Eine Woche fast wie jede Woche 2

Dienstag      
        
Brandy ist zwar hier unten im Büro,
kümmert sich aber um andere Dinge, so dass ich mich um alle Teilnehmer kümmern
darf. Der neue Kollege aus der anderen Maßnahme braucht auch noch Unterstützung,
weshalb ich meist der Auserwählte bin, um ihm zu helfen. Passend dazu scheine
ich eine Erkältung zu bekommen. Halsweh, etwas Husten und eine leicht
verstopfte Nase deuten auf einen aufkommenden Infekt hin. Das wäre zum jetzigen
Zeitpunkt einfach unpassend, würde aber harmonisch zur Gesamtsituation passen. Manchmal
möchte ich mein Leben echt nicht geschenkt.
Nach meinem Mittagsspaziergang bekomme
ich starke Kopfschmerzen, weil irgendwas an meinem Nacken blockiert. Erst als
die Ibuprofen-Tablette wirkt, geht es wieder. Ich frage mich, wer mir das
wieder einrenken kann. Mir fällt niemand ein und so endet ein weiterer Tag an
dem ich im Büro nichts auf die Reihe gekriegt habe und keinem Teilnehmer helfen
konnte.
Der Höhepunkt des Tages ist das
Telefonat mit Agnes. Für sie sicherlich nicht, weil ich nie was zu erzählen
habe außer von der Arbeit. Und das ist bekanntermaßen nie positiv. Sie sagt,
dass ich es doch mal positiv sehen sollte mit meiner neuen Aufgabe.  Es ist noch nicht lange her, da hätte ich so
etwas für undenkbar gehalten, dass man mir so etwas anvertraut. Als positiver
Mensch, der ich nun einmal bin, erwidere ich, dass ich doch nur deshalb die
Maßnahme leite, weil kein anderer zur Verfügung stand. Gerne würde ich es
anders sehen, aber das wäre fernab der Realität. Dass es mich obendrein
ziemlich unter Druck setzt, die Maßnahme mit einer Vermittlungsquote von 45%
übernommen zu haben, erwähne ich heute nicht. 
An ihrer Stelle würde ich nicht mit mir telefonieren wollen. Ich gehe
mir ja schon selbst auf die Nerven mit meiner Einstellung und meinem ereignislosen
Leben.
Später zwinge ich mich zu meinem
Spaziergang. Petra liegt erkältet in ihrer Wohnung rum, so dass ich alleine
gehen muss. Unterwegs treffe ich Bonny, die ich mit ihren Hunden öfter während
meiner kleinen Runde sehe. Bonnie war mit mir vor einer Ewigkeit auf der Schule
und gehörte zu den Personen, die mir schon damals sympathisch waren und es bis
heute geblieben sind. Und das obwohl wir eigentlich nie miteinander geredet
haben. Wir grüßen und ich gehe eine Weile hinter ihr her, was ich albern finde.
Da wir scheinbar noch länger den gleichen Weg gehen, fange ich irgendwann ein
Gespräch an.  Alles andere wäre meiner
Meinung nach fast schon lächerlich. Obwohl ich nichts zu sagen habe,
unterhalten wir uns tatsächlich und ich ändere meine Route sogar, weil mir das
vernünftig erscheint. So gehen wir gemeinsam Gassi und ich versuche
währenddessen so normal wie möglich zu wirken. Wir treffen auf einen Mann und
eine Frau, die mit ihren Hunden unterwegs sind. Bonnie kennt die beiden und so
bin ich plötzlich Teil einer Unterhaltung mit fremden Menschen, die sogar mit
mir reden als wäre das vollkommen natürlich. Währenddessen frage ich mich, ob
ich nicht besser gehen sollte, weil ich hier ja gar nicht hingehöre. Da mir das
allerdings auch irgendwie albern erscheint, bleibe ich einfach und versuche
nicht aufzufallen. Irgendwann gehen wir weiter und irgendwie gelingt es mir,
dass der Spaziergang nicht zu einem Schweigemarsch wird. Es ist das erste Mal,
dass ich mich solange mit Bonnie unterhalte. Ehrlich gesagt, kann ich mich
nicht einmal daran erinnern, dass wir uns je zuvor wirklich unterhalten haben.
Während des ganzen Gesprächs fällt mir allerdings nicht ein, wie Bonnie
wirklich heißt. Da ich auch nicht fragen mag, bleibt es für mich bei Bonnie.
Das kann ich mir sicher merken. Nachdem sich unsere Wege getrennt haben, treffe
ich Jochen und Koko, die ebenfalls mit ihren Hunden unterwegs sind. Da ich
gerade so umgänglich bin, rede ich auch noch eine Weile mit den beiden. Dann
kehre ich zurück in meine Einsamkeit.
Nachdem ich die Brote für den nächsten
Tag zubereitet habe, stelle ich fest, dass ich keine Bananen mehr fürs Müsli
habe und muss noch zu Penny. Dort steht ein älterer Mann als Wachpersonal. Ich
nicke ihm freundlich zu und zur Belohnung verfolgt er mich argwöhnisch während
meines Aufenthaltes bei Penny.  Dabei bin
ich doch einer von den Guten. Verrückte Welt.
Als ich dann noch eine Nachbarin
treffe, die mich spontan duzt, habe ich echt genug von diesem verwirrenden Tag.
Was stimmt nur nicht mit mir, dass ich mit so vielen Leuten rede und einfach so
geduzt werde? Werde ich meinem Vater immer ähnlicher, der bei seinen
Spaziergängen ständig mit irgendwem geredet hat und am Ende unfassbar viele
Leute kannte? Oder liegt es daran, dass ich derzeit so gelangweilt von meinem
Leben bin, dass ich so Gespräche als willkommene Abwechslung sehe? Vermutlich
ist es die pure Verzweiflung über mein ödes Leben.
Zum Abschluss eines denkwürdigen Tages
schaue noch ein paar Folgen The Big Bang Theory, bevor ich ins Bett klettere
und der Tag zu Ende geht.

2 Gedanken zu „Eine Woche fast wie jede Woche 2“

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