Urlaubsende

Zwei Wochen Urlaub bringen erneut die Erkenntnis, dass ich absolut ohne Arbeit leben, es mir aber nicht mehr leisten kann. Irritiert blicke ich zurück und frage mich, wie ich nur vor meiner Arbeitslosigkeit mit so wenig Geld leben konnte. Es ist mir ein Rätsel. Rätselhaft erscheint mir auch, wie viel Geld ich derzeit einfach so ausgebe. Nie war ich verschwenderischer, nicht einen Cent lege ich zurück. Schlimmer noch, ich komme nicht einmal bis zum Ende des Monats mit meinem Geld aus. Mein ganzes System ist durcheinandergeraten, wo früher Zurückhaltung herrschte, heißt es heute nur noch konsumieren. Als wäre ich zu einer Geldvernichtungsmaschine mutiert. Passend dazu lege ich eine nie zuvor gekannte Trägheit an den Tag. Sport gehört gar nicht mehr zu meinem Leben. Ich nehme mir nicht einmal mehr vor Sport zu machen. Mein Körper ist schlaff wie nie zuvor, der Anblick erschreckt mich und ich nehme es hin. Ich habe nie verstanden, wie man sich so gehen lassen kann und jetzt bin ich selbst so geworden. Motivation ausgelöscht. Als wäre jede Art körperlicher Betätigung Teil eines früheren Lebens und hätte nichts mit mir zu tun. Ich muss gestehen, dass ich das mehr als erschreckend finde, aber scheinbar nicht erschreckend genug, um dagegen anzusteuern.

Grau wie die letzten Tage kommt mir der Rest des Jahres vor. Der Gedanke nur noch wenige Urlaubstage zur Verfügung zu haben, prickelt einfach nicht. Keinen Urlaub für dieses Jahr mehr angemeldet zu haben, erscheint mir unklug. Anderseits kommen jetzt die dunklen Tage. Braucht man da Urlaub?

Meine Kollegin, die oft gestresst ist, sagt in besonders stressigen Situationen immer, sie denke nur an Miete und Kühlschrank, die sich durch den Job bezahlen lassen, um es zu ertragen. Ich möchte das nicht, doch ich denke auch immer öfter so. Ja, der Job finanziert mein Leben, aber beängstigend, wenn es am Ende nur noch das ist. Ich will eigentlich nicht irgendwo hingehen, ausschließlich um mein Leben zu finanzieren. Vielleicht hätte ich echt was Anständiges lernen sollen. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn ich irgendwann einen Plan gehabt hätte. Ich denke tatsächlich wieder darüber nach, mich woanders zu bewerben, doch dann fällt mir stets ein, dass mir jegliche Qualifikation fehlt und ich eh nicht weiß, was aus mir werden soll. Meist beende ich dann diese nutzlosen Gedanken und denke an was anderes. Oder ich höre einfach nur Musik und träume vor mich hin, weil das ganze Denken mir noch nie was gebracht hat außer schlechter Laune. Und das möchte ich nicht. Ein Job ist ein Job ist ein Job. Mehr nicht. Aber eben auch nicht weniger.

4 Gedanken zu „Urlaubsende“

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