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Als ich am vereinbarten Treffpunkt erscheine, wartet sie schon auf mich. Sie sieht nicht aus wie auf den Fotos, die ich von ihr kenne. Sie sieht aus wie ein Fass mit Armen, Beinen und einem Kopf. Sie trägt braune Schuhe. An ihren Beinen, die im Gegensatz zum Mittelteil, recht normal proportioniert sind, eine enge Hose. Darüber eine dünne, kurzärmelige Bluse. Trotz des Schocks, den ihr Anblick bei mir auslöst, begrüße ich sie freundlich. Mir kommt es so vor, als wäre sie von meinem Anblick recht angetan. Wäre ich, wenn ich sie wäre, auch. Mir ist es peinlich mit ihr durch Lünen zu gehen. Aber vielleicht ist sie ja wenigstens unterhaltsam. Diese Hoffnung zerschlägt sich allerdings schnell. Schon nach wenigen Sätzen höre ich ihr nicht mehr zu und frage mich, wieso ich immer wieder an solche Kunstwerke des menschlichen Handwerks gerate. Kennengelernt habe ich Sie auf der gleichen Plattform wie Sophie. Wir schrieben uns gelegentlich und sie machte einen recht netten Eindruck. Auf den Bildern konnte ich erkennen, dass sie nicht schlank ist, aber das, was hier nun neben mir hergeht, sieht schon etwas anders aus. Als sie mich vor ein paar Stunden fragte, ob wir heute nichts zusammen unternehmen wollen, erschien mir ein nettes Treffen möglich, jetzt weiß ich, dass mich das Treffen langweilen wird. Wir gehen ins Extrablatt. Ich wähle einen Tisch ganz am Rand und setze mich mit dem Rücken zu den anderen Gästen. Ich will nicht, dass man mich erkennt. Sie erzählt Dinge, die mich wenig interessieren. Ihr Humor ist schön schlicht. Sie ist schlicht. Schlicht und ergreifend uninteressant. Während sie irgendwas erzählt, betrachte ich sie. Ich habe noch nie so große Brüste gesehen. Ihre Oberarme sind auch schön fleischig, ihre Finger gefallen mir ebenfalls nicht. Ihr Gesicht ist okay. Passt nicht unbedingt zu dem Rest. Wird aber bestimmt mit zunehmendem Alter immer besser zu dem Körper passen. Sie ist ja erst 28. Da ist noch viel möglich. Sie sagt: „Wir müssen aber nicht immer über mich und meine Bekannten reden. Du kannst auch mal etwas erzählen.“ – „Nein. Ich höre lieber zu. Erzähl weiter. Ich lasse mich gerne unterhalten.“ Was mich irritiert ist die Art, wie sie mich anguckt. Und als sie später erzählt, dass sie nur beim kuscheln ruhig ist, sage ich dem Kellner, das wir zahlen möchten. Getrennt. Auf dem Parkplatz stehen wir noch eine Weile dumm rum. Sie erzählt, dass sie Schwierigkeiten hat BHs in der richtigen Größe zu bekommen. Sie hat Körbchengröße 90J. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Und warum erzählt sie mir das? Sie ist 1,75m und guckt mich an als würden wir uns gleich küssen. Und dann? Dann würden wir im Bett landen. Wir beide fänden den Sex Scheiße, aber ich wäre befriedigt. Ich mag es, befriedigt zu sein. Also sage ich ihr, dass ich jetzt gehe und verabschiede mich von ihr. Alles andere wäre albern. |
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© August 2011
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