15 neue Teilnehmer

Vielleicht sind
vier Maßnahmen in einem kleinen Ort einfach zu viel, denn die Qualität der
neuen Teilnehmer ist nur schwer zu finden. Immerhin haben sich vierzehn der
fünfzehn zugewiesenen Teilnehmer in den letzten Tagen bei uns eingefunden.
Vermittelbar scheinen die auf den ersten Blick alle nicht zu sein, weshalb
meine Kollegin und ich etwas ratlos sind, wie wir damit die Quote erfüllen
sollen. Unser dritter Mann, ich frage mich, ob ich ihm einen Namen geben soll
oder weiter der dritte Mann nenne, der von nun an fest zu uns gehört und drei
Teilnehmer betreut, hat nicht wirklich eine Meinung zu alldem.
Sechs
Teilnehmer darf ich betreuen. Vier Frauen und zwei Männer. Einer der Männer war
schon bei der letzten Maßnahme bei uns. Er bewirbt sich zwar aktiv, arbeitet
aber „schwarz“ nebenbei und damit geht es ihm zu gut, um den Zustand zu
beenden. Ich glaube nicht, dass er wirklich einen Job sucht. Seinen Bruder
haben wir auch hier. Der arbeitet auch nebenbei und ist nur in unserer
Maßnahme, weil er weder Zeit noch Lust hatte in der Maßnahme nebenan, die
unsere dritter Mann übrigens leitet, wo er den Führerschein geschenkt bekommen
hätte, mitzumachen. Da er dort täglich acht Stunden abhängen müsste, könnte er
nämlich nicht mehr „schwarz“ arbeiten. Großartiges System.
Der zweite meiner
Teilnehmer ist seit acht Jahren ohne Job. Er wirkt wie jemand, der noch bei
Mama wohnt, ist 51 und ziemlich unsicher. Als Lagerhelfer möchte er arbeiten.
Er ist fleißig, aber für den Arbeitsmarkt recht unattraktiv. Für Frauen
vermutlich auch.
Dann habe ich
noch die Omi, 58 Jahre, älter wirkend und eine sabbelnde Schlaftablette. Sie
sollte schon an der ersten Maßnahme teilnehmen, wollte aber nicht, weil sie
eine Kur beantragt hatte. Nun ist sie hier bis sie nächsten Monat für mindestens
sechs Wochen zur Kur fährt. Eine Vermittlung ist somit so gut wie
ausgeschlossen. Und obendrein braucht sie zwei Stunden nur um eine Bewerbung zu
schreiben. So eine kann wirklich niemand gebrauchen. Aber eine Sache spricht für sie. Sie schätzte mich auf 34 bis 38. Das ist zwar schmeichelhaft,  hilft aber keinem von uns weiter.
Dann habe ich
noch eine 28jährige in meiner Truppe, die weder Ausbildung noch Schulabschluss
vorweisen kann und noch nie gearbeitet hat. Dafür hat sie eine gute Figur,
schöne Augen und trägt gerne Kleidung, die einen Blick auf ihre scheinbar
wohlgeformten Brüste zulässt. Sie mag Tiere und möchte beruflich was mit Tieren
machen. Das ist natürlich naheliegend und sie lässt sich sicher spielend
vermitteln. Nur wohl nicht von mir.
Eine 36jährige
habe ich auch noch im Angebot. Sie hat immerhin zwei Ausbildungen
abgeschlossen. Seit 2006 hat sie einen Minijob in einer Fahrschule und sieht
dieses Jahr als Überbrückungsjahr an, weil sie Anfang nächsten Jahres
Fahrschullehrerin werden will. Meine Kollegin kümmert sich mehr um sie als ich,
weil ich ihr das Überbrückungsjahr nicht versauen will. Dank meiner Kollegin
bewirbt sie sich gelegentlich und durchaus widerwillig, um eine dritte
Ausbildung zu machen. 
Als letzte
Teilnehmerin habe ich eine tätowierte 46jährige, die seit 2011, abgesehen von
kurzzeitigen Fahrertätigkeiten, ohne Arbeit ist. Dennoch halten wir sie für die
Teilnehmerin mit den größten Chancen eine Arbeit zu finden. Warum auch immer. Auch
um sie kümmert sich meine Kollegin intensiver als ich. Mir ist das Recht, denn
Schaden kann es sicher nicht.
Die Teilnehmer
meiner Kollegin und unseres dritten Mannes, der ja, wenn man es recht
betrachtet, der zweite Mann ist, sind auch nicht leichter zu vermitteln.
Insgesamt haben wir so eine homogene Truppe schwer bis absolut nicht zu
vermittelnde Arbeitslose. Das wird sicher ein tolles Jahr.
Das Niveau der aktuellen
Teilnehmer ist deutlich unter dem Niveau der Teilnehmer aus der ersten
Maßnahme. Die Vormerkliste ist leer und es erweist sich definitiv als Problem,
dass vier Maßnahmen am Ort sind. Nur die Maßnahme vom Alphatier bekommt auch
weiterhin Teilnehmer mit Potential. Da ist es wenig verwunderlich, dass Alphas
Maßnahme um ein Jahr verlängert wurde. Vielmehr als die Qualität der Teilnehmer
stört mich, dass wir uns mit den Teilnehmern einen Raum teilen müssen. Denn so
können die jedes Gespräch und jedes Telefonat mithören. Datenschutz wird hier
echt großgeschrieben. Vertrauliche Gespräche können wir aber zur Not auf dem
Parkplatz durchführen. Es muss nur noch etwas wärmer werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.