Fahrradergometer

Vor zwei Jahren
kaufte ich mir nach langer Recherche ein Fahrradergometer, welches meine kleine
Wohnung optisch deutlich abwertete und in den letzten zwei Jahren so gut wie
gar nicht benutzt wurde. Meine sportliche Zeit ist einfach vorbei, da helfen
hässliche Ergometer auch nicht weiter. Vor ein paar Tagen stellte ich das gute
Stück zum Verkauf ein. Groß war die Hoffnung nicht, da von diesem Ergometer
erstaunlich viele im Angebot waren und ich mich weigerte, den Preis den
günstigen Angeboten anzupassen. Umso überraschter war ich, dass jemand sich
meldete und zu mir kommen wollte. Und nun steht er vor mir, betrachtet das
sperrige Gerät und möchte, dass ich ihm etwas darüber erzähle. Ich erinnere
mich, dass ich mal Verkäufer war und Artikel, die mich nicht interessiert
haben, nie anpreisen konnte. Mein Ergometer interessiert mich auch nicht
wirklich, dennoch sage ich ein paar bedeutungslose Dinge, die keinem helfen. Dessen
ungeachtet wirkt der Mann so als wäre er hier, um das Teil  mitzunehmen und ich habe absolut nicht das
Gefühl, dass ich es groß anpreisen muss. Er fragt, ob es von einem Discounter
ist, was ich verneine. Stattdessen erzähle ich ihm, dass ich ausgiebig im
Internet nach einem hochwertigen Gerät gesucht habe und dieses dann bestellte. Nur
um doch etwas möglicherweise Sinnvolles zu sagen. Ich glaube allerdings nicht,
dass er sich nicht vorher auch informiert hat. Nachdem wir etwas unbeholfen
geplaudert haben, ohne fruchtbares zu sagen, kommen wir auf den Preis zu
sprechen. Ich möchte 155 Euro, worauf er anmerkt, dass der Preis ja Verhandlungssache
ist. Ich bestätige und er haut einen raus. „100 Euro“ – „Der war gut. Aber das ist
viel zu wenig. Machen wir es kurz. 130 ist das Mindestgebot.“ – „120.“ – „Nein.
130. Und sie können das Teil sofort mitnehmen. Die Anleitung kriegen sie dazu. Ihre
Entscheidung.“ Ich schaue ihn nicht an, sondern desinteressiert auf das
Ergometer und drehe den Haltegriff wieder in die Ursprungsposition zurück. Er
hatte den vorher zum Transport weggedreht. Nun greift er in die Tasche, gibt
mir 120€ und öffnet dann sein Portemonnaie, um die restlichen zehn Euro zu
bezahlen. Ich bin fast stolz auf mich, dass ich mich durchgesetzt habe, obwohl
ich, wenn er gegangen wäre, das olle Ergometer möglicherweise niemals
losgeworden wäre. Aber in meinem Kopf waren halt 130€. Da konnte ich nicht
nachgeben, das wäre sowas von uncool gewesen. So musste heute ein Mann um zehn
Euro von seinem Plan abweichen. Und ich war nicht dieser Mann. Großartig.

2 Gedanken zu „Fahrradergometer“

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