Der Glatzkopf

Der Mann wurde vom Jobcenter
geschickt, um sich anzuhören, ob die Maßnahme etwas für ihn ist. In ablehnend
aggressiver Stimmung betritt er das Büro, nimmt seinen Hut ab und zum Vorschein
kommt ein glatzköpfiges Männlein mit einem lustigen, kleinen Kopf. Wobei lustig
nicht jeder unterstreichen würde. Ich schätze den Mann auf Anfang sechzig und
frage mich, warum man so einen alten Kasper zu uns schickt. Unverzüglich macht das
Männlein mir klar, dass er keine Hilfe braucht, weil er schon vor einiger Zeit
irgendwo war, wo man ihm die Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand
gebracht hat. Um dies zu unterstreichen zeigt er mir seinen Lebenslauf. Diesen
würde ich zwar etwas umändern, man kann ihn aber durchaus auch so lassen. Ich
bin da bekanntermaßen nicht so kleinlich. Als nächstes erklärt er mir, dass er
auch nicht gecoacht werden muss, weil der den besten Coach hat, den man haben
kann. Die Vizebürgermeisterin aus irgendeinem Ort, den er mir vornuschelt. Ich
glaube, dass er vollkommen einen an der Waffel hat, bleibe aber freundlich,
weil ich professionell bin und ihn nicht noch mehr aufregen mag. Ich möchte auch
nicht, dass er hier einen Herzinfarkt bekommt und wir dann eine Menge Formulare
ausfüllen müssen.
Während er weiter Unsinn redet,
betrachte ich seinen Lebenslauf. In den letzten vierzehn Jahren hat er zumeist
als Sicherheitsmitarbeiter gearbeitet. Alles Minijobs. Er redet aber so als
wäre er ein Geschenk des Himmels und könnte alles. Ein weiterer Fall von völlig
falscher Selbsteinschätzung. Der kleine Wicht ist, wie ich seinem Lebenslauf
entnehme, 52 Jahre alt. Da habe ich mich mächtig verschätzt. Der skurrile
kleine Mann könnte durchaus als Statist in Horrorfilmen eingesetzt werden. Meinen
Gedanken behalte ich aber für mich, weil ich ihn nicht kränken mag, er dürfte
es eh schwer genug in seinem Leben haben. Ich bestätige ihm lediglich, dass wir
ihn in dieser Maßnahme gar nicht haben wollen, nachdem er mitgeteilt hat, dass
er sich, sollte er bei uns teilnehmen müssen, sofort einen Krankenschein
einreicht. Er kennt da nämlich einen Arzt, der ihm jederzeit einen
Krankenschein gibt. Da kann er sich wirklich glücklich schätzen, der kleine
Glatzengnom.
Bevor er sich verabschiedet sagt er
noch, dass das Geld für unsere Maßnahme reine Steuergelder Verschwendung sei, weil
so etwas, was wir hier machen, niemand braucht. Sein Sohn, der eine Ausbildung machen
will, der sollte viel besser unterstützt werden und Geld bekommen. Wofür er das
Geld bekommen soll, verstehe ich leider nicht, obwohl ich mich sehr bemühe, das
aufgebrachte Wichtelmännchen zu verstehen.
Zum Abschluss seines  bizarren Auftritts sagt er noch, dass seine
Betreuerin vom Jobcenter auch Unnütz ist und er den Job machen würde, was er
der Betreuerin auch schon gesagt hat. Er wäre der richtige Mann fürs Jobcenter,
dann würden die Dinge besser laufen. Vielleicht sollte er mit seiner
grenzenlosen Selbstüberschätzung und seinem kleinen Kopf, in dem scheinbar nur
Scheiße fabriziert wird, mal einen Facharzt konsultieren oder irgendwen fragen,
der sich mit Größenwahn und Schwachsinn auskennt. Wir jedenfalls können ihm
hier nicht helfen und hoffen, dass wir den kleinen Glatzenschrumpfkopf nie
wieder sehen müssen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.