Cordulas 60. Geburtstag

Weil Cordula zu ihrem 60sten Geburtstag
auch ein paar Arbeitskollegen eingeladen hat, sitzen Alpha, meine Kollegin,
Carsten, Patzi, ein anderer Kollege, der nicht besonders groß gewachsen ist,
und ich in Waltrop im Blue Inn. Es befinden sich natürlich noch weitere Leute,
die ich natürlich nicht kenne, mit uns hier. Zu viert sitzen wir zusammen an
einem Tisch. Wir haben uns quasi abgesondert, denn Patzi und der kleine Kollege
dürfen natürlich nicht bei uns sitzen, weil wir die blöd finden und es
obendrein ungünstig wäre, da wir fast permanent Witze über Patzi machen. Wenn
wir keine Witze machen, dreht sich das Gespräch, wie hätte es auch anders sein
können, meist um die Arbeit. Ich schweige größtenteils, weil ich zwar
mittendrin bin, aber nicht wirklich das Gefühl habe auch dazuzugehören. Mir
erscheint das immer wieder alles einfach nur surreal. Man redet über neue
Kollegen und fragt sich, welche Qualifikationen die überhaupt haben, um den Job
machen zu können. Ich indes frage mich, welche Qualifikation ich eigentlich
habe. Mir kommt das alles wie eine riesige Verarsche vor. Wie ein Streich aus
Verstehen Sie Spaß…? Wie kann ausgerechnet ich ein Teil des Ganzen sein? Für
mich ergibt das alles keinen Sinn und so lausche ich den Ausführungen der Kollegen,
mache Fotos und beobachte das Geschehen um mich herum. Mit steigendem
Alkoholpegel wird die Stimmung unserer kleinen Gruppe ausgelassener. Wir haben
uns zwischenzeitlich noch weiter abgesondert und sitzen nun an dem Tisch, der
am weitesten von allen anderen entfernt ist. Echte Sonderlinge halt. Dann wird
es immer witziger und ich habe großen Anteil daran, was dafür spricht, dass ich
eher ein Clown als alles andere bin. Vielleicht auch ein Alleinunterhalter, der
Comedian unserer kleinen Gruppe. Witze auf Kosten anderen waren seit jeher
meine Spezialität. Bei einem Opfer wie Patzi kann mich fast nichts bremsen. Und
wenn mein Publikum lacht und sich kaum mehr einkriegt, dann stoppe selbst ich
mich nicht. Die anderen Gäste schauen schon etwas merkwürdig, was mich aber nur
kurzzeitig ablenkt. Meine drei Zuhörer liegen fast auf ihren Stühlen, halten
sich die Bäuche, sagen, dass ihnen vom Lachen alles wehtut, und bekommen
weitere Sprüche von mir serviert. Ich kann mich nicht erinnern, je zuvor eine
solche Show der Gemeinheiten zum Besten gegeben zu haben. Es ist als bräuchte
ich diese Bühne und als wir uns nach einer Weile beruhigen stelle ich erneut
fest, dass das vermutlich das Einzige ist, was ich wirklich beherrsche. Das
Spiel mit den Worten, die Unterhaltung des geneigten Publikums. Alles möglichst
unpersönlich, dennoch treffend formuliert und mit einem Humor gewürzt, der bei
manchen einfach gut ankommt. Meiner Meinung nach zwar alles völlig Substanzlos,
aber darüber sollte ich vermutlich nicht zu viel nachdenken.
Mein größtes Problem des Abends ist, dass
ich dem Lokal geraucht werden darf. Keine Ahnung, welche Ausnahmeregelung da
greift, aber mich macht es fertig. Irgendwann bin ich so eingenebelt, dass ich
fast einschlafe und nur noch vor mich hinstarre. Für mich ein Zeichen, dass ich
gehen muss. Da es schon nach 23.00 Uhr ist, ist es sowieso spät genug und ich
verabschiede mich von meinen Kollegen. So haben sie auch noch genug Zeit sich
über mich zu unterhalten.
Zu Hause angekommen ziehe ich mich komplett
aus, packe die stinkenden Klamotten sicher weg, hänge die Jacke auf den Balkon
und dusche ausgiebig, weil ich so dermaßen stinke, dass es nicht gereicht hätte
nur die Haare zu waschen. Mehrmals muss ich mich komplett einseifen, um den
Gestank loszuwerden. Hätte ich doch nur eine Badewanne. Nachdem ich den Gestank
los bin, mache ich mich Bettfertig und beende den Abend. Eine weitere Feier bei
der geraucht werden darf, wird es für mich nicht geben. Zumindest nehme ich es
mir so vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.