Mein erster Schultag
Freitag, 30. November 2007. Kurz bevor ich mich auf den Weg zur Schule mache, hält mein Vater mir eine Rede. Ich soll nett zu allen sein, mich mit den Dozenten gut stellen, mich benehmen, mich nicht ins Abseits stellen und alle mit Respekt behandeln. Ich bin froh, dass er mir nicht auch noch eine Schultüte überreicht.
Das erste, was mir in Erinnerung bleiben wird von meinem ersten Schultag, ist die Parkplatzsuche. Ich fahre langsam die Straße entlang, als an einem geparkten PKW die Tür geöffnet wird. Der Fahrer streckt seinen Kopf heraus und kotzt direkt vor meinen Augen auf die Straße. Ein wirklich herrlicher Anblick, wie es so aus ihm herausschießt. Schöner kann ein Tag kaum beginnen.
Als ich an der Schule ankomme erblicke ich drei Menschen. Einen irgendwie verwahrlosten Mann und zwei dicke Frauen. Und ich meine jetzt nicht einfach nur dick. Eine von denen ist so fett, dass ich keine Worte dafür finde. Eine Art Walross in Kleidern. Ich kann mir einerseits nicht vorstellen, dass die mit mir eine Umschulung machen, andererseits würde es passen. Und es passt. Wenige Minuten später sitzen wir gemeinsam in einem der Unterrichtsräume. Ich bin entzückt.
Insgesamt sind wir 21 Umschüler, darunter zehn Frauen. Wirklich überzeugen kann mich auf Anhieb keine von denen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Was mir heute gut gefällt, ist die Ansage von Schwester Oberin, so nenne ich die Leiterin des Instituts, dass bei uns nur deutsch gesprochen wird. Das ist sehr gut, denn die beiden Russinnen in der ersten Reihe gehen mir mit ihrem Geplapper in ihrer Muttersprache schon mächtig auf die Nerven. Wobei ich allerdings anmerken muss, dass die eine einen kleinen Hintern hat, der sich gut betrachten lässt.
Doch das Ziel meiner Umschulung ist es ja nicht, Ärsche zu betrachten oder die eine oder andere Frau in mein Auto zu verfrachten, sondern einen ordentlichen Kaufmann aus mir zu machen. Dummerweise habe ich schon jetzt das Gefühl, dass ich erneut etwas angefangen habe, was ich hassen werde.
Erster richtiger Unterrichtstag
06.30 Uhr. Eine ziemliche beschissene Zeit, um aufzustehen. Es ist noch völlig dunkel. Was soll denn das?
Ich erkämpfe mir einen Platz in der letzten Reihe. Das gefällt mir. Was mir weniger gefällt ist die Tatsache, dass die Fenster hinter mir sind. So muss ich mich ständig umdrehen, um aus dem Fenster zu gucken.
Unterrichtsthema heute: WISO. Schnell stelle ich fest, dass ich davon keine Ahnung habe. Das wird hart für mich.
Teilnehmer Nummer 21, der Grieche, ist heute übrigens nicht da. Er ist im Urlaub. Das nenne ich konsequent. Ich bin gespannt, wann er sich zurück meldet.
In den Pausen sorge ich dafür, dass der Unterrichtsraum gelüftet wird. Kaum bin ich da, schon übernehme ich Verantwortung. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg.
Die Frauen in meiner Klasse beobachte ich etwas genauer und entscheide, dass ich keine von denen in meinem Auto haben möchte. Ich möchte nicht einmal, dass die in die Nähe meines Autos kommen. Die gehen einfach nicht.
Die sechs Frauen, die links von mir sitzen, sind die Krönung. Sie stören mich ständig in meiner Konzentration und reden fast ununterbrochen. Ich mache mir einen Vermerk in mein Beschwerdeheft. Die werde ich melden, wenn die sich nicht zusammen reißen in den nächsten Tagen. Die beiden Russinnen werde ich gleich doppelt melden, da sie doch tatsächlich ein Gespräch in ihrer Heimatsprache führen. Auch das wird notiert. Die Damen leben sehr gefährlich.
Im Laufe des Tages machen wir einen Test, der so auch in der Abschlussprüfung vorkommen kann. Dreißig Fragen. WISO - Rechtliche Grundlagen.
Auch während dieses Tests plappern die geschwätzigen Weiber permanent miteinander und tauschen die Antworten aus. So kann ich nicht arbeiten. Auch das wird notiert. Trotz dieser massiven Störungen erreiche ich 80%. Kein wirklich überzeugendes Ergebnis, aber guter Durchschnitt. Darauf lässt sich aufbauen. Simulierte Prüfung bestanden.
Ich schaffe es tatsächlich den ganzen Tag lang jegliche Kommunikation mit meinen Mitschülern und Mitschülerinnen zu vermeiden. Das macht mir gar nichts aus. Kurz vor Unterrichtsschluss höre ich ganz deutlich wie der Typ, der unmittelbar vor mir sitzt, furzt. Schöner kann ein Unterrichtstag nicht enden.
Zweiter richtiger Unterrichtstag
06.30 Uhr. Genau wie gestern finde ich es unmöglich, um diese Zeit aufzustehen. Dazu kommt, dass ich in der Nacht nicht wirklich geschlafen habe, weil ich mal wieder unter Halsschmerzen leide.
Als ich, im Gegensatz zu den Fettärschen, die Treppen hinaufsteige, um in den Unterrichtsraum in der 4. Etage zu kommen, verwickelt mich eine der Teilnehmerinnen, welche ebenfalls die Treppen bevorzugt, in ein kurzes, belangloses Gespräch. Nach der kurzen Konversation beschließe ich, dass ich heute keine weiteren Gespräche führe.
Thema heute: Rewe. Das ist noch schrecklicher als WISO. Ich kapiere nichts von dem, was der Dozent zu sagen hat. Ich glaube auch, dass es mich nicht wirklich interessiert. Alles viel zu kompliziert. Ich habe keine Lust mich 19 Monate damit zu beschäftigen. Der Tag zieht sich und meine Halsschmerzen sind einfach nur lästig. Nur mit Mühe schaffe ich es nicht einzuschlafen. Wo soll das nur enden?
Mittlerweile gehen mir acht der zehn Frauen dermaßen auf die Nerven, dass ich sie am liebsten vom Unterricht ausschließen würde. Die sind einfach viel zu laut. Während des Unterrichts sorgen sie permanent für Unruhe und in den Pausen drehen sie erst richtig auf. Das Gegacker macht mich wahnsinnig. Ich kann nicht einmal in Ruhe eine Zeitschrift lesen. Das muss ich alles in meinem Beschwerdeheftchen notieren. Die werden schon noch sehen, was sie davon haben. Mit mir ist nicht zu spaßen. Weil sich die beiden Russinnen auch heute nicht daran halten, dass bei uns nur deutsch gesprochen wird, notiere ich Datum, Zeit und Länge des Gesprächs. Die zwei können bald ihre Sachen packen, da bin ich mir ganz sicher. Bald wird es viele freie Plätze in unserem Klassenraum geben. Dafür werde ich schon Sorgen.
Bis zum Ende des Schultages rede ich, so wie ich es mir vorgenommen habe, mit niemandem mehr. Ich kann verdammt konsequent sein.
Zwei Schultage
Gleich zur Begrüßung bekommen wir eine neue Mitschülerin, welche tatsächlich wie eine recht gut gelungene Frau aussieht. Sie hat sogar eine richtig gute Figur. Dummerweise ist sie verheiratet und so brauche ich nicht darüber nachdenken, wie ich sie ansprechen könnte. Sie setzt sich in die erste Reihe. So kann ich sie mir wenigstens angucken.
Da ich nicht als schweigendes Arschloch des Jahres in die Geschichte eingehen will, spreche ich meinen Sitznachbarn, Lutz, an. Er ist sehr überrascht, dass ich ihn anspreche. Er hat sicher nicht damit gerechnet, dass ich sprechen kann. Ich denke wir verstehen uns ganz gut.
In der Pause gesellen sich zwei weitere Außenseiter zu uns, der Tänzer und die Schweigsame aus der Ukraine. Es dauert nicht lange, bis wir über die Achtergruppe lästern. Wir alle finden die Gruppe ziemlich nervig. Zum Kopf der Gruppe machen wir die Jüngste. Sie ist in der Tat die schlimmste der acht, da sie ein permanenter Unruheherd ist. Lange bleiben unsere Witze und Lästereien nicht unbemerkt und so entstehen erste Risse in der Klassengemeinschaft. Da muss man aufpassen, dass es nicht irgendwann eskaliert.
Die neue Mitschülerin stammt offensichtlich aus Russland, denn sie unterhält sich mit einer der anderen Russinnen. Dummerweise reden sie in ihrer Muttersprache. Schon wird die Neue in meinem Beschwerdebuch vermerkt. Das geht ganz fix bei mir.
Gegen 14.00 Uhr bekomme ich plötzlich meine traditionellen Sehstörungen, weshalb ich beschließe, dass es besser ist mich zu verabschieden. Die Dozentin scheint etwas irritiert als ich einfach so den Unterricht verlasse. Sie sagt mir, dass ich, wenn ich nichts sehe auf keinen Fall Auto fahren soll. Ich sage ihr, dass es keine andere Lösung gibt. Das ich heil zu Hause ankomme ist nicht selbstverständlich und ich frage mich, wie ich das geschafft habe.
Als ich am Donnerstag den Unterricht betrete, sitzt die neue Mitschülerin in der letzten Reihe. Sehr verdächtig.
In den Pausen unterhält sie sich mit der Schweigsamen. Beide sprechen russisch. Beide werden unverzüglich notiert. Langsam wird es knapp für die Damen.
Lutz und ich lästern währenddessen erneut über die Gruppe der Quasseltanten. Wir sollten uns etwas zurückhalten, denn sonst haben wir recht bald verschissen. Wieso bin ich nur so ein Arschloch? Da ich kein Arschloch sein will, unterhalte ich mich während der letzten Pause mit zwei weiteren Teilnehmern. Einer von ihnen ist ein netter Kerl und auch nicht doof. Optisch ist er allerdings weniger gelungen. Ich kann gar nicht glauben, dass ich älter bin als er. Im Vergleich zu ihm sehe ich echt gut aus. Das gefällt mir. Wir nennen ihn ab sofort Alter Mann.
Später stelle ich fest, dass nur der Tänzer älter ist als ich. Das bedeutet, dass ich ab sofort mehr Verantwortung übernehmen und mich besser um meine Klassenkameraden kümmern muss. Schließlich hat man als Zweitältester eine Vorbildfunktion. Ab morgen werde ich ein fleißiger und vorbildlicher Schüler sein. Ich werde keine Witze mehr machen und alle mit Respekt behandeln. Dann werden mich alle lieben und ich komme in den Himmel.
DrSchwein taut auf
Als ich mich um kurz vor 08.00 Uhr auf meinen Platz setze, kann ich noch nicht ahnen, dass ich heute sehr viel Spaß haben werde.
Unterrichtsthema heute: EDV. Das macht Sinn, wenn kein einziger PC im Klassenraum steht. Es gibt folglich niemanden, der sich nicht langweilt.
Irgendwann kommen wir über das Thema Tamagotchis auf das Thema Kinder. Unsere Jüngste, Bröckelchen, regt sich kurz darüber auf, dass Kinder ihr zu laut sind. Dennoch will sie eigene Kinder. Ich sage, dass das einzige was für sie in Frage kommt, eine Totgeburt ist. Ich weiß, das ist völlig geschmacklos, dennoch wird sehr laut gelacht. Damit ist das Eis gebrochen. Jetzt bin ich im Spiel.
Als unsere Dozentin nach der Pause für eine Stunde verschwindet, wird es richtig nett.
Der dicken Berta sage ich, dass ich neidisch auf ihren Sitznachbarn Virus bin, weil sie ihn ständig berührt und acht Minuten den Arm um ihn gelegt hat. Ich glaube, das gefällt ihr. Die habe ich im Sack.
Bröckelchen sage ich, dass ich es sehr gut fände, wenn sie sich neben mich setzen würde. Natürlich ist es genau das, was sie hören will. Das sehe ich ganz deutlich an ihrer Reaktion. Ich kann so charmant sein, dass es kaum auszuhalten ist.
Weil es gerade so gut läuft, reiße ich einen Witz nach dem anderen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Leute zum lachen gebracht habe. Selbst ich muss ständig lachen, allerdings fast ausschließlich über meine eigenen Witze. Lediglich Lutz kann mit meinem Gagfeuerwerk einigermaßen mithalten. Wir sind das Witzigste, was unseren Mitschülern passieren konnte. Weil ich in Topform bin, nehme ich mir als nächstes die Russin Esmi vor, die zu ihrer Sitznachbarin "Stell mal das Flasche dahin" sagt. "Das heißt: Die Flasche" - "Hömma, ich habe das dreizehn Jahre nicht gelernt, da werd ich das jetzt auch nicht lernen." - "Hömma, geht schon mal gar nicht. So sprichst Du mich nicht mehr an und es ist mir egal, was Du bisher gelernt hast oder nicht. Hier heißt es Die Flasche, das werden wir Dir in den nächsten Monaten schon beibringen. Was glaubst Du eigentlich, wo wir hier sind?" Ihrer Sitznachbarin, Frau Klein, erteile ich den Auftrag, ihr jedes Mal, wenn sie Hömma sagt oder Probleme mit der Grammatik hat, eine Flasche auf den Kopf zu schlagen. Ich glaube Frau Klein findet das witzig. Ich finde mich heute auch ausgesprochen witzig.
Als mich wenig später der alte Mann darauf hinweist, dass ich älter sei als er, sage ich ihm, dass er dafür aber älter aussieht. Der hat gesessen. Alle lachen. Es läuft. Wenn man weiß, wie er aussieht, dann weiß man wie gemein ich zu ihm war. Aber ich kann schließlich nichts dafür, dass er Haarausfall hat, einen dicken Bauch und auch sonst ziemlich alt für sein Alter aussieht. Da er solche Sprüche vermutlich oft zu hören kriegt, steckt er es locker weg. Es folgen ein paar deftige Witze über den Tänzer, bevor ich einen Gang zurückschalte und Bröckelchen sage, dass sie in Zukunft nicht alles alleine essen soll, weil sich so etwas nicht gehört. Einen Witz über ihre Figur verkneife ich mir. Man soll es nicht übertreiben. Insgesamt dauert mein Auftritt etwa eine Stunde. Erstaunlicherweise habe ich das Gefühl, dass mich die meisten nun in ihr Herz geschlossen haben. Wenn ich will, dann kann ich echt gut mit Menschen.
Drei Automobilkaumänner
In unserer Klasse gibt es drei verschiedene Ausbildungsberufe. Drei Automobilkaufmänner, vier Reiseverkehrsmenschen und der Rest sind Speditionskaufleute. Meine beiden Kollegen im Automobilbereich scheinen, im Gegensatz zu mir, die richtige Umschulung ausgewählt zu haben. Der eine, DG, hat schon Autos verkauft und der andere, der Türke, hatte sogar mal einen eigenen Handyladen. Da kann ich, der Mann, der sieben Monate Matratzen verkaufte, kaum mithalten.
Alle Umschüler im überblick
Der coolste, abgesehen von mir, scheint Lutz zu sein. Er sieht ein bisschen aus wie Axel Stein. Wer Spaß haben will oder ein anspruchsvolles und trotzdem unterhaltsames Gespräch sucht, der ist bei uns am besten aufgehoben.
DG, der, passend zu seinen Initialen, am liebsten Kleidung von Dolce & Gabbana trägt, scheint ebenfalls in Ordnung zu sein.
Der Türke aka Mr. Autozeitschrift aka Toilettenmann liest jede Autozeitschrift die es gibt und kann sich fast alles merken, was er da liest. Er kennt Preise und unheimlich viele Details von fast allen PKWs.
Der alte Mann. Optisch hatte er nicht ganz so viel Glück, zu groß, zu schwer und ein Großteil seiner Harre ist bereits geflohen. Aber dafür gehört er zu den klugen Köpfen unserer Klasse. Er kann über sich lachen und ist ein ziemlich gutmütiger Typ.
Der Tänzer. Ein leicht skurriler Typ, der unsere Witze sehr schätzt und immer viel Spaß mit uns hat, selbst wenn die Witze auf seine Kosten gehen. Er meint ich solle besser Komiker als Automobilverkäufer werden. Er hat ständig irgendwelche merkwürdigen Ideen und ist einer der Intelligentesten in unserer Klasse. Seine Ansichten Frauen betreffend werden mich im Laufe der Umschulung noch das eine oder andere Mal zum lachen bringen.
Berta, die sich häufig bei uns aufhält ist eine der beiden dicken Frauen, die ich gleich am ersten Tag erblickte und von der ich hoffte, dass sie nicht in meiner Klasse ist. Die ist ganz witzig, kann viel einstecken und ist nur dann beleidigt, wenn ich sie als alte Frau bezeichne. Nun, sie ist 36, jung ist das nicht. Zumindest nicht für eine Frau.
Einen Hacker haben wir natürlich auch. Er liebt Computer und will immer alle Computersysteme knacken. Mal schauen, wozu der uns noch nützlich sein kann. Außerdem scheint er eine Vorliebe für Alkohol zu haben.
Dann gibt es noch Esmi, die sehr sauer wird wenn ich sie Esmiralda nenne. Ich habe ihr gesagt, dass ich ihren Namen einfach zu doof finde und sie deshalb nicht mit ihrem Namen ansprechen kann. Meine Erklärung scheint ihr nicht zu gefallen.
Frau Klein, ist passend zu ihrem Namen, die kleinste in unserer Klasse. Niedliche Figur, nettes Wesen und sie ist sogar attraktiv. Mit ihr verstehe ich mich eine Zeit lang sehr gut.
Der Gigant. Unser Schwergewicht. Bis zu 150kg bringt er mit Sicherheit auf die Waage. Niemand, mit dem man sich anlegen sollte. Ebenfalls ein guter Schüler.
Der Albaner. Unter 25 und bei den meisten Frauen nicht so wirklich beliebt, da angeblich zu nervig. In Wirklichkeit ein feiner und unterhaltsamer, aber definitiv vollkommen durchgeknallter Typ, der ständig im Unterricht einschläft.
Virus. Ihn nennen wir so, weil er gleich zu Beginn der Umschulung wegen eines Magen- Darmvirus fehlte und wir seitdem jeglichen Kontakt zu ihm meiden. Er ist der Typ, der am ersten Tag mit den beiden dicken Frauen zusammen stand. Scheint aber ganz nett zu sein.
Miss Nasenhaar. Sie heißt so, weil ihre Nasenhaare nur so aus ihrer Nase heraus sprießen. Teilweise wirken die Nasenhaare sogar etwas bedrohlich. Nasenhaare sind unerotisch.
Die jüngste Frau in unserer Klasse hat irgendein Problem, was sie unter ihren Haaren versteckt. Die einen sagen, dass es aussieht wie die Narbe von Frankenstein, einer sagt es sieht aus wie Gürtelrose und ich vermute, dass man an der Stelle regelmäßig ihren Kopf öffnet, um etwas von dem Müll zu entfernen, den sie den ganzen Tag so redet. Ich werde sie jedenfalls im Auge behalten und versuchen heraus zu finden, wer am Ende Recht hat mit seiner Vermutung. Sie nennen wir ab und zu Bröckelchen.
Der Ballon. Auf die Frau, die einen größeren Körperumfang hat als ein Sumo Ringer, möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiter eingehen. Sie wird vermutlich während des Lehrgangs platzen.
Russin 1. Sie scheint irgendwie verklemmt und sieht durch und durch alt aus, wenn sie mal lacht. Dafür sitzt ihre Jeans sehr gut und es macht Spaß ihr auf den Arsch zu schauen.
Russin 2. Sie redet insgesamt sehr wenig und wenn, dann meist nur in ihrer Muttersprache. Ich vermute sie ist eine verwöhnte Frau, die einen gutverdienenden Kerl zu Hause hat. Zumindest hat sie eine tolle Figur. Sie wollte nach zwei Tagen die Umschulung abbrechen und ist ein paar Tage nicht mehr zum Unterricht erschienen. Scheinbar hatte die ARGE letztlich doch ein paar überzeugende Argumente und nun sitzt sie wieder bei uns. Glücklich sieht sie allerdings nicht aus. Mir ist das egal, Hauptsache ich kann hin und wieder auf ihren Arsch gucken.
Die Bauchtänzerin. Sie redet wie ein Wasserfall und viel von dem, was sie so redet ist irgendwie bescheuert. Mit mir redet sie bislang eher wenig, was ich allerdings nicht schlimm finde, da es verdammt anstrengend, fast schon tödlich ist, ihr zuzuhören. Wie die meisten Frauen unserer Klasse ist sie nicht schlank. Angeblich hat sie mal Bauchtanz gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei ihrem dicken Bauch ein schöner Anblick ist.
Der Schläfer ist unser Sorgenkind. Ständig ist er müde und will schlafen. Ich habe noch kein Wort mit ihm gewechselt und ich weiß auch nicht, ob sonst schon jemand mit ihm gesprochen hat. Falls ich nächste Woche Zeit habe, werde ich mal mit ihm reden. Nicht, dass er von allen gemieden wird und sich am Ende noch umbringt. Mal gucken, ob man ihn irgendwie und irgendwo integrieren kann.
Ace, milde Bleiche. Sie ist einfach nur da. Eine Mischung aus Whoopie Goldberg und Grace Jones, zumindest farblich.
Zukunft
Das Thema für mein erstes Referat, welches ich im Januar halten darf, heißt Autoglas.
Autoglas sorgt dafür, dass ich aus dem Auto gucken kann und bei Regen nicht nass werde. Hoffentlich ist damit alles gesagt.
In der Automobilbranche sollen in nächster Zeit etwa 15.000 Arbeitsplätze wegfallen. Im nächsten Jahr sollen weitere 20.000 Arbeitsplätze verschwinden. Da fühlt man sich doch gleich viel besser, wenn man so etwas hört.
Ach ja, von den sieben Umschülern, die jetzt ihr Praktikum hinter sich gebracht haben, hat nur einer eine Zusage, später einen Job zu bekommen. Natürlich hat er das nicht schriftlich, dennoch ist er voller Zuversicht. Ist er ein Narr?
Eine weitere Schulwoche
Zweimal in dieser Woche werden wir von Werner Lorant unterrichtet. Natürlich nicht von dem echten, denn der ist ja Fußballtrainer. Wir haben eine Kopie, die versucht uns etwas beizubringen. Bei mir wird es allerdings schwer für ihn, denn ich habe keine Ahnung wie man Kalkulationsfaktoren und Bezugspreise ausrechnet. Ich weiß nicht einmal, wozu diese Dinge überhaupt gut sind. Rechnen ist mir sowieso zu kompliziert. Dumm nur, dass der Türke es voll raus hat. Irgendwie deprimierend, dass ich ihn ständig fragen bzw. ständig bei ihm abschreiben muss. Auch sonst bin ich irgendwie überfordert von dem ganzen Kram, den man mir beizubringen versucht. Irgendwie langweilt mich das auch alles, weil es mich nicht wirklich interessiert. In der nächsten Woche werde ich ein paar Bewerbungen schreiben, dass ist vermutlich besser für mich.
Meine Mitschülerinnen geben mir auch zu denken. Wenn ich in den Pausen zu denen gehe, höre ich schon von weitem "Achtung, da kommt er wieder." Irgendwie finde ich das verdächtig. Warum reagieren die so?
Am Dienstag unterhalte ich mich erstmals kurz mit dem Schläfer. Komischer Kauz. Mich findet er scheinbar auch Sonderbar. Er meint ich sei jemand, der sich gerne reden hört. Da mag er wohl Recht haben.
Der Türke sitzt gerne auf der Toilette. Direkt nachdem er morgens zum Unterricht erscheint, schnappt er sich den Toilettenschlüssel und verschwindet für eine ganze Weile. Das gleiche Spiel folgt nach der Mittagspause. Ich denke, wir nennen ihn in Zukunft Toilettenmann.
Am Mittwoch habe ich das Vergnügen vier Automobilkaufmänner kennen zu lernen, die im Januar ihre Abschlussprüfung haben. Die gehen mir tierisch auf die Nerven. Voll die Spinner. Brüsten sich, was für tolle Autos sie fahren und wie geil sie sind und dass sie nach der Umschulung erstmal drei Monate nicht arbeiten wollen. Einer von ihnen nimmt deshalb angeblich einen Job nicht an. Muss sich erst ausruhen. Die haben echt voll den Kopfschuss. Da kriegt man direkt Lust denen in die Schnauze zu hauen.
Am Donnerstag plant unser Damenkränzchen eine Weihnachtsfeier für Freitag. Da freu ich mich so sehr drauf, dass ich der einzige bin, der sich bereit erklärt nichts mitzubringen. Als Begründung gebe ich an, dass ich keine Zeit habe extra für so einen Quatsch einkaufen zu gehen. Da sinkt mein Beliebtheitsgrad direkt. Darauf kann ich allerdings keine Rücksicht nehmen.
Am Freitag sitzen fast alle um den Frühstückstisch. Lediglich Lutz und ich nehmen nicht an dem Tisch Platz. Wir verbringen die Zeit am Fenster, unterhalten uns, machen blöde Witze und gehören einfach nicht dazu. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich uns für Arschlöcher halten. Nach einiger Zeit kommt Berta zu uns. Sie mag uns, soviel ist schon mal klar. Und wie fast jeden Tag sagt sie, dass ich sie zum Bahnhof fahren soll. Ich sage ihr, dass das nicht geht, da alle Frauen, die bei mir im Auto landen irgendwann mit mir knutschen wollen und ich noch nicht bereit bin mit ihr zu knutschen. Sie meint ich solle mich nicht so anstellen. Knutschen geht immer. Das hätte sie wohl gerne. Nicht mit mir.
Auf dem Weg zum Parkplatz unterhalten wir uns kurz mit Miss Nasenhaar. Ich kann echt nicht verstehen, dass eine Frau sich mit derart langen Nasenhaaren wohl fühlt. Irgendwie habe ich Angst, dass diese Haare nach mir schnappen. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Haare in ihrem Gesicht umherwehen, wenn es mal windig ist. Kein schöner Gedanke. Die Ferien werde ich brauchen, um mich von dem Schock zu erholen. Ich fürchte ich kann nie wieder Sex haben, weil sich der Anblick der wehenden Nasenhaare in mein Gehirn eingebrannt hat. Scheiße, ich bin verloren.
Volles Programm
Der Freitag beginnt beängstigend. Von drei zukünftigen Automobilkaufmännern bin nur ich anwesend. Ich kann nicht sagen, dass mich das begeistert. Und so, wie ich meine beiden Kollegen einschätze, werde ich noch oft der einzige Anwesende sein. Dummerweise habe ich schon nach wenigen Minuten das Gefühl in einer Rechenfabrik zu sein. Eine Aufgabe nach der anderen gilt es zu lösen. Ich bin die meiste Zeit völlig ratlos und auch ziemlich sauer, dass der Toilettenmann nicht da ist. Bei ihm hätte ich wenigstens abschreiben können. Nun sitze ich vor diesen blöden Aufgaben und weiß nix mit ihnen anzufangen. Und natürlich werde ich bei der Besprechung gefragt, ob ich auf die gleichen Ergebnisse gekommen bin. Bin ich natürlich nicht, nicht einmal annähernd. Und so wird mir zum x-ten Mal erklärt, wie es geht. Ich verstehe es trotzdem nicht.
"Und, Herr F., haben sie die zweite Aufgabe richtig gelöst?" - "Natürlich nicht." - "Wie? Natürlich nicht?" - "Weil ich die erste Aufgabe auch schon falsch hatte. Und wenn ich einmal was falsch mache, dann mache ich es immer falsch. Da bin ich konsequent. " - "Da sind sie konsequent? Das ist nicht gut." - "Ich weiß." - "Und wenn sie was richtig machen, sind sie dann auch konsequent und machen es dann immer richtig?" - "Natürlich." - "Dass ist nicht schlecht. Dann besteht noch Hoffnung." Zur Belohnung folgt der nächste Aufgabenzettel. Diesmal geht es darum Kalkulationsfaktoren, Umschlagshäufigkeit und andere Dinge auszurechnen. Da muss ich erneut passen. Und so sitze ich Ewigkeiten vor dem Aufgabezettel und bewege mich nicht. Der Unterricht macht heute richtig Spaß.
In der Pause sagt mir die Berta, dass ich doch nur eine Frau zum ficken suche und ich das den Frauen auch direkt sagen sollte, dann hätte ich mehr Erfolg. "Okay, Du hast recht. Willst Du mit mir ficken? " Damit hat sie nicht gerechnet. Einige Augenblicke ist sie vollkommen sprachlos, bis sie sagt, dass die Typen mit der größten Klappe eh nur heiße Luft produzieren. Ich antworte ihr, dass es jetzt zu spät ist und sie ihre Chance vertan hat. Ich bin echt froh, dass sie so reagiert hat. Denn was hätte ich getan, wenn sie Ja gesagt hätte?
Nach der Pause darf ich ein Annuitätendarlehen berechnen. Das ist das einzige, was ich an diesem Tag hinkriege. Wo bin ich hier nur hingeraten? Ich will nach Hause auf mein Sofa.
Schweinewoche
Montag. Ich sitze in der Schule und habe Rewe und Wiso. Das ist langweilig.
Dienstag. Zum ersten Mal gucke ich mir die Bauchtänzerin genauer an. Ihre Fratze und ihr verformter Körper sind definitiv kein schöner Anblick. Wenn sie redet und eine Schnute zieht könnte man völlig unmotiviert auf sie einschlagen. Bei ihr ist so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen kann. Und dumm ist sie obendrein. In der Mittagspause erfahre ich, dass mich meine Mitschülerinnen für zynisch halten. Versteh ich nicht. Später entdecke ich einige meiner Mitschüler/innen bei Studivz. Mir bleibt auch nichts erspart.
Mittwoch. Meine größte Sorge ist es, nicht im Unterricht einzuschlafen. Wo soll das nur enden?
Donnerstag. Ich erfahre, dass ich mein Referat über Autoglas am 22. Januar 2008 halten muss. Ist mir ziemlich egal.
In der Pause kommt Virus vorbei und gibt jedem zur Begrüßung die Hand. Ich sage ihm, dass ich niemandem die Hand gebe, weil ich nicht will, dass so irgendwelche Krankheiten auf mich übertragen werden. Er guckt mich ziemlich blöd an. Bestimmt mag er mich jetzt nicht mehr.
Freitag. Die Bauchtänzerin sagt dem alten Mann, dass er besser nicht mehr soviel Kontakt zu mir haben sollte, da er teilweise schon redet wie ich. Was bildet die sich eigentlich ein? Ab jetzt werde ich jede Gelegenheit nutzen sie bloßzustellen. Wie kann man nur so beschränkt sein sich mit mir anzulegen? Die nächsten Monate werden bestimmt kein Zuckerschlecken für sie.
Erstes Referat
22. Januar 2008. Seit Wochen habe ich mich auf diesen Moment gefreut. Endlich darf ich das erste Referat meines Lebens halten. Und es läuft in etwa so deprimierend, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Inhalt meines Referats ist gut, die Show die ich dazu liefere, alles andere als akzeptabel. So ist es nicht verwunderlich, dass ich am Ende des Tages die schlechteste Note in unserer kleinen Gruppe habe. Sicherlich ist eine 2- nicht wirklich schlecht, dennoch bin ich so unzufrieden, dass ich mein Referat direkt zerreiße und in den Papierkorb befördere. Ich glaube ich sollte noch mal darüber nachdenken, ob diese Umschulung das Richtige für mich ist. Ich habe da nämlich so meine Zweifel.
Da ich die Handynummern aller Mitschüler und Mitschülerinnen kenne, habe ich mir ein neues Spiel ausgedacht, welches ich immer dann spiele, wenn der Unterricht etwas langweilig ist oder ich etwas Abwechslung brauche. Ich rufe meine Mitschüler mit unterdrückter Nummer an. Da man im Unterricht nicht telefonieren darf, greifen diese unverzüglich nach ihrem Handy und machen sich auf den Weg vor die Tür. Sobald sie die Tür des Klassenzimmers öffnen lege ich natürlich auf. Ich finde es echt witzig, wenn einer nach dem anderen Richtung Ausgang eilt, um dann wenige Sekunden später zurückzukehren. Da ich in der letzten Reihe sitze, habe ich alles bestens im Blick und kann mein Spiel völlig ungestört spielen. Es macht echt Spaß und ich kann jedem nur empfehlen, das auch mal auszuprobieren.
Sekundenschlaf
Täglich fällt es mir schwerer im Unterricht nicht einzuschlafen. Heute ist es besonders anstrengend die Augen auf zu halten. Dennoch halte ich bis zur Mittagspause tapfer durch. Nach der Mittagspause steht VWL auf dem Programm. Kaum beginnt der Unterricht fallen mir die Augen für einen kurzen Augenblick zu. Zum Glück ist die vor mir sitzende Bröckelchen aufmerksam und schlägt regelmäßig auf meinen Tisch, um mich wach zu halten. Dummerweise wird sie aber irgendwann nachlässig und so kommt es, wie es kommen muss. Die Geräusche um mich herum werden immer leiser, entfernen sich mehr und mehr von mir und ich nicke ein. Irgendwann höre ich aus einiger Entfernung leise meinen Namen. Mit Mühe schaffe ich es meine Augen zu öffnen. Neben mir steht die Dozentin. Keine Ahnung, was sie zu mir oder über mich gesagt hat. Jedenfalls gucken einige meiner Mitschülerinnen und Mitschüler zu mir rüber. Wenn ich nicht so müde wäre, wäre mir das jetzt vermutlich peinlich, so aber ist es mir egal. Da ich nicht der einzige bin, der im Unterricht mal kurz das Bewusstsein verloren hat, ist es nichts Besonderes. So etwas kommt vor.
Verseuchte
Der Schule bleiben auch heute wieder einige Verseuchte fern. Ich finde es gut. Wenn es nach mir ginge würden die Verseuchten entweder in Einzelkabinen unterrichtet oder hätten so lange Hausverbot bis sie wieder gesund sind. Leider habe ich nicht zu sagen und so muss ich mir während des gesamten Unterrichtstages das Niesen, Husten und Nase putzen der Verseuchten anhören, die dummerweise nicht zu Hause geblieben sind. Das macht mich echt wütend. Die machen mich krank. Der Unterricht macht mich auch krank. Rechnungswesen ist Scheiße. Als ich nach drei Stunden eine weitere dieser beschissenen Aufgaben nicht lösen kann, reiße ich das Blatt aus meinem Ordner, zerknülle es und werfe es gegen die Wand. Für den Bruchteil einer Sekunde fühle ich mich besser.
In der Pause unterhalten wir uns über Fernsehserien und landen bei Dr. House. Sofort wird mir eine gewisse ähnlichkeit mit dem Typen angedichtet. Manche meinen diese ähnlichkeit sei optisch, andere meinen, dass die Ähnlichkeit in meinem Verhalten liegt. Ich finde, die sind alle voll bescheuert und wechsle das Thema.
Dr. House
In der Schule werde ich schnell wieder auf den Teppich zurück geworfen. Die Werner Lorant Kopie, einer unserer Dozenten, hat heute wieder wundervolle Aufgaben für uns. Wir sollen Bestandseingänge verbuchen, Wareneinsatz, Roherfolg und andere Dinge berechnen. Und immer wieder neue Buchungssätze. Ich verstehe nur Bahnhof. Zeit ein paar Minuten vor die Tür zu gehen, bevor ich jemandem den Ordner vor den Kopf werfe. Wo bin ich hier nur hingeraten?
In der Pause fangen meine Mitschüler wieder an sich über mich lustig zu machen. Dieser Dr. House Unsinn von gestern wird wiederholt. Ich weiß nicht, warum die das tun, aber scheinbar macht es ihnen einen Mordsspaß. Ich beachte sie einfach nicht, schon hört der Blödsinn auf.
Nach der Mittagspause sitze ich einfach nur da und starre meinen Aufgabenzettel an. Meine stumme Protestaktion scheint meinen Dozenten nicht zu beeindrucken. Er verteilt ständig neue Aufgaben. Was bildet der sich eigentlich ein? Zum Glück endet der Blödsinn irgendwann und ich kann endlich raus. Kaum bin ich in Freiheit lasse ich mein Auto waschen. Sofort fühle ich mich besser.
Erste Ehefrau weg
Lutz ist der erste, der während der Umschulung von seiner Frau verlassen wird. Eines Tages stellt sie ihn vor vollendete Tatsachen, packt die beiden Kinder ein und zieht aus. Sie hat einen Mann im Internet kennen gelernt und sich entscheiden, dass sie ihn ausprobieren möchte. Was für eine Schlampe.
Bröckelchen
Am Dienstag fragt Bröckelchen, sie hat den Namen deshalb, weil sie so aussieht als würde sie zerbröseln, was an ihrer Neurodermitis liegt, ob nicht jemand Lust hätte mit ihr ins Kino zu gehen. Ich sage, dass ich nur mitkomme, wenn sie mir während des Films zwischen die Beine fasst. Ich habe Glück, sie lehnt ab.
Am Valentinstag übergibt mir Bröckelchen eine frisch gedruckte Valentinskarte, die sie mit einem netten, handgeschriebenen Valentinsgruß extra für mich produziert hat. Ich bin irgendwie sprachlos, fast schon gerührt, als sie mir die Karte überreicht. Warum ist sie so nett zu mir?
Ebenfalls am Donnerstag fragt mich die Bauchtänzerin, ob ich schon einen Praktikumsplatz habe. Habe ich natürlich nicht. Und so fragt sie, ob ich bei Ford in Kamen arbeiten würde. Warum denn nicht? Ich habe bisher nichts Besseres vor. Und so teilt sie mir mit, dass sie dort jemanden kennt und mal nachfragen wird, ob ich dort mein Praktikum machen kann, wenn ich nichts dagegen habe. Warum sollte ich etwas dagegen haben? Umso bequemer es für mich ist, desto besser finde ich es. Ich bin gespannt, ob das am Ende wirklich so einfach ist. Ich warte einfach mal ab, was dabei heraus kommen wird.
Am Freitag haben wir EDV Unterricht. Anstatt Bewerbungen zu schreiben, sitze ich einfach so da und lasse die Zeit verstreichen. Ich habe es anscheinend nicht nötig mich um einen Praktikumsplatz zu bemühen. Zumindest rede ich mir das ein. Irgendwas wird schon passieren. Da bin ich mir sicher.
Der Ballon zerplatzt
Nach wochenlangen Fehlzeiten kehrt die dickste Frau unsere Klasse zurück. Sie ist immer noch genau so fett wie vorher. Ihre Rückkehr ist allerdings nur von kurzer Dauer. Eines Tages kommt sie nicht wieder und niemand hört danach wieder von ihr. Ich vermute, dass sie zerplatzt ist. Einfach so.
Manipulation
Als ich einem meiner Dozenten mitteile, dass ich am Freitag eine Entscheidung treffen muss, ob ich in der Telefonnotrufzentrale zur Probe arbeiten will oder nicht, teilt er mit, dass ich das mal schön sein lassen soll, da ich bestimmt nach der Umschulung einen bessren Job bekommen kann als den eines Telefonmannes, und dass ich eh nach zwei Wochen die Schnauze voll haben werde von dem schlecht bezahlten Job. So wirklich überzeugt mich das nicht. Ich sage ihm, dass ich nicht glaube, dass mich alten Sack überhaupt jemand einstellt nach meiner Umschulung. Er ist anderer Meinung und zu alt bin ich keinesfalls. Ich weiß ja nicht. Kann mir das ja noch mal durch den Kopf gehen lassen.
Am Dienstag schreiben wir die erste WISO Klausur. Als wenig später die Noten verteilt werden, glaube ich zunächst, dass es doch etwas gebracht hat, dass ich mir den Kram am Abend vorher eine Stunde lang angeguckt habe. Anders kann ich mir die 1 erst einmal nicht erklären.
Doch nach wenigen Minuten glaube ich, dass ich manipuliert werden soll. Die 1 habe ich bestimmt bekommen, weil man, warum auch immer, will, dass ich die Umschulung nicht abbreche, sondern bleibe. Deshalb wurde meine Note einfach nach oben korrigiert. Doch auf so etwas falle ich nicht rein. Das ist mir zu plump.
Später gratuliert mir Dozent Werner Lorant zu meiner 1. Spätestens jetzt weiß ich, dass ich manipuliert werden soll. Denn schließlich haben auch andere Leute eine 1 geschrieben, denen gratuliert Werner Lorant allerdings nicht. Das ist mehr als verdächtig. Ich bin kurz davor eine Manipulation aufzudecken.
Da die Bauchtänzerin mich aufgefordert hat ihr meine Bewerbungsunterlagen mitzubringen, schreibe ich am Nachmittag schnell eine Bewerbung, kopiere meine Zeugnisse und lege meine Bewerbungsmappe raus. Wenn sie sich für mich um einen Praktikumsplatz bemühen will, dann werde ich sie gewähren lassen.
Am nächsten Tag übergebe ich ihr meine Bewerbungsunterlagen mit der Bitte, dass sie die Unterlagen durchsieht und mir mitteilt, wenn sie irgendwelche Fehler entdeckt. Schließlich muss alles seine Ordnung haben.
Unser Toilettenmann, der sich sehr gut mit der Bauchtänzerin versteht, ist sich ganz sicher, dass ich die Praktikumsstelle schon in der Tasche habe. Keine Ahnung, wie er darauf kommt, aber mich wundert hier eh nichts mehr. Ich warte einfach ab, wie sich das Ganze entwickelt.
Nasenhaarkampf
Ihre Haare wehen drollig im Wind, wachsen rasend schnell nach und fallen sofort auf. Passend zu ihrer hellen Haut sind die Nasenhaare schön dunkel, so dass man sie einfach nicht ignorieren kann. Und so blickt man während eines Gesprächs mit Miss Nasenhaar zwangsläufig auf ihre Nasenhaarpracht.
Lange Zeit war Miss Nasenhaar die absolute Nummer 1, was die Nasenhaare anging. Doch nun hat sie ernsthafte Konkurrenz bekommen. Der Tänzer hat die Herausforderung angenommen und seine Nasenhaare dermaßen wachsen lassen, dass Miss Nasenhaar alt aussieht. Seine Nasenhaare sind um einiges länger und man hat fast das Gefühl, dass sie nach einem schnappen, wenn man mit dem Tänzer spricht. Da er diese Pracht nun schon länger mit sich herum trägt, kann man davon ausgehen, dass es kein Versehen ist und er sie mit voller Absicht hat wachsen lassen. Er will die Nummer Eins unter den Nasenhaarträgern sein. Und er ist die Nummer Eins. Miss Nasenhaar ist entthront. Besonders beängstigend sind die Nasenhaare der beiden bei diesen Windverhältnissen. Es ist furcht erregend, wie die Haare so fröhlich aus der Nase wehen und scheinbar nach allem greifen, was sich in der Nähe befindet. Ein unglaubliches, aber keineswegs ungefährliches Schauspiel, was sich einem täglich bietet. Ich bin gespannt, wie Miss Nasenhaar ihre Niederlage verkraftet und ob sich noch jemand findet, der den Kampf um den Nasenhaarmeistertitel aufnimmt. Es bleibt spannend und ich bleibe Hautnah, nein, Nasenhaarnah dran….
Belangloses
Der Toilettenmann wird von vielen nur noch Der Türke genannt. Außerdem ist sein Beliebtheitsgrad bei den Frauen arg zurück gegangen. Viele der Frauen finden ihn zu selbstverliebt und mögen sein, wie sie es nennen, überhebliches Verhalten nicht. Was sie ihm ganz übel nehmen ist die Tatsache, dass er angeblich mit einer Mitschülerin ins Bett wollte, obwohl er verheiratet ist und ein Kind hat. Da ist man ganz schnell durch bei den Damen. Mir kann das nur Recht sein, ein Konkurrent weniger. Die Bauchtänzerin nennt mich mittlerweile Herzensbrecher und zwickt mir in der Mittagspause in den Bauch. Langsam mache ich mir Sorgen. Irgendwie unheimlich.
Da wir nur drei Automobilkaufmänner sind haben wir oftmals nur zu dritt Unterricht. Das hat manchen Vorteil, aber auch Nachteile. Blöd ist es meist, wenn man ganz alleine Unterricht hat, weil die anderen nicht da sind. Heute habe ich erneut dieses Vergnügen. Um exakt 11.12 Uhr verlassen meine beiden Kollegenden den Unterricht, weil sie angeblich wichtige Termine haben. Ich will gerade anfangen zu weinen, als mir der Dozent mitteilt, dass wir die Zeit nutzen werden, um I am Legend zu gucken. Das gefällt mir. Und so habe ich das Vergnügen einen Film zu gucken, anstatt irgendwelche Fachfragen beantworten zu müssen. Manchmal ist es doch nicht so schlimm, wenn man Einzelunterricht hat.
LEIBNIZ Erdnuss Spaß
Seit einiger Zeit sage ich Frau Klein, dass sie mir LEIBNIZ Kekse mitbringen soll. Natürlich macht sie das nicht.
Seit letzter Woche verlange ich von Bröckelchen ebenfalls, dass sie mir Kekse mitbringt. Heute kommt sie mit einer Tüte zu mir, stell diese auf meinen Tisch und sagt "Hier für Dich." In der Tüte befindet sich eine Packung LEIBNIZ Erdnuss Spaß. Auf die Frage womit ich das verdient habe sagt sie, dass ich seit längerem von Frau Klein Kekse verlange, diese aber keine mitbringt, weshalb sie mir nun welche mitgebracht hat. Ich bin entzückt, was Frauen alles für mich tun. Es scheint so als wäre ich ein beliebter Typ. Mal schauen, was ich noch alles verlangen kann.
Klassenausflug
An unserem ersten Klassenausflug nehmen lediglich Esmiralda, Frau Klein, der Schläfer, der alte Mann, Lutz und ich teil. Alle anderen sind behindert oder zumindest verhindert. Vielleicht haben sie auch einfach keine Lust. Wir treffen uns im Alex und gehen dann in die Live Station. Außer uns sind dort lediglich zwei fette Frauen. Wir sind ziemlich lange ziemlich alleine in der Live Station. Nur sehr langsam füllt sich der Laden. Allerdings wird es niemals wirklich voll. Merkwürdig, aber nicht zu ändern.
Wenn man bedenkt, dass Lutz und ich in der ersten Zeit der Umschulung mit niemandem aus unserer Klasse sprachen und auch mit niemandem etwas zu tun haben wollten, dann ist es fast schon ein Wunder, dass wir heute hier einen netten Abend verbringen. Der Schläfer, der alte Mann und Esmiralda trinken sehr schnell. Der Schläfer ist bereits nach kurzer Zeit so betrunken, dass er beschließt, den Abend vorzeitig zu beenden. Zum Abschied umarmt er die beiden Russinnen. Alkohol macht scheinbar locker. Zum Glück umarmt er mich nicht. Der alte Mann läuft zur Höchstform auf. Er gröhlt, tanzt und irgendwann gräbt er Esmiralda an. Sie findet das weniger gut. Vor allem, weil er ja heute bei ihr übernachten wird. Sie macht sich Sorgen, weil sie keine Schlüssel hat, um den alten Mann in irgendeinem Zimmer einzusperren. Fast könnte man Mitleid mit ihr haben, aber nur fast. Da muss sie jetzt durch. Der alte Mann ist in seinem Verhalten etwas penetrant und plump. Ich finde seinen Auftritt und seine Baggerversuche ziemlich ekelerregend. Esmiralda scheinbar auch.
Lutz hat genug gesehen und verabschiedet sich. Der alte Mann greift nun richtig an und tatscht Esmiralda und sogar Frau Klein an. Kein schöner Auftritt. Es ist unglaublich, wie erbärmlich manche Männer beim anbaggern sind. Als ihm Esmiralda, nachdem er sie mal wieder antatscht, sagt, dass sie das nicht mag, sagt er nur "Ach komm! Ein bisschen magst Du das schon." Das ist nicht wirklich witzig, da er sich in einem desolat verzweifeltem Zustand befindet. Frau Klein lacht sich kaputt, ohne wirklich kaputt zu gehen.
Wenig später beenden wir den Abend. Auf dem Weg zum Taxi baggert der alte Mann weiter. Er muss sehr verzweifelt und frustriert sein, so eine Show abzuliefern. Alkohol als Entschuldigung lasse ich in so einem Fall nicht gelten. Andererseits kann jeder sich mal daneben benehmen und man sollte die Aktion auch nicht überbewerten, sondern ihm zugestehen, dass er ansonsten ein echt feiner Kerl ist und heute einfach mal die Gäule mit ihm durchgehen. Die drei verabschieden sich Richtung Taxistand. Ich steige in meinem Wagen, gönne mir eine Banane und bin froh, dass ich kein alter Mann bin.
Ich bin sehr gespannt, wie die der alte Mann und Esmiralda die Nacht verbracht haben und freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Klassenausflug.
Irgendwie beängstigend
Der Tänzer liebt scheinbar Trainingshosen. Das ist nicht wirklich schlimm. Doch seine Leidenschaft geht etwas zu weit, denn er trägt diese Trainingshosen auch im Unterricht. Dies finde ich schon ein wenig beängstigend. Sicherlich ist so eine Trainingshose etwas bequemes, dennoch finde ich, dass man sie nur beim Sport oder zu Hause vor dem Fernseher tragen sollte. Schulbesuche in Trainingshosen sollten grundsätzlich tabu sein oder gar gesetzlich verboten werden.
Doch seine Trainingshosenleidenschaft ist nicht alles. Seit es etwas wärmer ist trägt er zu den dunkelblauen Trainingshosen unschöne, dunkelblaue Badelatschen von Adidas und absolut unpassend dazu graue Sportsocken. Wirklich kein schöner Anblick. Und weil es so verdammt gemütlich ist, werden die Badelatschen während des Unterrichts selbstverständlich ausgezogen. Das reine Wohlfühlprogramm für gestresste Umschülerfüße. Allerdings bin ich der Meinung, dass so ein Wohlfühlprogramm in der Schule völlig unangebracht ist und plädiere daher für eine Kleiderordnung, die derartige Modesünden verbietet.
Ein wenig beängstigend finde ich das Verhalten von Berta. Irgendwann habe ich ihr mal gesagt, dass mein Arsch sich ganz toll anfühlt. Seitdem will sie ihn unbedingt anfassen. Als wir heute im Treppenhaus unterwegs sind, sage ich ihr erneut, dass sich mein Hintern toll anfühlt. Daraufhin beschwert sie sich abermals, dass sie ihn nie anfassen darf. Da sie mir ein wenig Leid tut, erlaubte ich ihr, einmal kurz anzufassen. Ich denke damit habe ich sie sehr glücklich gemacht und meine gute Tat des Tages vollbracht. Mindestens genauso beängstigend finde ich Bröckelchens Vorliebe für meinen Bauch. Vor ein paar Tagen hatte sie die Idee mir in den Bauch zu pieksen. Scheinbar hat ihr das so gut gefallen, dass sie danach ausgiebig meinen Bauch ertasten musste. Seitdem scheint sie ganz vernarrt in meinen Bauch. So wollte sie doch tatsächlich letzte Woche mein T-Shirt anheben, um meinen Bauch optisch zu begutachten. Diese Aktion musste ich ihr natürlich verbieten. Weil sie das sehr traurig gemacht hat, ließ ich sie wenigstens nochmal anfassen. Selten habe ich eine kleine, dicke Frau so begeistert gesehen. So viel Spaß hat sie sonst vermutlich nur im Zoo, wenn sie die Affen beobachtet. Vielleicht sollte ich in Zukunft Geld oder andere Sachleistungen für das Berühren diverser Körperteile von mir verlangen. Oder ich kaufe mir ein paar Badelatschen, schlüpfe in meine Trainingshose und fühle mich einfach gut.
Zwischenprüfung
Montag. Noch zwei Tage bis zur Zwischenprüfung. Zeit ein wenig zu lernen. Ich nehme mir den Fachkundeordner und schaue mir einige Aufgaben an, die eventuell in der Prüfung vorkommen. Nach etwa zwanzig Minuten stelle ich fest, dass es eine Menge zu lernen gibt, was mich irgendwie deprimiert und müde macht. Gut, dass gerade jetzt das Telefon klingelt. Telefonieren ist besser als lernen. Morgen lerne ich weiter.
Dienstag. Heute will ich ausgiebig lernen. Ich nehme erneut den Fachkundeordner und schaue, was es zu lernen gibt. Nach etwa fünfzehn Minuten geht mir Fachkunde auf die Nerven. Ich bin einfach nicht der Typ, der sich zu Hause hinsetzt und lernt. Bisher ging es doch auch immer ohne derartige Lernattacken. Ich tausche den Fachkundeordner gegen den BWL Ordner und blättere lustlos durch die Seiten. Nach etwa zweieinhalb Minuten beschließe ich, dass ich mich nun um VWL kümmere. Ganze drei Minuten starre ich auf ein Diagramm und entscheide mich dann spontan dazu, mir Millers Crossing anzugucken. Filme gucken macht eindeutig mehr Spaß als lernen.
Mittwoch. Die Zwischenprüfung beginnt mit Fachkunde. Wir haben neunzig Minuten Zeit. Ich bin sehr erfreut, dass von den wenigen Dingen, die ich gelernt habe, so gut wie gar nichts vorkommt. Die Zeit hätte ich mir sparen können. Nach fünfzig Minuten bin ich fertig mit dem Kram. Herrlich, wie entspannt so eine Zwischenprüfung sein kann. Es folgt Rechnungswesen. Ein paar Rechnungen, ein paar Kreuze. Ich habe das Gefühl, ich gehöre zu einer Tippgemeinschaft. Obwohl ich nicht wirklich weiß, was ich tue, bin ich weiterhin entspannt. Zum Abschluss folgt der BWL und VWL Teil. Die Aufsichtsperson ist unaufmerksam und so können der Gigant und ich perfekt zusammen arbeiten. Ein paar Kreuze hier, ein paar Zahlen dort. Fertig ist auch der Kram.
Sollte ich die Zwischenprüfung bestanden haben, kann ich in Zukunft auf unkontrollierte Lernattacken verzichten. Ich bin sehr zufrieden mit mir.
Zweiter Klassenausflug
Nach zwei Monaten Praktikum ist es Zeit für einen zweiten Klassenausflug. Verabredeter Treffpunkt ist, wie schon beim ersten Mal, das Alex. Als ich dort niemanden antreffe gehe ich ins Maximilian. Da Loerz Hund Pluto auch gerade dort ist, setze ich mich mit ihm an einen Tisch. Anstelle meiner Mitschüler sitzt nun Pluto mit mir hier. Sehr interessante Entwicklung. Nach etwa fünfzehn Minuten erscheint der Schläfer. Nun wird es vielleicht doch noch ein richtiger Klassenausflug.
Fast eine Stunde später gesellen sich Bröckelchen, Miss Nasenhaar und Ace, milde Bleiche, zu uns. Bis auf den Schläfer regen sich alle über ihr Praktikum auf. Mich langweilen diese Praktikumsgeschichten, weshalb ich einfach nicht zuhöre und mir die Leute, die um uns herum sitzen, angucke. Nach einer Weile kommt der Tänzer auf eine Apfelschorle vorbei. Er ist überrascht wie wenig Leute zu unserem Klassenausflug erschienen sind und hält es etwa eine halbe Stunde bei uns aus bevor er sich wieder auf den Weg macht. Ich verschwinde ebenfalls. Allerdings nur vorübergehend. Ich gehe rüber zu Agnes und ihrer unglaublich dicken Freundin und plaudere einen Moment mit ihr. Danach drehe ich eine kurze Runde mit Pluto um den Block und bringe ihn anschließend nach Hause.
Nach einiger Zeit sitze ich wieder bei meinen Mitschülern. Ich mache ein paar Witze über Bröckelchen und wir amüsieren uns erstaunlich gut. Zumindest bis der Loerz sich an unseren Tisch setzt. Seine Anwesenheit kommt bei Ace und Bröckelchen nicht gut an, was allerdings kein Wunder ist, da er sie provoziert und beleidigt. Keine Ahnung warum er dieses unangebrachte Verhalten an den Tag legt. Vielleicht muss ich demnächst mal ein ernstes Wort mit ihm reden, da solche Aktionen doch etwas daneben sind. Bis 02.30 Uhr dauert unser Klassenausflug. Ob es der letzte Ausflug war oder ob weitere Folgen, wird ich zeigen. Ich bin gespannt.
Plötzlich unbeliebt
Ich habe die Angewohnheit hin und wieder in einem Internettagebuch Texte zu veröffentlichen. Ich schreibe über Dinge, die ich erlebt habe und über Leute, die meiner Meinung nach einen Bericht über sich im Internet verdient haben. Natürlich schreibe ich auch über meine Umschulung und einige meiner Mitschüler und Mitschülerinnen. Selbstverständlich ist es nicht meine Art Positives zu berichten, sondern über Missgeschicke oder andere Dinge, die einen gewissen Unterhaltungswert haben. Dabei bin ich bekanntermaßen nicht immer sehr nett und vielleicht können sich die Leute, über die ich schreibe, ein wenig verarscht dabei vorkommen. Und so kommt es, wie es kommen muss. In der Firma, in der Berta ihr Praktikum absolviert, dienen meine Berichte als Pausenunterhaltung. Irgendwann fragt sich Berta, warum ihre Kollegen immer so einen Spaß haben und möchte wissen, worüber sie lachen. Beim lesen stellt sie dann rasch fest, dass ich unter anderem über sie und meine Umschulung schreibe. Da sie dabei in ihren Augen nicht so gut weg kommt, ist sie natürlich entsetzt und informiert sofort einige Mitschüler über meine Berichte. Außerdem schreibt sie mir, dass ich ein Arsch bin und meine Mitschüler und Mitschülerinnen längst über meine netten Berichte informiert sind. Meinen Hinweis, dass sie sich nicht so aufregen soll, da meine Texte der Unterhaltung dienen und ich später Schriftsteller werden will, beantwortet sie nicht. Dennoch glaube ich, dass sie meine Texte nicht nur ausgedruckt hat, um sie den anderen Schülern zu zeigen, sondern auch, weil sie von meinen Texten angetan ist, was sie aber niemals zugeben wird.
Zum ersten Schultag bringt sie meine ausgedruckten Notizen mit und präsentiert sie den Mitschülern, die noch nicht informiert waren. Es scheint sie glücklich zu machen. So glücklich und aktiv war sie vor dem Praktikum nie. Bei einigen Mitschülern kommen meine Notizen überraschenderweise weniger gut an. Der alte Mann beachtet mich ebenso kaum noch, wie Virus und die meisten Mitschülerinnen. Das heißt, mit einer Ausnahme, denn Bröckelchen redet auch weiterhin mit mir. Einige Frauen versuchen sie dazu zu bringen nicht mehr mit mir zu reden und beschimpfen sie. Was für erbärmliche Kreaturen sich hier doch tummeln. Aber ich will mich nicht beklagen, denn Berta scheint glücklicher als je zuvor und das ist etwas, was sie nur mir zu verdanken hat. Darauf kann ich stolz sein.
Zweite Ehefrau weg
Es gibt noch eine weitere interessante Neuigkeit. Die Frau des Hackers hat sich aus dem Staub gemacht. Sie hat einen Mann im Internet kennen gelernt und entschieden, dass sie ihn ausprobieren möchte. Und so zog sie mit Sack und Pack in den Osten Deutschlands. Frauen sind echt bescheuert.
Unterricht
Der Fachkundeunterricht ist weiterhin hervorragend. Wir gucken irgendwelche Dokumentationen oder die Ludolfs. Wenn wir besonders fachlich arbeiten, stellen wir uns irgendwelche Fahrzeuge auf den Seiten der Automobilhersteller zusammen und gucken uns an, was so ein Auto kostet und wie teuer es ist, das Fahrzeug zu leasen. Und wie immer frage ich mich, ob ich im falschen Film bin. Meine Motivation, sollte ich je welche gehabt haben, ist vollkommen verschwunden. Und so bleibe ich in den beiden Wochen vor den Weihnachtsferien gleich zwei Mal zu Hause. Einmal gebe ich Kopfschmerzen als Grund an, beim zweiten Mal einen Werkstattbesuch.
Während der Weihnachtsferien bleibt meine Motivation weiterhin verschwunden. Als am 05.01. morgens alles zugeschneit ist, ist klar, dass ich nun zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit nicht am Unterricht teilnehme. Als Grund gebe ich an, dass ich eingeschneit bin.
Am zweiten Unterrichtstag des Jahres 2009 schaffe ich es trotz glatter Straßen und einigermaßen abgefahrener Sommerreifen, doch zur Schule. Da mein Auto mit den Sommerreifen nicht auf den normalen Parkplatz kommt, parke ich weit entfernt. Nichts ist erfrischender als ein morgendlicher Fußmarsch bei etwa -10 Grad. Auf meinem Marsch zur Schule treffe ich auf Esmiralda. Sie grüßt mich und redet mit mir. Erstaunlich. Vielleicht bin ich doch nicht so ein Arschloch. Der Unterricht ist genauso prickelnd, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Unser neuer Dozent scheint auch nur zufällig für uns zuständig zu sein. Jedenfalls ist Fachkunde für Automobilkaufmänner wohl ein recht neues Fach für ihn. Und so unterhalten wir uns ein wenig und gucken zum Abschluss ein Automagazin von 2007. Warum bin ich nur aufgestanden und habe die Strapazen der Anreise auf mich genommen? Fernsehen hätte ich auch zu Hause können. Der anschließende WISO-Unterricht ist okay. Allerdings hätte es mich auch nicht zurückgeworfen, wenn ich nicht anwesend gewesen wäre.
Als ich am 07. Januar losfahre schneit es leicht. Der Mann im Radio sagt, dass der Schnee liegen bleibt. Das ist zu viel für mich und so kehre ich um. Somit ist heute mein vierter freier Tag nach dem Praktikum. Kaum bin ich zu Hause schneit es nicht mehr. Um 08.00 Uhr sagt der Mann im Radio, dass es bedeckt bleibt, aber nicht schneien wird. Wetterberichte sind echt für´n Arsch.
Note
Als ich in einem Leistungstest eine glatte 5 produziere, werde ich darauf hingewiesen, dass ich so die Prüfung nicht schaffe und gefragt, wieso der Aufwärtstrend der letzten Wochen vor dem Praktikum so abrupt gestoppt wurde. Ich sage, dass dieser Aufwärtstrend nur Glück war, was Werner Lorant als Schwachsinn bezeichnet. Die Frage, ob ich schon zu einem Gespräch mit den zuständigen Damen aus dem Büro gerufen wurde, um über meine miese Leistung zu sprechen, verneine ich und weise darauf hin, dass solche Gespräche nichts bringen und ich darauf verzichten kann. Als ob sich die Note ändert, wenn man darüber spricht.
Januar 2009
Es ist Ende Januar. Einige meiner Mitschülerinnen und Virus ignorieren mich auch weiterhin recht gut. Ich finde es erstaunlich, dass Berta und Frau Klein sich so oft unterhalten. Ob sie sich gegenseitig darüber hinwegtrösten, dass sie mich nicht mehr haben? Der alte Mann, der in meinen Berichten nicht gerade gut davon gekommen ist, grüßt mich und manchmal redet er sogar mit mir. Bei ihm könnte ich verstehen, wenn er nicht mit mir reden würde. Er ist einfach zu nett für diese Welt.
Meine Bilanz für den Januar ist durchwachsen. Die spießigen Frauen reden nicht mehr mit mir und ich habe zwei Fünfen und eine Zwei geschrieben. Ein wenig gelungener Jahresauftakt. Lutz war in diesem Jahr noch gar nicht in der Schule. Erst war er im Krankenhaus, dann haben wir nichts mehr von ihm gehört. Ich vermute, dass er nicht wieder kommen wird. Schade.
Auch die Bachtänzerin, die in der Zwischenzeit Schwanger geworden ist, lässt sich nur äußerst selten in der Schule blicken. Ich denke auch sie wird uns bald für immer verlassen. Das ist mir und den meisten anderen ziemlich egal, da sie alles andere als beliebt ist. Manche nennen sie sogar Hackfresse. Ich bin entsetzt. Wie können die nur so gemein sein?
Februar 2009
Vier Frauen, die Bauchtänzerin, Miss Nasenhaar, Ace, milde Bleiche und Berta, beachten mich weiterhin nicht.
Manchmal versuchen die Damen Witze über mich zu machen. Aber die Witze und Kommentare sind weder wirklich gemein noch in irgendeiner Weise witzig. Es kann halt nicht jeder so witzig sein wie ich. Schade.
März 2009
Im März geht alles seinen gewohnten Gang. Die Luft scheint raus zu sein. Unangekündigte Leistungstests werden geschrieben und einige der Mitschüler schreiben plötzlich schlechte Noten. Ich mag unangekündigte Leistungstests. Meine Noten bleiben unverändert durchschnittlich.
Bevor der Tod durch Langeweile eintreten kann, erhalte ich ein Einschreiben mit Rückschein von meiner Umschulungsstätte. Der Inhalt ist entzückend. Es geht um die von mir auf meiner Webseite veröffentlichten Texte. Ich werde aufgefordert meine Einstellung unverzüglich zu ändern oder die Maßnahme sofort zu beenden. Desweiteren werde ich aufgefordert meine bisherigen Veröffentlichungen unwiderruflich zu löschen. Ich bin erstaunt. Es ist nämlich fast fünf Monate her, dass ich die meisten dieser Texte gelöscht habe. Die Versehentlich nicht gelöschten Texte entferne ich unverzüglich und frage mich, ob dieser Brief sich tatsächlich auf meine aktuelle Webseite bezieht oder ob man auf die Texte, die Berta ausgedruckt hat, erst jetzt reagiert. Sofort erstelle ich ein Antwortschreiben, um herauszufinden, was genau die Leute von mir wollen.
Am nächsten Tag kommt Schwester Oberin in den Klassenraum und sagt, "Hier, Herr DrSchwein, haben sie etwas zu lesen." Sie knallt mir einen Stapel Zettel auf den Tisch und verschwindet. Sie hat mir einige Texte ausgedruckt, die noch entfernt werden müssen. Sie alle stammen aus dem Jahr 2007. Die habe ich wohl übersehen. Am Abend entferne ich alle meine Beiträge aus dem Internet und hoffe nie wieder von Schwester Oberin belästigt zu werden.
Der März bietet wenige Tage später einen weiteren Höhepunkt. Die neue Englischdozentin, bei der so einiges schief gelaufen zu sein scheint. Sie kommt schon völlig verstört in den Unterricht und scheint nicht wirklich zu wissen, wo sie hier ist. Sie setzt sich, steht sofort wieder auf, geht zum Fenster und guckt ziemlich unsicher, fast schon irre, durchs spärlich besetzte Klassenzimmer. Sie setzt sich erneut auf ihren Stuhl, guckt an die Wand und fängt an zu lachen. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, ob sie dem Ganzen hier gewachsen ist. Ehrlich gesagt glaube ich sogar, dass sie vollkommen ungeeignet für eine Dozententätigkeit ist.
Nachdem sage und schreibe neun Teilnehmer anwesend sind, verteilt sie einen englischen Text über Incoterms und bittet uns nun, diesen vorzulesen. Als ich an der Reihe bin, soll ich eine Tabelle vorlesen. In der Tabelle steht ganz oft "Yes" und "No". Ich frage sie, ob das ihr ernst ist. "Ja." - "Ich soll also diese Tabelle vorlesen?" - "Ja." - "Das ist Schwachsinn. Soll ich jetzt nur Yes, Yes; Yes, No, vorlesen?" - "Ja." - "Das macht doch keinen Sinn. Ich weiß doch nicht einmal, worum es geht." - "Dann liest halt ein anderer." Der andere soll der Gigant sein. Doch auch er scheint keine Lust zu haben. "Ich kann das nicht lesen. Ich bin zu dumm dafür. Ich kann kein Englisch." - "Wieso können sie kein Englisch?" - "Ich kann nur russisch und deutsch. Ich hatte in der Schule kein Englisch." - "Wo waren sie denn in der Schule?" - "In Polen." - "Deutsch können sie gut." - "Ich weiß. Aber ich bin zu dumm für das alles hier. Ich weiß auch nicht, wie ich die Prüfung schaffen soll." Ich kann es kaum glauben, aber die Dozentin nimmt ihm all den Blödsinn ab, den er ihr auftischt. Sie liest nun selber einen Teil der Tabelle vor. Dann sieht sie spontan ein, dass man Tabellen besser nicht vorliest und bittet jemand anderen den Text weiter zu lesen. DG hat jetzt die Schnauze voll. Er geht zu Schwester Oberin und teilt ihr mit, wie sinnlos die Dozentin ist. Schwester Oberin sagt, dass DG und ich uns in eine andere Klasse setzen und einfach dort am Unterricht teilnehmen sollen. Alles ist besser als die kranke Dozentin weiter zu bewundern. Wir machen uns auf den Weg. Die Dozentin scheint das alles zu verwirren, doch helfen kann ihr niemand. Sie wird heute ihren letzten Tag hier verbringen, dann ist sie raus.
Einen Tag nachdem die verrückte Dozentin sich für immer verabschiedet hat, machen wir eine Prüfungssimulation. Irgendwie geht das allerdings schief. Einige fehlen, wieder andere kommen zu spät und der Albaner muss geweckt werden, weil er einschläft und sein Schnarchen die Konzentration der Mitschüler stört.
Noch vor 11.00 Uhr bin ich als erster fertig. Gegen 11.30 Uhr sind viele fertig. Schwester Oberin scheint verwirrt. Einigen sagt sie, dass sie nach Hause dürfen, anderen, dass gleich Werner Lorant das Training übernimmt. Es ist fast 12.00 Uhr als sich der Großteil der Umschüler verabschiedet. Ein weiterer sinnloser Schultag ist zu Ende.
April 2009
Unsere EDV Dozentin verstehe ich auch manchmal nicht. Auf der einen Seite kennt sie sich super mit Computern aus, auf der anderen Seite schwärmt sie uns von einem vollkommen sinnlosen Lehr- bzw. Anleitungsfilm für Access vor. Dieser soll uns helfen Datenbanken zu verstehen und uns einen Einstieg in dieses, meiner Meinung nach etwas zu komplexe, Thema bieten. Sie meint, dass es uns nützlich sein wird, wenn wir uns damit auskennen und es bei Vorstellungsgesprächen erwähnen. Ich bin skeptisch. Und als ich den komischen Film gesehen habe, weiß ich warum. Es wird nämlich lediglich gezeigt, wie man eine Datei öffnet oder was man tun muss, um eine erstellte Datei zu speichern. Wissen für absolute Anfänger. Was man mit Access wirklich machen kann bzw. wozu es gut ist und wie man es wirklich anwendet wird in diesem Film nicht gezeigt. Herrliche Zeitverschwendung.
Wenig später wird unsere Dozentin noch alberner. Als Bröckelchen im Internet nach meinen alten Texten sucht und sie das mitbekommt wird sie böse. "Wenn Sie diese Seite öffnen, fliegen sie raus. Alle beide. Ich schließe Sie sofort vom Unterricht aus, wenn die Seite geöffnet wird." Ausnahmsweise sage ich nichts dazu. Ich lache sie nicht einmal aus, denn mir anzudrohen, mich rauszuschmeißen, weil Bröckelchen etwas im Internet sucht, finde ich mehr als albern. Geradezu lächerlich. Doch ich schweige. Bröckelchen hat leider auch eine ganz falsche Seite geöffnet, so dass uns der Rauswurf erspart bleibt. Manchmal glaube ich, dass ich hier in einem Kindergarten mit lauter Schwachsinnigen bin. Von der EDV Dozentin allerdings hätte ich ein derart albernes Auftreten nicht erwartet. So kann man sich irren.
Mittlerweile redet Frau Klein wieder mit mir. Sie bringt mir sogar ein Eis von der Tankstelle mit, als ich sie dazu auffordere. Ich bin irgendwie überrascht. Andererseits habe ich ihr ja auch nichts getan und bin ein unwiderstehlicher Typ.
Als wir uns mit Werner Lorant über unsere bevorstehende Prüfung unterhalten sage ich ihm, dass ich vermutlich durchfallen muss, da der Arbeitsmarkt derzeit eher wenig Stellen hergibt und ich so wenigstens für weitere sechs Monate eine Aufgabe habe. "Sie werden hier keine weiteren sechs Monate verbringen." - "Wieso nicht. Mein Arbeitsvermittler hat sicher nichts dagegen." -"Der nicht, wir schon." - "Verstehe ich nicht. Ich bin doch voll der Sympathieträger und alle mögen mich." Werner Lorant scheint amüsiert. Ich bin auch entzückt, denn irgendwie scheinen die Leute, die hier etwas zu sagen zu haben unter Paranoia zu leiden. Jeder Vollpfosten darf seine Umschulung hier fortsetzen, nachdem er die Prüfung nicht geschafft hat. Ich muss ein unfassbar furchtbarer Mensch sein, dass ich ausgeschlossen werden soll. Vielleicht sollte ich das Unternehmen hier wegen Unmenschlichkeit verklagen. Die Trampeln auf meinen Gefühlen rum. Ich bin zu sensibel, mir weiterhin solche Grausamkeiten anzutun. Ich werde die wohl alle verklagen müssen. Gemeines Volk.
Mai 2009
Weitere Tage vergehen. Schwester Oberin grüßt mich nicht einmal mehr, sondern geht einfach so an mir vorbei. Die EDV Dozentin tut es ihr nach. Als ob mir das etwas ausmacht, wenn Kleingeister nicht grüßen. Zu borniert für diese Welt, würde ich mal sagen.
Nur noch wenige Tage bis zur Prüfung. Bei einigen sehe ich echt schwarz. Bei mir kann ich nicht schwarz sehen, da ich bisher nicht der Typ war, der bei Prüfungen durchgefallen ist. Warum sollte sich das gerade jetzt ändern?
Der letzte Schultag vor der Prüfung. DG verzichtet auf das Vergnügen und bleibt zu Hause, um zu lernen. Der Türke und ich sind somit alleine. Kurz vor Schluss kommt Schwester Oberin herein und fragt uns etwas. Ich antworte, doch sie beachtet mich nicht. Sie guckt nicht einmal zu mir herüber, sondern klärt alles mit dem Türken. Ich bin Luft für sie. Wie kann eine erwachsene Person nur so beschränkt sein? Mir ist das egal, da ich sowieso noch nie Interesse an einer gepflegten Konversation mit Schwester Oberin hatte. Ich finde sie trotz ihres fortgeschrittenen Alters ziemlich kindisch.
Die schriftliche Prüfung
Wie zu erwarten habe ich nicht gelernt und als ich den ersten Bogen öffne und die ersten Fragen lese, frage ich mich, ob ich nicht doch besser gelernt hätte. Eine Stunde gebe ich alles und am Ende liege ich nach meinen Berechnungen bei etwa 60%. Das könnte knapp werden. Doch wie immer habe ich Glück. Wir sitzen alle so dicht zusammen, dass wir abschreiben können, teilweise können wir sogar Fragen besprechen. Es ist eine Art Gruppenarbeit, die uns letztlich locker durch den ersten Teil der Prüfung bringt.
Den zweiten und dritten Teil erledigen wir ebenfalls gemeinsam und so dürfte dem Bestehen der schriftlichen Prüfung nichts mehr im Wege stehen. Alles andere wäre auch nicht vertretbar.
Kurz vor dem Ende
Nur noch wenige Tage bis zum Ende der Umschulung. Nur noch wenige Tage bis zur Arbeitslosigkeit. Die schriftliche Prüfung bestanden. Jetzt nur noch eine Woche bis zur mündlichen Prüfung. Dann ist Schluss und keiner aus meiner Klasse muss mich wiedersehen.
Juni 2009
Mündliche Abschlussprüfung
Obwohl die mündliche Abschlussprüfung erst um 13.00 Uhr beginnt und wir uns um 12.00 Uhr treffen wollen, bin ich schon um 06.00 Uhr wach. Vermutlich bin ich etwas nervös und kann deshalb nicht schlafen.
Um 08.30 Uhr sauge ich die Wohnung, um mich abzulenken. Ich putze Staub, gucke aus dem Fenster, doch entspannen kann mich das alles nicht. Ich hasse mündliche Prüfungen. Ich bin so verwirrt, dass ich ein Glas Milch trinke.
Als es langsam Zeit wird zu gehen bin ich weiterhin konfus. Ich vergesse zunächst das Hemd anzuziehen und will im T-Shirt los. Dann ziehe ich fast die vergammelten Schuhe an und als ich gerade los will ruft DG mich an, um zu fragen, ob ich an das Berichtsheft gedacht habe. Habe ich natürlich nicht und so bin ich für den Anruf so dankbar, dass ich das Handy direkt auf der Toilette vergesse als ich mich auf den Weg mache.
Als ich meine zwei Prüfungsaufgaben vorgelegt bekomme, kann ich mich nicht entscheiden, welche ich nehmen will. Ich entscheide mich für Aufgabe B und wundere mich, dass ich die Fragen so schnell beantworten kann. Ich überlege, ob Aufgabe A nicht vielleicht doch besser wäre. Doch bevor ich mich entscheiden kann werde ich aus dem Vorbereitungsraum abgeholt. Sieht so aus als würde ich Aufgabe B vortragen müssen.
Vor dem Prüfungsausschuss komme ich mir vor wie ein Kandidat von Der große Preis. Ich glaube in einer Glaskuppel zu sitzen und die Fragen möglichst schnell beantworten zu müssen, um den großen Preis zu gewinnen.
Ich lese die Fragen vor, beantworte sie unverzüglich mit wenigen Worten und schon bin ich fertig. Zur Belohnung bekomme ich drei Zusatzfragen gestellt. Diese werden nicht wirklich ausformuliert, sondern passend zu meinem Vortrag werden mir einfach Begriffe vorgeworfen, die ich dann so knapp wie möglich erläutere. Dann ist der Spuk vorbei. Ich darf den Raum verlassen und draußen auf mein Ergebnis warten.
Kaum bin ich draußen, werde ich auch schon wieder rein gerufen. Ich werde darauf hingewiesen, dass es besser gewesen wäre, wenn ich die Fragen nicht ganz so trocken beantwortet hätte, aber ansonsten gibt es nichts zu bemängeln.
Wie meine beiden Kollegen, habe auch ich die mündliche Prüfung bestanden. Mit der Note kann ich jetzt alles werden. Präsident, Schauspieler, Arbeitsloser oder etwas ganz anderes. Ich bin entzückt und erleichtert. Die Umschulung ist vorbei und ich mache mich auf in mein neues Leben als … Arbeitsloser.
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