Bremerhaven – Teil 2

Am Montag wache ich um 05.10 Uhr auf, weil es hell ist und mein Magen mit mir unzufrieden ist. Manchmal vergesse ich noch immer, dass es für mich sehr wichtig ist zu relativ festen Zeiten etwas Magengerechtes zu essen. An Schlaf ist so natürlich nicht mehr zu denken. Entweder schaffe ich es heute, den Tag anständig ums Essen herum zu planen oder es werden schreckliche Zeiten bis zu meiner Abfahrt. Es ist keine Freude möglicherweise essgestört zu sein, definitiv unter einem Dachschaden zu leiden und dazu einen Magen- Darmtrakt zu haben, der Fehler im Ernährungsplan nicht verzeiht und sofort eine Rebellion anzettelt. Es ist echt gut, dass niemand ein Zimmer mit mir teilt, denn das wäre unangenehm und peinlich. Ich sollte vielleicht nicht mehr in den Urlaub fahren und mich generell auf Tagesausflüge mit präzisem Ernährungsablauf beschränken. Als wäre ich nicht schon beschränkt genug.

Neunzig Minuten später liege ich noch immer wach auf dem Bett rum und mein Magen erzählt ununterbrochen wie beschissen er mein Verhalten findet. Entspannter Urlaub geht anders. Im Nebenzimmer ist mittlerweile auch Leben und dennoch schlafe ich dann doch noch einmal kurz ein.

Später, ich bin noch immer unzufrieden mit meinem Essverhalten, telefoniere ich mit Agnes, als es an der Tür klopft. Da ich nicht reagiere, wird nun die von innen verschlossene Tür aufgeschlossen und eine Frau kommt herein. Sie murmelt etwas und fragt dann, ob ich etwas brauche. Sie darf den Müllbeutel wechseln und verschwindet wieder. Es ist 08.15 Uhr. Was zum Teufel soll denn sowas?

Noch vor 09.00 Uhr breche ich auf, um eine Kleinigkeit zum Frühstück zu mir zu nehmen. Doch ich finde keine geeignete Bäckerei, weil überall Leute sitzen, in deren Nähe ich einfach nicht sitzen will, denn ich will alleine frühstücken. Als ich fast am Ende bin, finde ich eine Bäckerei, die es mir ermöglicht relativ ungestört zu speisen. Ich bestelle eine Salamibrötchen und dazu einen Orangensaft, setze mich draußen in die hinterste Ecke und gucke mir die Leute an, die vorübergehen. Ich scheine langsam zu entspannen, lasse mir Zeit und gehe erst als sich jemand an den Nebentisch setzt.

Unterwegs kaufe ich mir eine Flasche Wasser und anschließend eine Karte für eine Hafenrundfahrt. Ganz alleine sitze ich an einem Tisch für sechs Personen als eine Schulklasse das Boot entert. Eine lustige Schulklasse bei der es sich ausschließlich um ausländische Kinder handelt, wie unschwer zu erkennen ist. Da passt es meiner Meinung nach nicht so gut, dass beide Lehrerinnen mit deutlichem osteuropäischem Akzent sprechen. Aber egal. Bei der Rundfahrt stört zunächst nur, dass erklärt wird, was es alles zu sehen gibt. Durchaus interessant, aber eigentlich will ich lieber meine Ruhe und einfach nur aufs Wasser gucken. Irgendwann, fast aus heiterem Himmel, passiert etwas, was ich die ganze Zeit befürchtet hatte. Drei der Schüler setzen sich an meinen Tisch setzen. Da ist der zwischenzeitlich etwas heftige Wind mir tatsächlich sympathischer. Und natürlich können Kinder nicht einfach nur so dasitzen, sie müssen reden und albern sein und irgendwann betrachtet einer von denen meine Uhr, findet irgendwas lustig, flüstert zu den anderen und alle scheinen amüsiert. Ich frage natürlich, was so lustig ist, weil ich schon verstehen will, warum man über mich lacht. Der kleine Junge weist mich darauf hin, dass meine Uhr falsch geht. Ich erkläre ihm, dass das nur deshalb so ist, weil er die Uhr auf dem Kopf gelesen hat, drehe sie für ihn um und halte sie vor sein Gesicht. Jetzt versteht er und gibt Ruhe. Endlich

Nach der Rundfahrt gehe ich asiatisch essen. WOK – Asian Cuisine heißt der Laden, der mir schon gestern auffiel und den ich mir fürs heutige Mittagessen vorgemerkt hatte. Das Essen ist gut, die Bedienungen sehr freundlich und ich denke während ich es mir schmecken lasse schon darüber nach, wann und wo ich meine nächste Mahlzeit einnehmen werde, um meinen Körper zu besänftigen. Das ist schon irgendwie krank.

Nach der kleinen Mittagspause klettere ich einmal durchs U-Boot Wilhelm Bauer und bin ganz fasziniert, wie wenig Platz man darin hat. Ich war vor unendlich vielen Jahren mit der Schulklasse mal hier und habe mir den Kopf gestoßen. Damals kam mir das U-Boot dennoch größer vor. Vielleicht weil ich damals kleiner war oder nur Augen für eine Mitschülerin hatte.
Wenige Minuten später befinde ich mich im Schifffahrtmuseum. Dort werde ich so müde, dass ich mich mehrmals hinsetzen muss, um Kräfte zu mobilisieren. Mein Plan, bis zum Abend in der Stadt zu bleiben, muss somit geändert werden. Nachdem ich hoffentlich alles in dem Museum, welches ich wirklich empfehlen kann, gesehen habe, gehe ich zum Parkplatz, zahle 7 Euro fürs Parken und fahre zum Ausruhen zurück ins Hotel. Bei der Gelegenheit mache ich mich etwas frisch, weil ich nicht gerne durch unangenehmes Riechen auffallen möchte. Nachdem ich mich erholt und ein sauberes Poloshirt angezogen habe, kehre ich zurück und bestelle pünktlich um 18.15 Uhr die nächste Mahlzeit. Es gibt Gemüse mit Reis und süß saurer Soße. Anschließend wandere ich planlos umher, freue mich über die Wellen, welche die Schiffe verursachen und sitze mal hier und mal dort rum. Wellen und Wasser sind echt toll. Gegen 20.40 Uhr mache ich mich auf den Weg zurück ins Hotel und stelle fest, dass mir meine Beine total wehtun. Dabei bin ich nicht einmal 15 Kilometer gewandert. Ich bin echt aus der Übung.

Ich habe regelmäßig gegessen und getrunken, hatte einen entspannten Tag und mich an meine neue Umgebung gewöhnt. Der komische Zustand, den der Anreisetag mir beschert hat, ist einem entspannten Dasein gewichen. Möglicherweise bin ich doch noch nicht völlig verloren und kann weitere Urlaube verkraften. Ich muss mich nur am ersten Tag schonen und regelmäßig füttern. Dann sollte mein Magen nicht rebellieren und mein Kopf keine Panikattacken androhen. Vielleicht kriege ich das beim nächsten Urlaub hin. Aber jetzt freue ich mich erstmal auf den morgigen Tag. Das Zimmer verlasse ich nicht mehr, weil mir dazu die Energie fehlt und ich hier zum Entspannen bin und nicht, um irgendwelche Aktivitätsrekorde aufzustellen. Alles ist im Fluss.

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