Vertragsverlängerung

Es gibt immer
wieder Dinge, die mich irritieren und aus meiner gemütlichen Verwirrtheit
reißen. So Sachen passieren immer, wenn ich am wenigsten damit rechne. So wie
in diesem Moment. Wie aus heiterem Himmel spricht mich meine Chefin darauf an,
dass wir über meine Vertragsverlängerung reden müssen. Ich erwidere allen
Ernstes, dass wir da nicht viel reden müssen. Völlig rat- und emotionslos. Erst
als ich merke, dass meine Teilnahmslosigkeit, die aus meiner Verwirrtheit
entstanden ist, vielleicht falsch ausgelegt werden könnte, frage ich meine
Chefin, ob wir schriftlich vereinbaren wollen, dass ich eine 4-Tage-Woche habe.
Damit hat sie wohl nicht gerechnet und so schweigen wir einen Moment bis sie
sagt, dass sie mit meiner Arbeit zufrieden ist. Nun wäre es angebracht etwas darauf
zu erwidern. Danke. Das freut mich. Oder irgendwas in der Art wäre vermutlich sinnvoll.
Stattdessen gucke ich sie ratlos an, weil mir das alles viel zu persönlich ist
und ich mit so Komplimenten überhaupt nicht umgehen kann. Nicht, dass es mit am
Arsch vorbei geht, aber ich kann da einfach nicht menschlich angemessen
reagieren. Weil mein Schweigen sicher ziemlich bescheuert rüber kommt, einigen
wir uns darauf, dass wir uns nächste Woche mal zusammensetzen. Dabei ist das
kaum nötig, weil jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ohne irgendwelche
Forderungen den Vertrag unterzeichnen werde. Ich kann nur hoffen, dass da
nichts zu meinem Nachteil geändert wird, dann wäre ich nämlich komplett
überfordert. Wenn ich es schaffe, sollte ich allerdings ansprechen, dass ich
montags und nicht, wie für die nächste Zeit festgelegt, freitags meinen freien
Tag haben möchte. Das ist eigentlich alles, was ich möchte. Und meine Ruhe. Und
eine eigene Toilette. Aber die letzten beiden Wünsche sind unrealistisch,
weshalb ich sie auf keinen Fall äußern sollte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.