Gerüchte und erste Teilnehmer

Heutige Anreisezeit 55 Minuten. Noch immer suche ich nach der optimalen
Strecke und dem optimalen Parkplatz. Beides weiterhin erfolglos. Der
morgendliche Spaziergang bei -5 Grad ist mehr als nur erfrischend, aber sicher
sehr gesund.
Der Maßnahmeleiter, der durchaus etwas schräg wirkt, hat eine
besondere Veranlagung Frauen zu begrüßen. Während er ihnen die Hand gibt, macht
er eine Art Knicks, hebt das rechte Bein dabei an und verschränkt es für einen
winzigen Augenblick hinter dem linken Bein. Eine harmonisch fließende Bewegung,
die ziemlich gewöhnungsbedürftig ist und leicht behindert wirkt. Aber man soll
Menschen nicht nach deren Merkwürdigkeiten verurteilen.
Die Mitarbeiter der Maßnahme sind nicht nur räumlich weit
voneinander entfernt. Daher schlage ich vor, dass man sich regelmäßig
zusammensetzt und wenigstens die wesentlichen Dinge bespricht. Schnell wird
klar, dass daran kein Interesse besteht. Das Chaos ersetzt jede Ordnung und
Eitelkeiten verhindern einfach alles. Als Problem wird immer wieder der Maßnahmeleiter
genannt. Aber ob er wirklich alleine verantwortlich ist, kann ich nicht sagen. Es
klingt jedenfalls nicht so als würde unter seiner Leitung je wieder etwas
besser werden.
Als ich später erfahre, dass ich angeblich hier bin, weil es so
schlecht läuft und ich dafür sorgen soll, dass sich das ändert, bin ich etwas
irritiert. Wahrscheinlich handelt es sich nur um ein Gerücht, weil die
Gerüchteküche stets geöffnet hat. Dass man mir nur die guten Teilnehmer
zuweist, natürlich ohne Wissen des Maßnahmeleiters, lehne ich selbstverständlich
ab, weil ich es irgendwie albern finde.
Meine ersten beiden Teilnehmer können unterschiedlicher nicht
sein. Eine 26 jährige Mutter, die sehr sympathisch ist, drei Piercings in der
Unterlippe und eins in der Zunge hat, und leicht vermittelbar sein sollte,
steht im krassen Kontrast zu dem 38 jährigen Mann, der psychisch so fertig ist,
dass eine sofortige Einweisung in eine psychiatrische Klinik ratsam wäre. Den
zu vermitteln wäre fast schon fahrlässig, erscheint aber auch unmöglich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.