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<< Ausbildung >>

1989. Die Zeit der Entspannung ist vorbei. Das Leben wird ernst und passend dazu beginne ich eine Ausbildung zum Energieelektroniker. Mit drei anderen Typen muss ich nun dreieinhalb Jahre einem Beruf nachgehen, der mir vom ersten Tag an nicht gefällt. Schon alleine die Arbeitszeiten lassen die Laune sinken, dazu passend diese schöne Arbeitskleidung und die stylischen Sicherheitsschuhe. Ich weiß nicht, wieso ich mir das antue.

Nach wenigen Schultagen ist bereits klar, dass es nur Fächer gibt, die mir nicht liegen. Nach wenigen Arbeitstagen weiß ich, dass mir der Beruf nicht gefällt. Ich bin kein Handwerker und ich hasse es mich dreckig zu machen und in kalten Hallen meine wertvolle Zeit zu verbringen. Meine drei Kollegen sind allesamt besser als ich und scheinen sich vorher über den Beruf informiert zu haben. Sie machen genau das, was sie machen wollten. Ich mache einfach nur mit.

Es dauert nicht lange bis die Schule meine schlechten Noten dem Betrieb meldet. Wie immer verspreche ich, mich zu bessern. Als die Schule sich erneut beschwert wird mir vorgeschlagen es als Bäcker oder Metzger zu versuchen. Ich lehne ab und darf die nächsten Wochen im Zimmer neben dem Meister lernen. So bin ich unter ständiger Beobachtung, was aber nichts nützt, denn ich mache zwar den Eindruck als würde ich lernen, aber in Wirklichkeit blättere ich nur in den Fachbüchern rum, da ich kein Wort von dem verstehe, was dort geschrieben steht. Und es interessiert mich auch nicht.
Doch ich genieße es, nicht in einer der dreckigen Hallen arbeiten zu müssen, sondern im warmen Büro zu sitzen, Musik zu hören und ab und zu ein paar technische Zeichnungen zu erstellen. Während meiner Zeit im Büro erwecke ich so den Eindruck, dass ich es schaffen will und darf meine Ausbildung fortsetzen. Ob das wirklich eine Glücksfall für mich ist, darf bezweifelt werden.

Was ebenso schrecklich wie die Ausbildung selbst ist, sind unsere Frisuren. Vier Auszubildende zum Elekroniker mit schrecklichen Frisuren. Drei haben eindeutig zu viel Haare am Hinterkopf und der vierte hat durch sein ständiges kämmen kaum noch Haare auf dem Kopf. Aber die wenigen Haare, die er noch mit sich rumträgt liebt er so sehr, dass er Witze darüber gemein findet und sobald ein Witz oder ein Kommentar zu seinen Haaren gemacht wird, holt er sein Bürste raus und kämmt los. Lange wird er dieses Vergnügen sicher nicht mehr haben. Dann wird ein Glatze sein Haupt zieren und es ist vorbei mit dem kämmen. Armer Kerl.

Die Jahre gehen irgendwie vorbei und plötzlich steht die Abschlussprüfung an. Noch immer habe ich keine Ahnung von der ganzen Elektronik und weiß genau, dass ich in diesem Beruf niemals arbeiten werde.
Bei der praktischen Prüfung habe ich ein kleines Problem. Ich weiß nicht, was ich mit dem Bauteil vor mir machen soll. Ich weiß nicht, wo welcher Strom warum fließen soll und stehe einfach nur so da, halte das Messgerät mal hier, mal dort an, ohne den geringsten Plan von der Materie zu haben. Glücklicherweise steht in meinem Sichtbereich mein Kollege mit dem Haartick. Da ich weiß, dass er ein Guter ist, beobachte ich ihn und kann sogar lesen, was er auf dem Prüfungsbogen einträgt. Ich merke mir die Zahlen, tue so als würde ich selber messen und trage dann die Werte ein.

Direkt nach der Prüfung ziehe ich meine gut erhaltenen Arbeitsschuhe aus und hänge sie auf dem Parkplatz an die Anhängerkupplung eines VW Passat. Für mich ist die Zeit der Arbeitsschuhe heute vorbei.

Nach bestandener Ausbildung ist es Zeit, mich auf den Zivildienst vorzubereiten.

Einen kleinen Einblick über die harte Ausbildungszeit bietet die Diashow.



                                

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© Mai 2009