Der erste Krankenschein

Am vierten Tag
ist die Erkältung weiter merkwürdig. Normalerweise müsste der Schleim nur so
aus meiner Nase laufen, doch dem ist nicht so. Möglicherweise ist es doch nur
eine milde Erkältung.
Gegen Abend
überzeugt mich die Erkältung vom Gegenteil, was mir zunächst gar nicht bewusst
ist. Ich habe eine Art Ganzkörpermuskelkater und bin verwirrt, weil ich seit
Monaten keinen Sport gemacht habe. Dann dämmert es mir. Die Schmerzen kommen
von der Erkältung. Das könnte auch erklären warum ich friere, obwohl mein
Körper total heiß ist. Also sich heiß anfühlt, ein heißer Körper ist er ja
leider noch nie gewesen. Aber das ist eine andere Geschichte. Obwohl ich nicht gerne
Fieber messe, mache ich es und sehe, dass sich der Körper auf 38 Grad erhitzt
hat. Ich nehme das als Zeichen, dass meine Arbeitswoche damit beendet ist, weil
ich nicht davon ausgehe, dass sich das bis morgen wieder normalisiert.
Unverzüglich veranlasse ich eine Nasenspülung, die aber vollkommen misslingt,
weil die Nase zu verstopft ist. Ich entscheide mich ein wenig zu inhalieren und
dann ins Bett zu gehen. Wenn der Körper genug hat und Ruhe will, soll man ihm diese
auch gewähren.
Die Nacht
verbringe ich zusammen mit einer Wärmflasche. Gegen die Schmerzen gibt es
Ibuprofen. Ich schlafe recht gut und freue mich, dass ich meinen
Tablettenteiler benutzen konnte, um die Ibuprofen zu teilen, weil eine 400er
mir zu stark erscheint. Das war wirklich ein guter Kauf, dieser
Tablettenteiler.
„Ich habe mich
die ganze Nacht übergeben.“, sagt die junge Frau, die sich beim Arzt zeitgleich
mit mir anmeldet. Sofort fühle ich mich noch unbehaglicher und als man mich
bittet im Wartezimmer mit all den Verseuchten Platz zu nehmen, sage ich, dass
ich in meiner Wohnung warte und pünktlich zurückkomme. Das ist so widerlich.
Kaum in der Wohnung angekommen, wasche ich mich erstmal ausgiebig. Ich hasse
Arztbesuche.
Nach einer
halben Stunde bin ich zurück in der Praxis und die Wartezeit beginnt. Es ist
nur eine Patientin vor mir dran. Es ist diejenige, die sich die ganze Nacht
übergeben hat. Als die Ärztin anschließend zu mir kommt und mir die Hand geben
will, sage ich ihr, dass das keine gute Idee, weil ich verseucht bin und
Händeschütteln generell nicht zu empfehlen ist. Sie stimmt mir zu. Sicher, weil
sie nicht unhöflich sein will. Die kleine, runde Ärztin ist nett und versucht
auch gar nicht erst irgendwelchen Unsinn aufzuschreiben, den ich sowieso nicht
nehme. Bei Bedarf soll ich Ibuprofen gegen die Schmerzen nehmen und
Nasenspülungen machen. Zur Belohnung schreibt sie mich bis Sonntag krank. Falls
es nötig ist, darf ich am Montag wiederkommen. Dann sagt sie noch, dass ich
eigentlich noch Glück habe, da ich nicht vom magen-Darm Virus befallen bin, der
gerade vor sich hin wütet.  Hoffentlich
bleibe ich davon aus verschont, denn bei einem Magen-Darm Virus fühle und benehme
ich mich so als würde ich sterben. Und nicht nur das, ich wünsche es mir dann
sogar. Das brauche ich wirklich nicht. Letztlich habe ich tatsächlich eine
Stunde in der Praxis verbracht und hoffe, dass ich mir da nicht irgendwas
eingefangen habe.
Ordnungsgemäß
teile ich bei meinem Arbeitgeber mit, dass ich krankgeschrieben bin. Kaum bin
ich 14 Monate angestellt, schon melde ich mich zum ersten Mal krank. Damit
sinkt mein Ansehen sicherlich schlagartig um einige Prozentpunkte. Ich werde
damit leben können. Mit der Tatsache, dass ich an diesem Wochenende vermutlich
nicht zum traditionellen Parkfest kann, kann ich hingegen nur schwer leben.
Wenn man das ganze Jahr auf ein Ereignis wartet, dann sollte man echt nicht
ausfallen. Ich muss versuchen bis morgen Abend wieder fit zu werden.  Wie kann man nur im Sommer erkältet sein?

7 Gedanken zu „Der erste Krankenschein“

  1. ich wünsche ihnen schnelle gesundung, und dass sie noch auf das fest können…
    in diesem "sommer" ist es geradezu nicht verwunderlich, dass man eine erkältung bekommt…ist es sommer? gefühlt eher nicht.

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