Abschied

Anfangs konnte
ich es nicht abwarten und jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich
wieder zurück will. So kann es gehen. Und alles nur, weil ich ein eigenes Büro
mit Toilette habe und alle so nett zu mir sind. Nie habe ich entspannter
arbeiten dürfen. Und dazu gibt es hier angenehme Frauen und größtenteils
umgängliche Teilnehmer. Jobcoach, was willst Du mehr?
Damit keine
Wehmut aufkommt, lasse ich es ruhig angehen und meide meine Teilnehmer. Doch
als ich mich fast von der Maßnahme verabschieden will, bricht für einen meiner Teilnehmer
die Welt zusammen, weil er eine Absage kommt, obwohl er beim Probearbeiten
alles gegeben hat. Völlig aufgelöst weigert er sich noch zu bleiben, sagt, dass
er zum Arzt geht, lässt mich stehen und ist weg. Als ich mich wenig später von
meinen Kollegen verabschieden will, ist er völlig überraschend wieder zurück
und möchte mit mir reden. Als guter Coach kann ich da schlecht nein sagen. Völlig
aufgelöst erklärt er mir sein Verhalten, sagt, dass er geweint hat und erzählt
Dinge, die er, wie er versichert, noch niemandem, außer seiner Freundin natürlich,
erzählt hat. Mit diesen Informationen erklärt sich vieles und ändert das Bild,
welches ich von ihm hatte, durchaus. Ich lag zwar nicht so falsch mit meiner
Einschätzung, aber dass die Dinge so liegen, war nicht zu erwarten. Damit ist
er der zweite Teilnehmer, der weint und mir sein Herz ausschüttet. Als ich ihm
daraufhin sage, dass dies unser letztes Gespräch war und ich gleich die
Maßnahme verlasse ist er ziemlich erschüttert. Das gibt mir zwar das gute
Gefühl, dass ich als Coach ganz gute Arbeit bei ihm geleistet habe, aber nicht
als Jobcoach, sondern vielmehr als Sozialcoach. Überhaupt scheine ich mich
immer mehr in diese Richtung zu entwickeln. Ich habe in den Wochen hier nicht
bei einem einzigen Teilnehmer etwas dazu beigetragen, dass er einen Job
bekommt. Aber ich habe allen ein gutes Gefühl gegeben und ihnen vermittelt,
dass sie durchaus ihre Chancen verdienen und auch bekommen. Ich sollte mich
erkundigen, ob man auch ohne Studium Sozialcoach werden kann. Vielleicht ist
das meine Bestimmung. Wobei ich allerdings nicht wirklich weiß, was so ein
Sozialcoach wirklich ist. Ich muss mich da mal schlau machen.
Nachdem ich den
jungen Mann noch etwas aufgebaut und gelobt habe, verabschiede ich mich von
meinen beiden Kollegen und anschließend von den entzückenden Verwaltungsdamen,
Sonja und Anke. Die würde ich echt gern mitnehmen, aber sie wollen einfach nicht.

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