Die scheinbar unendliche Erkältungswelle

Es hat den Anschein als würde diese Erkältungswelle nie abebben. Jeden Tag sitzt mindestens ein verschnupfter Teilnehmer bei mir. Ich halte Abstand, sprühe Desinfektionsmittel, nehme Krankenscheine entgegen. Oft meide ich den Kontakt zu den Teilnehmern und lasse sie einfach ihre Zeit absitzen. Ich weiß, das ist blöd, aber ich hasse Erkältungen und will einfach nichts damit zu tun haben. Manche Teilnehmer sind schon das zweite Mal innerhalb kurzer Zeiterkältet und ich muss gestehen, dass ich erkältete Teilnehmer unsympathisch finde. Manchmal sage ich denen das auch. Irgendwie finde ich, dass Erkältungen eine Zumutung sind. Um mich herum wird gehustet und geschnupft, Viren fliegen durch die Gegend und ich bin durchaus angewidert.

Am Freitag erreicht meine Abneigung gegen die Teilnehmer einen weiteren Höhepunkt. Drei von vier Teilnehmern tragen ihre Erkältung offen zur Schau. Die verpackte, türkische Frau kann kaum sprechen, ihre Nase läuft und irgendwann hustet sie alles voll. Ich frage sie, ob sie nicht besser nach Hause gehen will. Will sie nicht. Also sage ich ihr, dass sie sich auf alle Stellen, die ich ihr beim letzten Termin gegeben habe, bewerben soll. Ich weiß, dass sie das eigentlich nicht vorhatte. Doch ich kann nicht ständig Rücksicht auf die Befindlichkeiten meiner Teilnehmer nehmen. Erst recht nicht, wenn sie in einem solchen Zustand hier auftauchen. Die blonde Frau kann vor Halsschmerzen kaum schlucken. Frauen, die nicht schlucken können, sind mir irgendwie suspekt. Immerhin schreibt sie brav Bewerbungen. Da muss ich sie echt loben. Anfangs hatte ich echt befürchtet, dass wird nix mit ihr. Doch scheinbar haben meine ständigen Hinweise und Hilfsversuche doch etwas gebracht. Trotzdem will ich nicht, dass sie hier ist. Außerdem hustet und stöhnt sie ständig. Das finde ich irgendwie unangebracht, weil wir hier in einem Büro sind und nicht auf einer Krankenstation. Außerdem habe ich Angst, dass die mir hier verstirbt.
Auch der Teilnehmer, der kaum deutsch spricht, ist ständig mit einem Taschentuch bewaffnet. Und hat er mal kein Taschentuch in der Hand, liegt es vollgerotzt vor ihm auf dem Tisch. Großartig, so ist gewährleistet, dass alle etwas davon haben. Ich bin echt froh als die Teilnehmer endlich weg sind. Die verpackte Türkin, von der man lediglich das Gesicht sieht, hat natürlich keine Bewerbungen geschrieben. Alles andere hätte mich bei ihr auch gewundert. Somit hat sie drei Stunden einfach nur ihre Viren verteilt. Vielleicht ist das ihre Art mir mitzuteilen, dass ich nerve und sie nicht arbeiten will.

2 Gedanken zu „Die scheinbar unendliche Erkältungswelle“

  1. Vermutlich haben Sie die Fährte mit dieser Formulierung absichtlich für Menschen wie mich ausgelegt, aber trotzdem: Frauen, die nicht schlucken, sind mir selbstverständlich ebenfalls suspekt. Wer hätte gedacht, dass wir noch Gemeinsamkeiten entdeckten.

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