| Familie S. |
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An einem Vormittag im September 2003 sehe ich Menschen mit Stühlen und weiterem Kleinkram in unser Haus gehen. Und mit Freude stelle ich fest, dass diese Menschen nicht die Wohnung im Erdgeschoß, sondern direkt nebenan beziehen. Eine Mutter mit Kind wird ab jetzt neben uns wohnen. Die Mutter ein wahres Prachtexemplar der Gattung Frau: Mindestens 180cm groß, riesiger Kopf mit altmodischer Frisur und so stämmig, dass man ihr besser aus dem Weg geht. Täglich merkt man, dass man neue Nachbarn hat, denn der Junge liebt die Türklingel. So eine laute Klingel ist schon eine feine Sache. Kein Tag vergeht an dem man nicht sein 'Sturmklingeln' genießen darf. Er schellt manchmal sogar weiter, wenn ihm längst die Tür geöffnet wurde. Außerdem liebt er das Treppenhaus, niemand rennt und springt so laut die Treppen hinab wie er. Manchmal stehen ihm dummerweise ein paar Blumen im Weg, was ihn aber nur kurzzeitig bremsen kann. Er rennt die ollen pflanzen einfach um und schon gehts ganz entspannt weiter. In den Herbstferien 2003 sind die neuen Nachbarn plötzlich verschwunden. Ich bin sehr besorgt und frage mich, ob ich etwas falsch gemacht habe. Doch dann, nach etwa einer Woche, kommen sie sonntags morgens gegen 06.00 Uhr wieder, mit einem PKW (mit osteuropäischem Nummernschild, aber ohne Nationalitätenkennzeichen) voll mit Einrichtungsgegenständen und einem Mann (fast genauso groß wie die Frau, aber nur halb so breit), der fortan auch mit in der Wohnung lebt. Sie beginnen sofort damit die Gegenstände in die Wohnung zu bringen und machen dabei so viel Lärm, dass alle im Haus an diesem freudigen Ereignis teilnehmen können. Geteilte Freuden sind halt Grundvoraussetzung für eine gute Nachbarschaft. Bis Anfang März 2004 fahren sie gerne mit dem Auto, welches sie, (um Steuern zu sparen?) nicht in Deutschland angemeldet haben, durch die Gegend. Dann ist das Auto plötzlich verschwunden und so muss die arme Familie über ein Jahr lang entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad ihre Ziele erreichen. Glücklicherweise hat dieses Elend im Juli 2005 ein Ende. Die arme Familie legt sich einen roten Golf zu und ist sofort ein kleines Stück glücklicher.
Meine Vermutung, dass meine Nachbarn die deutsche Sprache nicht beherrschen, was ich daraus schließe, dass aus der Nachbarwohnung nur Gespräche in nicht deutscher Sprache zu hören sind, bestätigt sich erstmalig, als mein Vater eines Tages auf die Idee kommt mit der Nachbarin zu sprechen. Das verschreckt die arme Frau so, dass sie sich mit den Worten 'Ich nix verstehen' sofort in ihre Wohnung zurückzieht. Eine weitere schlechte Angewohnheit dieser Leute ist es, jeglichen Müll/Abfall erst in einen gelben Sack zu stopfen und dann in die Biomülltonne zu werfen. Als mein Vater sie darauf anspricht und erklärt, dass so was nicht geht und in Zukunft nicht geduldet wird, deuten sie zwar an, in Zukunft auf diesen Unfug zu verzichten, aber daran halten sie sich nicht. Sie schmeißen auch weiterhin jeglichen Müll in die Biomülltonne. Die sind aber vermutlich gar nicht so doof, dass sie es nicht kapieren, sondern einfach nur unverschämt, denn als Strafe für den kleinkarierten Hinweis mit der Mülltrennung grüßen sie meine Eltern und die meisten anderen Hausbewohner nicht mehr. Mich allerdings scheinen sie irgendwie zu mögen, denn mich grüßen sie auch weiterhin. Im Januar 2006 ziehen die Nachbarn samt dem ganzen Hausrat zwei Hauser weiter in eine größere und angemessenere Wohnung. Ich frage mich allerdings, warum es so lange dauern musste bis sie endlich in eine größere Wohnung umgesiedelt wurden. Ende gut, alles gut?
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© 10.03 - 01.06
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