Sozialpädagogische Fahrgemeinschaft

Wir haben wieder eine neue Sozialpädagogin im Kollegenkreis. Wie die meisten Sozialpädagoginnen lebt sie auf einem fernen Planet. Vermutlich auf dem Sozialpädagoginnenplanet. Mir ist das ziemlich egal, so lange wir nebenher existieren und es nur wenige Berührungspunkte gibt. Mir sind Sozialpädagoginnen suspekt. Ich frage mich seit Jahren, was diese Spezies so wertvoll macht. Wenn ich mit der Kollegin rede, schaue ich sie meist nicht wirklich an. Es kann gut sein, das ich sie nicht erkenne, wenn wir uns außerhalb der Arbeit an einem anderen Ort begegnen. Die gute Frau ist wohl in den Fünfzigern und redet mir zu viel. Selbstverständlich auch nichts, was mich besonders interessiert. Und wenn es mal beruflich interessant war, dann ist es ihr Vortrag bisher nicht gewesen. Kann aber alles noch kommen, sie ist ja noch nicht lange dabei. Ich glaube allerdings nicht, dass da noch was kommt. Vielleicht sind wir deshalb noch beim siezen, während sich sonst geduzt wird. Mir ist das egal. Wenn ich sie so beobachte ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mich frage, was sie den Teilnehmern wohl geben kann. Was kann ich noch von ihr lernen? Ich weiß es nicht. Nein, wir haben wirklich nicht viel gemein. Lediglich den gleichen Arbeitgeber und den gleichen Wohnort. Und diese Kombination ist immer gefährlich. Bei so etwas denkt der Durchschnittsbürger immer schnell an Fahrgemeinschaften. Ich hingegen finde Fahrgemeinschaften gruselig. Schon der Gedanke, dass ich regelmäßig mein Auto mit jemandem teilen muss, nur weil wir denselben Weg haben, lässt es mir kalt den Rücken runter laufen. Aber zum Glück denken die Wenigsten so wie ich und so ist mir schnell klar, worauf der verbale Frontalangriff, den sie plötzlich startet, hinauslaufen wird. Und noch bevor die gute Frau zu Ende formuliert hat, hört sie schon mein „Nein. Schlagartig scheint sie in sich zusammen zu fallen. Dummerweise habe ich auch noch viel zu tun und kann sie nicht trösten. Vielleicht sollte ich sagen, dass es nicht an ihr liegt, aber ich eine eifersüchtige Frau habe, die das nie akzeptieren würde. Aber das wäre gelogen. Vielleicht müsste ich sie in den Arm nehmen und sagen, dass ich nur einen Sitz im Auto habe, aber auch das wäre gelogen. Vielleicht könnte ich sie trösten, wenn ich Sozialpädagoge wäre. So aber ist es mir nicht möglich. Es ist nämlich schlicht und ergreifend so, dass ich nur Leute in meinem Auto haben will, die ich kenne und die irgendwas mit meinem privaten Leben zu tun haben. Alle anderen müssen draußen bleiben. Ich sage der konsternierten Frau dann doch noch etwas erbauliches, nämlich dass ich fünfzehn Minuten vor ihr Feierabend habe und schnell weg muss. Sie murmelt daraufhin auch etwas, verabschiedet sich womöglich, und geht dann zurück an den Ort von dem sie kam. Wenn sie jetzt gesagt hätte, ihr Auto sei kaputt und ob ich sie vielleicht ein- bis zweimal mitnehmen kann, hätte ich mich durchaus erbarmt, aber eine klassische Fahrgemeinschaft ist nun wirklich nichts für mich und eine vollkommen unsinnige Erfindung. Wie kann man so etwas einem Fremden nur antun wollen? Klar, könnte man noch den Umweltaspekt anführen, aber bei aller Liebe zur Umwelt, ist mir dieser Preis um ein Vielfaches zu hoch.

Ein Gedanke zu „Sozialpädagogische Fahrgemeinschaft“

  1. Oh ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe wiederholt aus finanziellen Gründen an Fahrgemeinschaften teilgenommen, aber so richtig zufrieden war ich nie. Für mich kommt das auch nicht mehr in Frage, selbst wenn ich heute noch mit dem Auto zur Arbeit fahren würde.

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