Am Ende war es kein Eklat

Der Mann, für den meine Kollegin keine Steuergelder verschwenden will,
hat sich nicht beim Jobcenter beschwert und so konnte meine Kollegin mit einem Anruf bei der Betreuerin des Mannes, den schwarzen Peter dem Mann zukommen lassen. Arbeitslose haben es echt nicht leicht. Der Mann wird nun zu einem Gespräch ins Jobcenter eingeladen. Was dabei passiert, bleibt abzuwarten.
Nachdem meine Kollegin das Gespräch mit der Betreuerin beendet hat,
führen wir eine der üblichen Diskussionen. Sie äußert ihr Unverständnis für
Arbeitslose und ich weise sie darauf hin, dass ihr Verhalten dem Mann gegenüber fragwürdig war. Sie sagt, dass sie es nicht verstehen kann, dass Leute keine Ausbildung haben und nicht von selbst merken, dass es so nicht geht. Meine Einwände, dass manche einfach zu schlicht sind, um sich selbst aus der Situation zu befreien und andere durch äußere Umstände in die Situation geraten sind, nimmt meine Kollegin zur Kenntnis und wird vermutlich eine Weile etwas humaner mit unseren Kunden umgehen. Das ist immer so nach unseren Gesprächen, hält aber nicht nachhaltig an.
Es ist nicht so, dass ich ein besonderer Menschenfreund bin, aber es ist
nun einmal mein Job mich eben für diese Menschen einzusetzen. Scheinen viele meiner Kollegen nicht zu begreifen, doch ohne die Arbeitslosen wären wir alle gar nicht hier und ich glaube nicht, dass sie zu dem Job gezwungen werden. Wenn sie also gehen wollen, dann können sie das tun.
Im Laufe der Woche wird mehr als deutlich, dass ich als Coach
nicht wirklich etwas tauge. Denn auch wenn meine Kollegin manchmal vielleicht etwas hart zu den Teilnehmern ist, so gibt  ihr der Erfolg am Ende immer Recht. Vier  Teilnehmer können in den nächsten Tagen einen Arbeitsvertrag unterschreiben und alle wurden von ihr vermittelt. Sie hat die Kontakte, ich habe nichts. Und so relativiert sich ihr Verhalten rasch. Sie
schießt zwar hin und wieder übers Ziel hinaus, ist mir aber vermittlungstechnisch so weit voraus, dass ich besser die Klappe halten sollte. Ihre Vermittlungsquote ist dreimal höher als meine. Tendenz steigend. Da stellt sich die Frage längst nicht mehr, wer hier gute Arbeit abliefert. Ich bin es definitiv nicht.

4 Gedanken zu „Am Ende war es kein Eklat“

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