Wie geht Freude?

„Freust Du Dich nicht?“ Diese Frage stellt Agnes mir, nachdem ich ihr mitteile, dass ich einen unbefristeten Arbeitsvertag bekommen soll. Es fällt mir nicht nur nicht leicht, darauf zu antworten, ich kann es schlichtweg nicht. Daher gebe ich die einzig mir mögliche Antwort. Sie lautet: „Freude. Eine merkwürdige Sache.“ Und dann wird mir plötzlich bewusst, wie emotionslos ich oftmals bin. Und in diesem Fall musste ich nicht einmal etwas unterdrücken, weil einfach nichts da war. Als wären alle Emotionen aus. Ich strenge mich an etwas zu empfinden, herauszufinden, wo die Freude wohl ist. Ich suche nach Gründen der scheinbar wirklich nicht vorhandenen Freude. Vielleicht bedeutet so eine unbefristete Sache für mich, dass ich besser werden muss, was mich unter Druck setzt und die Freude unterdrückt. Vielleicht ist unbefristet zu groß für mich. Unbefristet gab es in meinem Leben noch nicht. Vielleicht bedeutet es, dass ich nun in der Falle sitze. Vielleicht engt mich ein unbefristeter Vertrag ein. Ich merke, dass nicht einer meiner Gedanken positiv ist, es kommt nicht einmal irgendein Hauch Positives hervor. Als würde ich es mir so lange verboten haben, derartiges zu empfinden, dass es nun weg ist. Was ist mit der Sicherheit, die einem ein unbefristeter Vertrag vorgaukelt? Ich glaube nicht an diese Art Sicherheit. Was ist mit dem Vertrauen, welches man mir mit einem unbefristeten Vertrag entgegenbringt? Alles nur gelogen, um mich zu manipulieren. Zeige ich Freude, bin ich möglicherweise angreifbar. Erst freut man sich, dann vergeht alles und kehrt sich um ins Gegenteil. Emotionen machen einen angreifbar und Gefühle sind ein Zeichen von Schwäche. Es ist erschreckend, dass ich nur solche Gedanken habe, aber noch viel erschreckender ist, dass ich wahrhaftig noch immer keine Freude fühle. Wie ein Stück Holz. Vielleicht ist mir in den letzten Tagen ein Eissplitter ins Herz geflogen als ich einen Moment unkonzentriert war. Kalt genug war es ja. Gesund kann das auf jeden Fall nicht sein. Und wenn ich jetzt weiter denke, dann fällt mir auch sonst nichts ein, worüber ich mich in letzter Zeit mal wirklich gefreut habe. Kann man an Freudlosigkeit sterben? Und wenn ja, tut es sehr weh? Und wenn ich das nicht will, wie zum Teufel geht Freude und wo finde ich sie? Ich glaube, ich bin endgültig verloren.

Später sagt Agnes mir, dass ich eben so bin und alles seine Zeit bei mir braucht. Vielleicht hat sie Recht. Eigentlich hat sie immer Recht. Dann ist das wohl so. Ich sollte aufhören ständig über mich und mein Verhalten nachzudenken. Das ständige Denken führt doch zu nichts. Hat es noch nie.

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