Die Welt des DrSchwein
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Januar 2005


Montag, 03. Januar


Tag der Termine. Ich bin gespannt. Wie erwartet ist nichts vorbereitet. Wer selbst nichts vorbereitet hat, hat Pech gehabt. Außer mir hat komischerweise niemand Pech.
Ich telefoniere wie immer so gut wie gar nicht und auch nur dann, wenn ich mal kurz alleine im Büro bin. Mein erster Anruf ist gleich ein Teilerfolg, denn ich rufe einen Bekannten von meinem Onkel an, der sich sowieso überlegt hatte seine Versicherungen irgendwo günstiger zu besorgen. Da er durch meinen Onkel vorgewarnt war, habe ich es weniger schwer. Nächsten Montag wollen wir noch mal telefonieren und einen Termin vereinbaren. Letztendlich habe ich mich mit diesem einen Termin bis 21.00 Uhr durchgemogelt. Glücklicherweise hat an diesem Tag niemand die geplanten zehn Termine bekommen. Einerseits müsste ich mich langsam etwas mehr Bemühen, denn von diesem rumblödeln wird mein Konto sicher nicht gefüttert. Andererseits, was nützt all das Bemühen, wenn man von einer Sache nicht überzeugt ist?


Dienstag, 04. Januar


Heutiges Thema: Die neuen Produkte zur Altersvorsorge. Ich stelle sehr schnell fest, dass mich Begriffe wie 'Riester', 'Rürup' usw. nicht wirklich interessieren und ich auch nicht so recht verstehe, was diese ganzen Produkte leisten. Mir ist das alles zu kompliziert. Wie soll ich das mal einem Mandanten erklären, wenn ich nicht einmal selber weiß, was die Vorteile sind? Es endet Stunden später und ich bin genauso dumm wie zuvor. Herzlichen Glückwunsch. Weiter geht's.


Donnerstag, 06. Januar


Wie eine Maschine setze ich mich ins Auto, um pünktlich um 19.00 Uhr am Unterricht teilnehmen zu können. Ich erreiche den Seminarraum kurz vor 19.00 Uhr und stelle fest, dass mein Tischnachbar, an den ich mich so gewöhnt hatte, nicht da ist. Ich setze mich zu einem anderen Teilnehmer, den ich auch schon mal gesehen habe. Kurzer Smalltalk. Unterrichtsbeginn. Thema: Altersvorsorge unter Leitung von Herrn Eber. Kommt mir bekannt vor, langsam wiederholt sich alles. Der Abend zieht sich. Mein Tischnachbar beginnt mir irgendwas zu erzählen, er ist nett, aber er soll nicht mit mir reden. Ich höre ihm genauso interessiert zu wie dem Dozenten da vorne. Ab und zu bestätige ich seine Aussagen. Keine Ahnung wovon der redet. Er ist sehr freundlich.


Freitag, 05. Januar


19.00 Uhr. Jahresauftaktveranstaltung im Hilton, Dortmund. Circa 300 Menschen sitzen mit mir im Saal und beklatschen, ich klatsche nicht mit, die Jahresbesten 2004. Herr Melmack hält eine Rede. Danach Herr Brämer, verantwortlich für den Börsengang des FDD. Mir ist das zwar alles etwas zu lang, aber es lässt sich aushalten. Zu guter letzt kommt noch ein Mann mit Persönlichkeitsspaltung auf die Bühne. Verkleidet als Elvis singt er irgendein Lied von Elvis. Er ist nicht wirklich gut. Als nächstes behauptet er Robbie Williams zu sein, fordert alle auf aufzustehen und singt "Let me entertain you", springt dabei mehrmals auf einen Tisch und wieder runter. Zwischendurch redet er wirres Zeug und singt weiter. Es scheint als hätte er seine Tabletten nicht genommen. Schrecklich. Ich entschließe mich beim nächsten Lied den Saal zu verlassen. Und da er tatsächlich weiter singt, gehe ich, denn so geht das ja nicht.


Samstag, 06. Januar


Der Aktiv-Tag beginnt mit einem Gemeinschaftsfrühstück im Büro, ein Festakt auf den ich grundsätzlich verzichten kann. Als nächstes werden noch ein paar interne Dinge besprochen. Herr Ekelfink ist unzufrieden, weil er nur der zweitbeste Teamleiter im letzten Jahr war und fordert mehr Engagement von uns. Ich höre ihm nicht wirklich zu, es ist diese Art von Diskussion, die mich nicht interessiert. Entgegen seiner Vorgaben telefoniere ich wieder nicht und gehe bei erster Gelegenheit nach Hause.


Montag, 10. Januar


Der Tag beginnt ganz harmlos. Wir lernen etwas über die Riester-Rente, bevor wir alle unsere Jahresziele präsentieren sollen. Irgendwie vergesse ich für einen Moment, dass ich nicht das sagen soll, was ich wirklich meine, sondern lieber reden sollte, wie es Herrn Ekelfink zusagt. Nun habe ich den Salat. Meine miserablen Ergebnisse der letzten Monate werden angeprangert, mein mangelnder Ehrgeiz usw. Irgendwann war das sowieso zu erwarten, trotzdem hätte es nicht heute sein müssen. Von nun an muss ich mehr telefonieren, meine Anrufe genau protokollieren und wenn dabei wieder nichts rumkommt, dann ... . Es wird nicht ausgesprochen, was dann passieren könnte, denn ich bezahle ja Büromiete und wenn ich nicht mehr da bin, müssen die anderen schließlich mehr bezahlen. Zum Abschluss des Tages erstelle ich 108 Werbebriefe, die ich im Laufe der Woche verteilen werde. Und irgendwann werde ich Briefträger oder gar Postbote sein.


Dienstag, 11. Januar


Heute lernen wir etwas zur bAV(Betriebliche Altersvorsorge). Zwischendurch will Herr Ekelfink vorführen was für ein guter Telefonierer er ist. Klappt leider nicht. Ich verspüre eine gewisse Schadenfreude. Auch sein zweiter Anruf ist nicht von Erfolg gekrönt. Ich finde das sehr amüsant. Der große Ekelfink scheitert jämmerlich beim Telefonnieren.
Später schreibe ich noch 50 Einladungen an Leute aus dem Telefonbuch. Samstag werde ich die alle anrufen müssen. Schrecklicher Gedanke. Verdrängter Gedanke.
Als ich gegen 17.00 Uhr das Büro verlasse, kann Herr Ekelfink es kaum glauben. Denn auch heute habe ich nicht telefoniert. Er erzählt wieder, dass ab sofort mehr telefoniert wird im Büro und dass ich morgen früh Firmen anrufen soll. Morgen früh bin ich aber gar nicht im Büro. Mittwochmorgens bin ich nie im Büro. Der weiß aber auch gar nichts. Ich gehe. Meine Zeit läuft ab. Am Abend verteile ich die ersten der 108 Briefe. Klappt echt gut. Das ist endlich etwas, was ich kann.


Samstag, 15. Januar


Heute muss unweigerlich telefoniert werden. Doch auch heute habe ich Glück. Ein Büro ist leer. Ich verschwinde dorthin und telefoniere so viel wie noch nie. Der Erfolg ist wie immer bescheiden. Zwei Leute wollen zur VIV (Verbrauscherinformationsveranstaltung) kommen. Ob sie wirklich kommen, wird sich zeigen. Daran glauben kann ich nicht. Trotzdem sind alle zufrieden mit mir und ich kann beruhigt nach Hause gehen. Die haben doch alle einen an der Waffel.


Montag, 17. Januar


Ein weiterer Tag im Büro. Heute ist eine Frau von der Continentale da. Sie erklärt einiges zu Krankenzusatzversicherungen und zur privaten Krankenversicherung. Die Zeit geht ganz gut rum. Zuletzt bekommen wir alle ein Geschenk. Einen Kugelschreiber, der auch leuchten kann. Ich bin glücklich. Während die anderen danach zusammen Brötchen verspeisen, ziehe ich mich in ein Büro zurück und erledige noch ein paar Anrufe. Wieder einmal äußerst erfolglos. Doch das ist mir egal, denn ich habe einen neuen Kugelschreiber, der im Dunkeln leuchtet.


Dienstag, 18. Januar


Ich bin ziemlich allein im Büro und weiß nichts mit mir anzufangen. Da entscheidet Herr Ekelfink, mir Bestandskunden zu vermitteln. Ich werde kurzerhand zum Bestandsteam geschickt und erfahre dort, dass alle Texte bezüglich des Kundengesprächs dort anders sind als ich es bisher gelernt habe. Irgendwie habe ich nun doch keine Lust auf Bestandskunden. Ich ziehe mich zurück in mein Büro und telefoniere die nächste Stunde mit unschuldigen Bundesbürgern. Auch dieses Mal bleibe ich konsequent erfolglos. Zumindest kann mir niemand vorwerfen, dass ich keine konstanten Leistungen bringe.


Donnerstag, 20. Januar


Um 10.30 sitzen wir beim Volkswohl Bund und hören uns an, was für tolle Produkte zur Altersvorsorge die anbieten und welche Gesetze in diesem Jahr geändert wurden. Einschläfernd. Sofort nach dem Vortrag verschwinde ich wortlos nach Hause. Schließlich ist heute Donnerstag, da bin ich faul und am liebsten zu Hause.
Am Abend sitze ich wieder artig im Unterrichtsraum. Herr Eber kündigt Herrn Pökel an. Dieser ist Trainer. Aber nicht von einer Fußballmannschaft, er trainiert FDD-Mitarbeiter bis sie endlich erfolgreich sind. Ich finde ihn unterhaltsam. Allerdings bezweifle ich, dass sein Auftritt irgendwas bewirkt bei mir. Ich bin weiterhin resistent. Das ist auch gut so. Nach dem Auftritt des Herrn Pökel macht Herr Eber noch bis fast 22.00 Uhr Unterricht. Da ich nicht von ihm belästigt werde, will ich nicht klagen.


Montag, 24. Januar


Es ist ziemlich leer in unseren Büros, kaum jemand ist heute da. Zur Belohnung gehen Herr Ekelfink, Frau Christ und ich ins Büro von Herrn Ekelfink und dürfen dort Firmen zum Thema bAV anrufen. Später bereichert Herr Lustig unsere illustere Runde. Den ersten Anruf tätigt Herr Ekelfink. Prompt hat er einen Termin. Auch Frau Christ bekommt sofort einen Termin. Nun bin ich an der Reihe. Überraschenderweise kriege ich keinen Termin. Da nützt mir das Lob von Herrn Ekelfink, dass ich ja ganz toll telefoniert habe, herzlich wenig. Herr Lustig weigert sich zu telefonieren, er telefoniert nur alleine. Kann ich verstehen. Er ist übrigens fast genauso erfolglos wie ich, aber er hat das Geld wohl auch nicht nötig, weil er oder seine Frau finaziell recht gut versorgt sind. Frau Christ geht spontan nach Hause und ich darf alleine weiter telefonieren. Meine Erfolglosquote bleibt bei 100%. Ich bin einfach schrecklich konstant. Um 14.00 Uhr schleiche ich mich aus dem Büro.


Dienstag, 25. Januar


Wieder ist es sehr leer im Büro. Herr Ekelfink erzählt mir und Frau Christ, wie erfolglos wir doch sind. Immer dasselbe. Danach noch ein paar Anrufe. Ergebnis wie gewohnt. Gegen 14.00 Uhr verlasse ich das Büro, weil ich um 16.00 Uhr einen Termin bei einem Mandanten habe. Der Termin fällt dann allerdings aus, weil der Mensch mir die Tür nicht öffnet. Das hat alles einen hohen Unterhaltungswert.


Mittwoch, 26. Januar


Es gibt eine weitere Absage für die VIV. Mein Erfolg nimmt langsam bedrohliche Formen an.


Donnerstag, 27. Januar


Unterricht. Thema: Einkommensabsicherung. Dozent: Herr Peitsche, 30 Jahre, seit sechs Jahren beim FDD und seit zwei Jahren als Dozent tätig. Sieht erfolgreich aus. Der Unterricht ist langweilig, aber dafür wird niemand mit irgendwelchen lästigen Einwandbehandlungen oder ähnlichem belästigt. Nach der Pause zeigt uns Herr Peitsche, wie man Kunden anspricht und zu einem Termin kommt. Außerdem malt er einen Hubschrauber, eine Geld-Druck-Maschine und anderes Gedöns auf, um uns zu zeigen, wie man Empfehlungen bekommt. Ich finde das alles lächerlich, aber angeblich soll es ja erfolgreich sein. Ich kann mir das nicht vorstellen. Ob ich es jemals herausfinde? Wohl kaum. Unterricht beendet.


Freitag, 28. Januar


Um 19.00 Uhr beginnt die Verbraucherinformationsveranstaltung (VIV). Schon gegen 18.15 Uhr bin ich im Büro. Ich verstecke mich sofort und rede mit niemandem. Ich gehöre hier einfach nicht hin. Glücklicherweise habe ich meine Provisionsabrechnung eben bekommen. Ich mag diese Abrechnungen, mir gefallen der Aufbau und die detailreiche Auflistung. Weniger gefällt mir die Summe: -240,24€. So viel Schulden hatte ich noch nie.
Gegen 18.45 Uhr kommen die ersten Gäste. Ich verlasse mein Versteck nicht, denn ich bin nicht an den Gästen interessiert. Zu Beginn der VIV setze ich mich dann doch zu den ganzen Menschen und lausche dem Vortrag. Interessant. Nach dem Vortrag stürzen die Menschen ans Buffet, ich stürze zurück in mein Versteck. Irgendwann schaffe ich es allerdings doch, mich zu den Gästen zu begeben. Habe aber nichts zu erzählen und schweige bis zum Ende der Veranstaltung. Als auch die letzten Gäste gegangen sind, verabschiede auch ich mich. Genug ist genug.


Samstag, 29. Januar


Wir begrüßen einen neuen Kollegen im Büro. Herr El Habib. Herr Rotenbaum erzählt mir, dass Herr Ekelfink findet, ich telefoniere sehr gut und bin einer der besten Telefonierer im Büro. Ich halte das für ein Gerücht, denn normalerweise haben gute Telefonierer Termine. Ich nicht. Ob das Ganze ein weiterer Motivationstrick ist? Wenn ja: Hat nicht funktioniert! Funktioniert bei mir nie. Zu plump. Die Krönung des Tages folgt kurze Zeit später. Am 11. Februar habe ich plötzlich einen Termin wegen einer Baufinanzierung bei einem Bekannten. Bin schon jetzt gespannt, warum ich auch dort nichts verdienen werde und woran es scheitern wird.


Sonntag, 30. Januar


Ich bin faul wie immer, Petra allerdings ist heute sehr fleißig. Sie schreibt einige Stunden an einem Werbebrief, den ich in der nächsten Woche verteilen werde, um Kunden zu bekommen. Irgendwie tut mir Petra jetzt Leid. Sie gibt sich solche Mühe und opfert Zeit für eine Sache, die sowieso aussichtslos ist. Arme Frau.


Montag, 31. Januar


Wieder ein Tag im Büro. Wieder ist ein möglicher neuer Kollege dabei. Herr Holzmann. Er möchte sich beruflich verändern. Klingt wohl besser als "Ich bin arbeitslos und brauche einen Job". Na ja, wenn er sich mit der 'Veränderungsaussage' besser fühlt, dann soll er es so sagen. Um 14.00 Uhr ist der Unterricht beendet. Ich muss noch die Briefe ausdrucken und eintüten, was mich bis fast 18.00 Uhr beschäftigt.


Altersvorsorge

Es ist eine traurige Wahrheit: Jeder Arbeitnehmer der in den nächsten Jahren in Rente geht wird eine Versorgungslücke gegenüber seinem jetzigen Einkommen haben. Da gilt es, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten, entsprechende private Vorsorgen zu treffen. Je nach persönlicher Situation gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche davon man wählt bleibt einem selbst überlassen, wichtig ist lediglich dass man rechtzeitig damit beginnt Reserven aufzubauen. Es mag einem Dreißigjährigen nicht sofort einleuchten, aber jedes Jahr in dem man vorsorgt zählt!

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Jedes Bankeninstitut hat natürlich den "optimalen Vorsorgeplan" für Sie. Verschiedene Formen von Renten- und Lebensversicherungen, Sparpläne, Fonds oder fondsbasierende Rentenversicherungsverträge, das Angebot ist groß und hier gilt der Grundsatz "informieren - vergleichen - beraten lassen" Bedenken Sie auch immer wie viel Geld Sie monatlich als Altersvorsorgebeiträge zur Seite legen können, denn vorzeitige Kündigung oder Auflösung der Verträge führt zu enormen finanziellen Einbußen. Eine beliebte Form der Altersvorsorge für Beamte ist zum Beispiel die Riester Rente bei welcher man Zulagen vom Staat lukrieren kann.

Eine durchaus auch vernünftige Form der Vorsorge ist auch der Erwerb von Wohneigentum. Sei es zur Eigennutzung oder um Mieterträge zu lukrieren, wenn man die Immobilie gut auswählt ist man meistens auf der sicheren Seite. Eine Eigentumswohnung in guter Lage und in gutem Zustand wird man immer vermieten können, Finger weg aber von so genannten Singlewohnungen die meistens nur 30 - 40m² groß sind. Sie sind zwar günstig in der Anschaffung, die Vermietung gestaltet sich aber schwierig da auch Singles in der heutigen Zeit zu größeren Einheiten tendieren. Auch Luxusobjekte, sofern man sie sich leisten kann eignen sich nicht als Vorsorge, so eine Wohnung ist zwar prestigeträchtig aber auch nicht einfach zu vermieten. Am besten zur Vorsorge eignen sich Wohnungen um die 80m² mit 3 Zimmern- die sind auch familientauglich und somit auf lange Sicht eine solide Einnahmequelle.


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