Lübeck – Tag 5

Nachdem ich gut geschlafen habe, wache ich zeitig auf, um pünktlich den Urlaub beenden zu können. Ein letztes Mal die morgendliche Urlaubsroutine ablaufen lassen. Rollo öffnen, Banane essen, ins Bad gehen, rasieren, Zähne putzen, duschen, eincremen, Parfum auftragen, anziehen. Dann erst weiche ich von der Routine ab und packe meine Sachen. Wozu länger ein Hotelzimmer nutzen als nötig? Gegen 09.00 Uhr ist alles im Benz verstaut, Zimmerschlüssel und Stromkarte sind abgegeben. Beim Bäcker in der Nähe hole ich mir ein Salamibrötchen, gehe zurück zum Benz und klettere rein. Das Navigationsgerät zeigt an, dass ich in etwa dreieinhalb Stunden zu Hause sein dürfte. Ich bin erstaunlich entspannt. Kaum auf der Autobahn benutze ich die rechte Spur, obwohl es noch recht gemächlich vorangeht. Kaum eine dreiviertel Stunde später setzt die Müdigkeit ein. Vielleicht sollte ich eine Pause machen, doch ich mag nicht jetzt schon anhalten, weil es gerade so gut voran geht. Also mache ich das, was gelegentlich kurzzeitig hilft. Ich singe alle Lieder, die es zu hören gibt, mit. Natürlich vollkommen falsch und wenn mal gar nicht gesungen muss, singe ich trotzdem und erfinde Texte, die sich reimen. Die Bahn ist fei, die Geschwindigkeit pendelt sich zwischen 160 und 170 ein und ich bleibe meist links. Nach einer Weile singe ich nicht nur, der Kopf wackelt hin und her und die Flasche wird zum Mikrofon umgewandelt. Ich bin völlig außer Kontrolle und scheine mich in einer Art Rausch zu befinden. Selbst wenn irgendwer spontan auf die linke Spur fährt, um mit etwa 110 Stundenkilometern einen Zwischenspurt einzulegen, bleibe ich völlig entspannt. Möglicherweise sollte ich mein Leben zum Großteil im Benz verbringen. Auf einer nicht zu vollen Autobahn, bei schönem Wetter und mit guter Musik. Alternativ könnte ich mich auch auf meinen Geisteszustand untersuchen lassen. Ich bin mir noch nicht sicher, was angebrachter ist. Erst in Werne, also kurz vor dem Ziel, verlasse ich die Autobahn, um bei McDonalds die Toilette aufzusuchen und anschließend etwas Nahrung aufzunehmen. Ich sollte ein Foto von mir machen, denn so entspannt gibt es mich sicher so schnell nicht wieder. Da ich auf Fotos meist blöder aussehe als nötig, verzichte ich aber darauf, weil die gute Laune noch etwas anhalten soll. Die letzten Meter der entspannten Fahrt vergehen sehr schnell und schon stehe ich wieder in meiner winzigen Wohnung, wo ich unverzüglich alle Sachen verstaue, dann in den Keller gehe und die Waschmaschine befülle, damit sie meine Wäsche reinigt. Wenig später deutet nichts mehr darauf hin, dass ich für ein paar Tage weg war. Der Ursprungszustand ist wieder hergestellt. Bis zum Verlust der Entspannung kann es nicht mehr lange dauern.

Später liege ich verwirrt im Wohnzimmer herum, ziehe ich Bilanz und befinde, dass Lübeck zu groß für nur vier Übernachtungen ist. Sechs Nächte wären bei dieser Reise angebracht gewesen. Wichtig ist auch, dass ich bei meinem nächsten Urlaub ein Zimmer direkt im Stadtzentrum nehme damit ich nicht zum Urlaubstagespendler werde. Außerdem bin ich für meine Verhältnisse ziemlich oft entspannt im Urlaub, zumindest wenn ich nicht mit Menschen reden muss und der Psycho in mir nicht zum Vorschein kommt. Des Weiteren scheint es Tradition zu sein, dass ich einen Sonnenbrand bekomme, was zumeist bei Hafen- oder Stadtrundfahrten passiert. Alles andere habe ich vergessen, weil die Urlaubsreise nun schon seit einigen Stunden vorbei ist.

Abschließend habe ich noch ein paar Fragen an mich, die ich unverzüglich beantworte, um das Thema Urlaub als erledigt abhaken zu können.

Werde ich nächstes Jahr abermals verreisen? Ja.
Werde ich nächstes Jahr wieder zweimal verreisen? Vermutlich.
Werde ich dabei gut aussehen? Nein.
Werde ich mit dem Benz fahren? Ja.
Werde ich wieder Richtung Norden fahren? Möglicherweise.

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