nur weil man sich zufällig kennt. Während ich darüber nachdenke, fällt
mir auf, dass ich die meisten der wenigen Menschen, die ich umarme, seit Jahren
nicht gesehen habe. Trotzdem möchte ich Mirabelle nicht umarmen. Mirabelle und
der Muskelmann siezen das Alphatier, was mich durchaus erstaunt. Andererseits
siezt Mirabelle meine Kollegin auch. Plumpes duzen ist halt nicht immer
angebracht. Mir soll es egal sein.
Die gereichten Häppchen sind weiterhin interessant, die Livemusik ist es leider
zu keinem Zeitpunkt. Denn egal, ob der Typ, oder die absolut attraktive Frau,
singt, es ist grausam. Laut sind sie durchaus, singen aber können sie nur
bedingt. Zumindest ist die Frau optisch so gelungen, dass ich sie mir sehr oft
anschaue, was irgendwann auffällt und irgendwie peinlich ist. Ich werde wohl
immer ein Spanner bleiben.
Obwohl ich schon längst gegangen sein wollte, sitze ich auch nach drei
Stunden noch da und habe mitunter sogar Spaß. Abgesehen von der Livemusik, die
glücklicherweise nicht immer spielt, ist kurioserweise alles recht angenehm,
was ich so nicht erwartet hätte. Die Stimmung wird etwas ausgelassener, der
Alkohol wirkt bei manchen und ich gucke mir weiter gern Anke, Sonja und die
Sängerin an. Schöne Wesen sind das in der Tat.
Später, die Livemusik ist nun ein Dauerzustand, tanzen die jungen
Damen und scheinen viel Spaß zu haben. Anke und Sonja drängen Alpha so lange
bis er mit ihnen tanzt und Carsten und ich finden, dass wir den Zeitpunkt, rechtzeitig zu gehen, verpasst haben und beschließen, dass wir deshalb nun
gehen. Zum Abschied winke ich Mirabelle und Alpha, verabschiede mich winkend
von der tanzenden Sonja und stehe dann vor Anke, weil es sich aus
unerklärlichen Gründen staut. Ich winke ihr dennoch zum Abschied, doch anstatt
dass sie zurück winkt, steht sie mit irgendwie ausgebreiteten Armen vor mir,
was für mich keinen Sinn ergibt. Also grinse ich sie an und winke nochmal, was
irgendwie auch keinen Sinn ergibt. Nun nickt sie mit dem Kopf und scheint mir
etwas mitteilen zu wollen. Es dauert einen Moment bis ich ihre Zeichen deuten kann.
Sie will, dass wir uns umarmen und ich überlege kurz, was dafür und was dagegen
spricht. Dagegen spricht zunächst, dass ich nur ausgewählte Personen umarme und
diese auch mögen muss. Dafür spricht, dass ich sie durchaus mag, sie gut aussieht und
sie sich schon aufs Umarmen vorbereitet hat. Außerdem würde es sicher nicht
gut ankommen, wenn ich sie mit den ausgebreiteten Armen einfach stehen ließe.
Die würde doch glauben, dass ich voll einen an der Waffel habe. So schließe ich
sie in meine Arme und denke, dass sie durchaus in den elitären Kreis derer, die
ich umarme, aufgenommen werden kann. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass
ich an einer weiteren Betriebsfeier teilnehme, sehr gering, so dass dies unsere
erste und letzte Umarmung sein wird, was irgendwie schade ist, weil es ja doch
schon irgendwie angenehm ist, wenn einen eine attraktive Frau umarmt. Das
wertet  mich durchaus auf. Nach der
Umarmung wünscht sie mir noch einen schönen Abend. Ich wünsche ihr gar nichts,
weil mir gerade nichts einfällt und ich auch weg muss.
Es ist etwa 23.00 Uhr als ich in meinem Opel sitze und mir wünsche eine
Banane dabei zu haben. Vielleicht sind Betriebsfeiern doch nicht so schlecht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.