Perspektivenwechsel

Mittlerweile ist die
Stimmung in dieser Maßnahme weiter gesunken. Und die Teilnehmer sind auch nicht
mehr so, wie ich es bevorzugen würde. Sie versuchen vermehrt uns zu verarschen,
lügen, ignorieren Anweisungen und drohen mit Krankenscheinen. Sie sitzen am
kleinen runden Tisch und einige verbringen mehr Zeit damit mit ihren
Smartphones zu spielen als nach Stellen zu suchen. Meist ignoriere ich all das,
doch gelegentlich bin ich kurz davor, dieses Verhalten zu tadeln. Doch dann
besinne ich mich eines Besseren und schweige, denn auch wenn ich derzeit auf
der anderen Seite des Tisches sitze, erinnere ich mich immer noch gut daran,
wie es auf deren Seite ist. Und es ist nicht einmal besonders unwahrscheinlich,
dass ich irgendwann wieder selbst ein lustloser und frustrierter Teilnehmer irgendeiner
Maßnahme bin. Möglicherweise sind die Teilnehmer nichts weiter als meine
Spiegelbilder. Nicht unbedingt optisch, aber vom Verhalten her. Sobald mir das
bewusst ist, verfliegt mein Unverständnis meist wieder und ich lasse sie
gewähren, denn ich würde mich in deren Situation auch nicht wirklich anders
verhalten. In den Maßnahmen, die ich als Teilnehmer ertragen musste, war ich
auch nicht wirklich umgänglich und überzeugt davon, dass ich es besser mache,
sollte ich mal die Seiten wechseln. Die Seiten habe ich gewechselt, besser
mache ich es allerdings nicht. So darf es mich nicht überraschen, wenn ich
schon bald wieder die Seiten wechsle und alles von der anderen Seite erlebe.

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