Oma Sheriff

Als ich vom Parkplatz
komme, sehe ich schon von weitem die Omafrisur, die zu Sally Ann gehört. Je
näher ich komme, desto verschrobener kommt Sally Ann mir vor. Zu Ihrer
Omafrisur trägt sie Mokassins, eine Jeans, ein Oberteil, was garantiert älter
macht und dezente Schminke, die das Unheil eher verstärkt. Es gab Zeiten, da
dachte ich, dass Omafrisuren erst ab 65 zugelassen sind. Ich war so naiv.
Sally Ann, die
intern, wie ich später erfahre, Petzi genannt wird,  weil sie einen guten Draht zur Chefin hat und
jede Kleinigkeit, die ihr komisch vorkommt, meldet, ist nicht nur optisch gewöhnungsbedürftig.
Auch ihr ganzes Verhalten wirkt altbacken, unnatürlich, abschreckend und
greisenhaft. Ihr Lachen ist unnatürlich und ihre Stimme durchaus unattraktiv.
Zumindest verzichtet sie heute, soweit ich das beobachten kann, auf ihre
unnatürlichen Lippenverrenkungen.
Während ihres
Aufenthalts ignoriere ich sie größtenteils. Im Ignorieren sind wir uns immerhin
einig. Interne Umstände scheinen, dank einer glücklichen Fügung, dazu zu
führen, dass Sally Ann meine Kollegin vielleicht doch nicht vertreten wird. Eventuell
besteht tatsächlich noch Hoffnung und ich muss nicht mit ihr zusammenarbeiten.
Da würde ich mich wirklich freuen.
Als ich später
Alpha von der Omafrisur erzähle, hat er direkt einen neuen Namen für sie parat.
Aus Petzi wird Oma Sheriff, was durchaus Sinn ergibt und das Kunstwerk
Sally Ann perfekt beschreibt. Alpha, meine Kollegin, der dritte Mann und ich
mögen keine Eindringlinge von Außerhalb, finden Oma Sheriff, Hans, der
gelegentlich Alpha vertritt, und Patzi ebenso unmöglich, wie die anmaßende
Brandy, die uns fast die Rückkehr von Mirabelle wünschen lässt. Dennoch lassen
wir es uns nicht nehmen eine ganze Weile nichts weiter zu tun als uns über die
Eindringlinge zu amüsieren. So sorgen diese wenigstens eine Weile für
Erheiterung, die das verständnislose Kopfschütteln ablöst. Die weitere
Entwicklung bleibt spannend und während das Wochenende naht, stellen wir uns
vor, wie Oma Sheriff in den Sonnenuntergang reitet, begleitet vom überforderten
Patzi, der ihr Getränke reicht und Luft zufächelt. Das kann uns keiner mehr
nehmen.

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