Ausgelost

Meine Kollegin,
der dritte Mann oder ich. Einer von uns muss einen Tag in Recklinghausen zwei
Mitarbeitern vom Jobcenter helfen. Das klingt zunächst interessant, denn so
könnte ich Sonja und Anke besuchen, was durchaus eine willkommene Abwechslung
wäre. Doch als ich weitere Details über den Tagesjob erfahre, bin ich nicht
mehr wirklich interessiert. Neunzig Bewerber wurden eingeladen, werden
gesichtet und deren Lebensläufe an ein Unternehmen geschickt. Und all das
findet nicht in unseren Büros statt, sondern irgendwo anders. Daher bin ich
ebenso wenig interessiert, wie meine Kollegin und der dritte Mann. So bleibt
uns nichts übrig als auszulosen, wer von uns den Job machen muss. Mein Name wird
gezogen, ich hab also die Arschkarte und bekomme sofort schlechte Laune.
Meine Kollegin
teilt der Chefin mit, dass ich verloren habe und nach Recklinghausen muss. Um
alles zu klären, soll ich Sonja anrufen. Die weiß Bescheid. Ich mache, was mir
aufgetragen wird und sage, dass ich der Auserwählte bin. Sonja sagt, dass sie
das gehofft hatte und sich total freut. Es klingt so ehrlich, dass ich
erwidere, dass ich mich dann auch freue. Sie scheint sich wirklich zu freuen,
wiederholt es noch mehrfach und ich finde, dass sie eine wirklich tolle Stimme
hat. Ich finde es enorm wichtig, dass mir eine Frauenstimme gefällt. So
Stimmen, die mir nicht zusagen, können echt alles versauen. Andererseits bringt
eine schöne Stimme auch nichts, wenn das Objekt, zu dem die Stimme gehört, nur
Unsinn daherredet. So löst dieses kurze Gespräch meine Unzufriedenheit rasch in
Luft auf. Sonja wickelt mich mit ihrer Art regelrecht um den Finger und gibt
mir das Gefühl, dass ich nicht die Niete gezogen, sondern die Auslosung
gewonnen habe. Obwohl der Auftrag erst um 10.00 Uhr beginnt, soll ich schon um
08.00 Uhr da sein, damit wir noch zusammen quatschen können. Sie ist so
überzeugend, dass ich es nicht einmal merken würde, wenn sie es nicht ernst mir
ihrer Euphorie meint. Wir wiederholen erneut, dass wir uns auf Donnerstag freuen
und verabschieden uns. So findet der Arbeitstag einen guten Abschluss und ich
begebe mich gutgelaunt in den wohlverdienten Feierabend.

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