Mitarbeitertausch

Völlig unerwartet werden zwei Wechsel in
unserer Arbeitswelt vorgenommen. Die von vielen nicht geschätzte und für
unfähig gehaltene Mirabelle verlässt uns und wird von einer anderen ersetzt.
Ich denke, damit kann es nur besser werden, denn Mirabelle hat außer großem
Selbstbewusstsein und einem fast noch größeren Körperumfang wirklich nicht viel
zu bieten. Arbeitstechnisch ist sie lediglich eine ziemliche Katastrophe, die
sich dummerweise für eine herausragende Persönlichkeit hält. Selbst bei den
Arbeitslosen, die sie coacht, kommt sie ähnlich gut an, wie ein Furunkel am
Arsch oder ein Pfeil, der auf deren Gesicht zurast. Nein, ich werde sei nicht
vermissen.
Der zweite Wechsel hingegen gefällt mir
so gar nicht. Patzi ersetzt Carsten. Nicht, dass Patzi ein schlechter Coach
ist, er ist vermutlich sogar um Längen besser als ich es bin. Auf seine Bildung
bin ich durchaus neidisch und irgendwie spornt er mich auch an, meine
Teilnehmer besser zu coachen, doch das alleine reicht nicht, um mir sympathisch
zu sein. Patzis größtes Problem ist, dass er zu viel redet. Okay, das tue ich
auch oft, aber ich bin dabei durchaus unterhaltsam, er hingegen ist es nicht.
Er ist noch keine dreißig und wirkt doch irgendwie altbacken, spießig und
unrund. Nachdem er uns kennenlernen durfte, beschwerte er sich schon bei der
Kollegin, mit der er zumeist arbeitet, dass wir ihn nicht gut behandelt und
auch nicht wirklich über seine Aufgaben hier in unserer Maßnahme aufgeklärt
haben. Da hat er durchaus Recht, weil wir die Maßnahme nicht gerne teilen.
Jeder wird als Eindringling gesehen und ist eine Gefahr für das harmonische
Gefüge. Uns reicht schon unser dritter Mann, der so gar keine Ordnung hält und
eigentlich auch nichts dazu beiträgt, dass hier alles reibungslos abläuft. Und
so machten wir „dem Eindringling“ klar, dass er hier unterschreiben darf, dass
er anwesend war, wir ihn aber nicht benötigen. Vielleicht etwas unkollegial und
verwerflich, doch so Störenfriede stören nur, da setzt man besser sofort
Grenzen.
Mein Problem mit Patzi ist, dass ich
gestehen muss, dass er seine Arbeit als Coach tatsächlich gut zu machen scheint,
was mich natürlich eifersüchtig macht, weil ich es nicht ertrage, wenn jemand,
zu dem ich keinen Zugang habe, gute Arbeit abliefert. Dennoch biete ich ihm das
„Du“ an und wir setzen uns sogar am Ende der Woche zusammen, um ihn ein wenig
zu integrieren. Es ist manchmal echt nicht leicht, sich erwachsen zu geben. Der
dritte Mann ist erwartungsgemäß nicht dabei, denn er ist mit seinen Teilnehmern
aus der anderen Maßnahme Eis essen. Während meine Kollegin und ich witzig sind,
ist Patzi eher auf einem anderen Niveau unterwegs. Flacher Humor und derbe
Zoten sind nicht seine Welt. Meine permanenten Wortspiele scheinen ihn zu
irritieren und weil er, wenn er was zu sagen hat, zu lange braucht, um ans Ziel
zu gelangen, unterbreche ich ihn ständig, um uns von dem Leid zu erlösen. Ich
bin echt niemand, den Patzi sich als Kollegen wünscht. Aber immerhin bin ich witzig.
Nur halt nicht unbedingt für Patzi.

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