Erste Erkältung 2017

Als meine Kollegin Mittwochabend
plötzlich Halsschmerzen bekommt und am Donnerstag völlig verschnupft im Büro
sitzt, halte ich den größtmöglichen Abstand und gehe davon aus, dass ich nicht
verseucht werde. Außerdem war ich erst im Oktober erkältet, da scheint mir der
Abstand zwischen zwei Erkältungen zu gering. Andererseits war meine Kollegin
ebenfalls im Oktober erkältet, was nicht unbedingt dafür spricht, dass ich
verschont bleibe.
Am Freitagabend bekomme ich plötzlich
starke Halsschmerzen. So stark, wie schon lange nicht mehr. Ich bin natürlich
enttäuscht von mir und meinem Immunsystem und beginne unverzüglich mit den
üblichen Maßnahmen. Gurgeln mit Minzöl und später mit Salviathymol,
Salbeibonbons, Dolodobendan und Tiger Balm. 
Dennoch ist die Nacht nicht wirklich entspannt, ich brauche sogar eine
zusätzliche Decke, und ich werde öfter von den Halsschmerzen geweckt. Wenn man
arbeiten geht und Kontakt zu verseuchten Leuten hat, wird man leicht selbst zu
einem Seuchenvogel. Das ist etwas, was gegen meinen Job spricht. Menschen
verseuchen Menschen. Ich will das nicht.
Am nächsten Morgen folgt ein
Großeinkauf bei dm. Tees, Bonbons, Teebaumöl zum gurgeln und noch etwas zum
einreiben. Dazu nehme ich stündlich Anfokali. Ich bin voll im Erkältungsmodus.
Wenn jemand hier wäre, würde ich vermutlich auch jammern und im Sterben liegen,
doch da ich alleine wohne, kann ich auf das Drama verzichten.  Interessanterweise kommen im Laufe des Tages
keine weiteren Erkältungssymptome hinzu.
Nach einer weiteren unangenehmen Nacht
ist mein Zustand am dritten Tag weiter unverändert und ich frage mich, ob ich
wirklich erkältet bin. Beim Nachmittagsspaziergang mit Manni und Petra fällt
meine Stimme endgültig aus und ich frage mich, wie lange ich dieses Mal wohl
auf meine Stimme verzichten muss. Ab sofort nehme ich Archangelica comp. Globuli
ein und denke über die Einnahme vom Angocin nach. Wie immer habe ich keine
Ahnung, ob alle diese Mittel auch nur das Geringste bewirken. Außerdem gehören
ab sofort auch Nasenspülungen und Inhalieren zum Tagesablauf. Erkältungen sind
echt Zeitaufwendig.

Die nächste Nacht, der gleiche Spaß.
Sobald meine Nase nicht mehr frei ist und ich durch den Mund atmen muss, dauert
es nicht lange bis ich mit Halsschmerzen aufwache. So greife ich zum
Nasenspray, um ordnungsgemäß atmen zu können und renne mitten in der Nacht ins
Bad, um mit Teebaumöl zu gurgeln. Das mit dem Nasenspray ist echt ärgerlich,
weil ich es mir in den letzten Wochen fast komplett abgewöhnt hatte. Statt des
aggressiven Nasensprays nahm ich nur noch bei Bedarf Arun Nasenspray und war
froh, dass die Umstellung so einfach ging. Und nun sprühe ich mir wieder jede
Nacht mein geliebtes Rhinospray Plus in die Nase. Dabei verzichtet die
Erkältung auch weiterhin auf Schnupfen. Das ist irgendwie Paradox.

Der einzige Vorteil des Stimmverlustes
ist der, dass ich morgen im Büro mit niemandem reden muss. 

Weil Männer mit Erkältung oft
lächerlich wirken, versuche ich, während ich inhaliere, etwas weniger
lächerlich auszuschauen, was allerdings nicht gelingen will. Auch eine
möglichst coole Körperhaltung ist mir in dieser Situation nicht möglich. Beim
Inhalieren einen guten Eindruck zu hinterlassen erweist sich als für mich
unmögliches Unterfangen. Ähnlich verhält es sich beim Nasenspülen. Beides keine
Tätigkeiten, die ich souverän und optisch ansprechend gestalten kann.

Am Abend ist eine Nasenspülung nicht
mehr möglich, weil die Nase zu sitzt. Mit dieser unerfreulichen Entwicklung
hatte ich nicht gerechnet. Der Verbrauch an Nasenspray steigt weiter und wird
in der Nacht fortgesetzt.
Am fünften Tag wache ich erstmals
nassgeschwitzt auf und bin alles andere als begeistert. Ich habe weder Zeit
noch Verständnis für so eine unsinnige Erkältung, die keine Anstalten macht
sich zu verabschieden. Die Halsschmerzen haben sich zwar zurückgezogen, dafür
sitzt die Nase ständig zu und ich muss ständig Nasenspray benutzen. Eine
allesandere als erfreuliche Entwicklung.
Am Abend wird mir so kalt, dass ich
schon um 21.20 Uhr ins Bett klettere. Weil ich weiter friere, nehme ich noch
eine Decke und ziehe mir Socken an. Das ist irgendwie erbärmlich. Die Nacht ist
alles andere als erholsam, weil ich wegen der verstopften Nase mehrfach
aufwache und sogar eine Schmerztablette nehmen muss. Jetzt habe ich echt die
Schnauze voll und werde langsam sauer.
Dann bricht der sechste Tag der
Erkältung an. Der Schnupfen breitet sich aus und der Auswurf verfärbt sich
gelb. Die Erkältung hat es sich richtig gemütlich bei mir gemacht und scheint
einen längeren Aufenthalt zu planen. Am Nachmittag ist meine Nase vom vielen
Putzen total wund. Irgendwie scheint die Erkältung außer Kontrolle geraten zu
sein.

Eine Erkältung dauert unbehandelt 7 Tage –
mit Medikamenten eine Woche. Das ist eine der Wahrheiten oder Weisheiten, die
es zu Erkältungen gibt. Demnach müsste heute Abend meine Erkältung spontan
Geschichte sein, weil heute die Woche um ist. Wahrscheinlich erscheint mir das
aber nicht.

Auch wenn es mir am Abend tatsächlich besser geht, kann ich
nicht behaupten, dass vorbei ist. Somit ist diese Sieben-Tage-Wahrheit nichts
für mich.
Zum Glück gibt es noch andere kluge Aussagen zu Erkältungen.
Eine davon lautet: Drei Tage
kommt sie, drei bleibt sie, drei geht sie. Dummerweise fällt es mir schwer zu
erkennen, wann so eine Erkältung endgültig angekommen ist und woran ich
erkenne, dass sie geht. Ist wahrscheinlich unwichtig und am Ende zählen nur die
neun Tage. Was das angeht bin ich auf einem guten Weg, denn ich bin auch weiter
erkältet. Neun Tage müssten zu schaffen sein. Morgen endlich ist es soweit.

Am neunten Tag
meiner Erkältung geht es mir zwar besser, aber ob das tatsächlich das Ende der
Erkältung ist, wage ich zu bezweifeln. Meiner Meinung nach produziere ich dazu
einfach noch viel zu viel Schleim.

Die Erkältung ist am Abend zwar nicht vollständig weg, aber die
9-Tage Wahrheit hat in diesem Fall ganz gut gepasst.

 

 

 

 

 

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