Au wie Auto

Eigentlich wollte ich dem Benz nur einen Ölwechsel und einen neuen Benzinfilter gönnen, doch am Ende des Werkstattbesuchs weiß ich, dass mein Plan nicht aufgeht. Neben ein paar rostigen Stellen am Unterboden, die man leicht beseitigen kann, gibt es ein Problem mit der Getriebeablassschraube, die kaputt ist und das Getriebeöl auslaufen lässt. Das ist extra ärgerlich, weil ich das Getriebeöl erst letztes Jahr wechseln ließ. Immerhin weiß ich nun, was da in meiner Garage ausgelaufen ist. Also brauche ich eine neue Ablassschraube, einen neuen Filter, eine neue Dichtung und natürlich 5,5 Liter Getriebeöl. Das sind Kosten, die mir so gar nicht in den Kram passen. Und wieder droht ein Jahr in dem der Benz mehr Zeit in Werkstätten als auf der Straße verbringt.

Ein paar Tage später ist der Benz repariert und als ich nachfrage, ob der Rost entfernt wurde, bekomme ich zu hören, dass das wohl vergessen wurde und ich gerne nochmal wiederkommen kann. Genau, weil ich auch nichts lieber mache als meine Autos in Werkstätten zu fahren. Ich muss echt verrückt sein, denn schon wieder habe ich gut 270€ in eines meiner Autos gesteckt. So wird das nie etwas mit meiner ersten Viertelmillion.

Das Coupé nervt

Ich hatte tatsächlich kurzzeitig gedacht, dass Coupé wird langsam vernünftig, doch ich habe mich wohl geirrt, denn die Sehnsucht des Coupés nach Werkstattbesuchen scheint auch in diesem Jahr ungebrochen. Was stimmt nur mit dem Coupé nicht? Hatte es eine schlimme Kindheit? Ist es frustriert, weil es draußen parken muss? Wurde damals beim Unfall der Lebenswille gebrochen? Oder fand es die Monate als es abgemeldet irgendwo vor sich hingammelte so toll, dass es dahin zurück will? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die blöde Warnlampe für die Traktionskontrolle leuchtet und mich das tierisch stört. Zum Glück muss man wegen so einer Kacke nicht direkt etwas unternehmen, aber lange werde ich das sicher nicht ertragen und eine Werkstatt aufsuchen. Dann gebe ich wieder Geld aus, obwohl ich dem Coupé mehrfach angekündigt hatte, das ich von November bis Ende Februar keinen Ärger haben und kein Geld für Coupés ausgeben will. Ich hasse es, wenn ein Fahrzeug nicht auf mich hört. Vielleicht sollten wir uns doch besser trennen, bevor das alles noch (weiter) ausartet.

Geld ausgeben fürs Alter

Kaum höre ich in den Wintermonaten für einen Moment auf, Rechnungen für irgendwelche Autoreparaturen zu bezahlen, zahle ich für die Widerherstellung eines erträglichen Gesamtzustandes meines Körpers. Und für Blutuntersuchungen und irgendwelche Mittelchen, die mich von innen heraus stärken und attraktiv machen sollen. Es ist wenig verwunderlich, dass ich niemals auch nur einen Cent spare. Ich tue wirklich alles, um die Altersarmut zu erreichen und in vollen Zügen auszukosten.

Wenn alles gut läuft und mit ganz viel Glück, kann ich ein vitaler Rentner mit einem gepflegten Fahrzeug, welches im Optimalfall sogar noch fahrbereit ist, werden, der sich zwar nichts mehr leisten kann, von innen aber voll attraktiv ist und gut vorgesorgt hat. Nur halt nicht finanziell.

Verkaufen und kaufen

Über ein Jahr lang interessierte sich niemand für eine von mir bei ebay Kleinanzeigen angebotene Mokkatasse mit Unterteller von Augarten Wien. Ich fand das Teil bei meinen Eltern im Schrank und hätte es fast verschenkt, als ich zufällig sah, dass diese winzigen Teile zusammen 320€
kosten. War ich anfangs sicher, dass sich die Teile rasch verkaufen lassen,
gerieten sie bald in Vergessenheit. Gelegentlich nahm ich sie wahr, verlängerte die Anzeige, doch das auch mehr als Gewohnheit und nicht, weil ich wirklich daran glaubte, dass mir jemand 175€, die ich für angemessen hielt, dafür bezahlen würde. Als  sich letzte Woche eine Frau dafür interessierte und 109€ zahlen wollte, konnte ich nicht ablehnen.
Okay, ich hätte ablehnen können und diese Mokkatasse bis an mein Lebensende in meinem Besitz gehabt. Eine gruselige Vorstellung.

Mokkatasse im Wert einer gebrauchten Stoßstange

Weil Geld meiner Meinung nach stets im Umlauf bleiben muss, überlegte ich kurz, was ich mir kaufe und entschied mich schon bald für eine Stoßstange für das Coupé. Angeboten für 130€. Natürlich Verhandlungsbasis. Für 109€ müsste die zu bekommen sein. Bildete ich mir zumidnest ein.
Direkt nachdem das Geld für die Mokkatasse auf meinem Konto eingegangen ist, mache ich mich auf nach Neuenkirchen. Eine
gemütliche Reise, die fast 90 Minuten dauert, führt mich auf ein großes Anwesen. Hier herrscht sicher keine Armut. Die Stoßstange ist heller als der Rest von meinem Auto und hat ein paar Macken, die nach dem lackieren sicher nicht mehr zu sehen sind. Wobei ich gestehen muss, dass ich derzeit nicht vorhabe irgendwas lackieren zu lassen. Freundlicherweise baut der Besitzer der Stoßstange mir diese an, nachdem wir meine alte Stoßstange entfernt haben. Eine Halterung an
meinem Coupé ist leider defekt, was den perfekten Sitz der neuen Stoßstange beeinträchtigt und fast wahnsinnig macht. Perfektionismus ist eine miese Krankheit. Als die Stoßstange angebaut ist, betet der ehemalige Besitzer mir an, dass er meine alte Stoßstange für mich entsorgt. Ich bin entzückt und verzichte auf die Preisverhandlung, weil ich das irgendwie unanständig fände, wo ich hier so gut behandelt wurde. Ich zahle die 130€ und fahre zum ersten Mal das Coupé mit einer Coupé Stoßstange. Es ist schwer zu beschreiben, wie richtig sich das anfühlt.
Während ich gemütlich über die Autobahn fahre, freue ich mich sehr, dass ich für nur 21€ eine Stoßstange bekommen habe. Es ist mir durchaus bewusst, dass man das eigentlich so nicht rechnen kann, doch mir
ist das egal. Mich hat dieser Ausflug 21€ und eine Mokkatasse, die für mich wertlos war, gekostet. Die Spritkosten zählen auch nicht, da ein schöner Ausflug bei schönem Wetter heute keine Kosten verursacht. Und weil ich fest daran glauben will, glaube ich auch daran und habe heute richtig viel Geld gespart. Das soll  mir erstmal jemand nachmachen.
 Coupé mit falscher Stoßstange.

 Coupé mit Coupé Stoßstange

 

75 Kilometer im Benz

Weil ich nichts mit mir anzufangen weiß, hole ich den Benz für eine kleine Ausfahrt. Dafür habe ich ihn schließlich. Und glücklicherweise funktioniert die Klimaanage, so dass es eine angenehme Reise wird. Ich fahre  nicht wirklich weit weg, aber das ist heute auch nicht wichtig.
Straßenschäden sind natürlich ärgerlich, aber keine große
Sache für den Benz.
Ich komme an einigen Kirchen vorbei, aber  nur bei dieser gelingt ein Foto.
Vorbei geht es am Lanstroper-Ei…
… doch weil ich verwirrt bin, komme ich nach einer Weile erneut am
Ei vorbei.
Die Route Industriekultur ist quasi überall.
Was für eine Zeche das ist, weiß ich natürlich nicht.
Am schönsten ist es, wenn keine anderen Autos im Weg sind.
 Schafe nutzen das schöne Wetter durchaus sinnvoller als ich.
Weil ich die Schafe für klüger als mich halte,
fahre ich einigermaßen zügig zurück zur Garage.
Dummerweise entdecke ich in der Garage einen großen Fleck. Irgendeine
Flüssigkeit scheint permanent aus dem Benz zu laufen. Leider kann ich nicht feststellen, ob es Flüssigkeit der Klimaanlage oder etwas ganz anderes ist. In der Hoffnung, dass es die Klimaanlage ist, lege ich nun monatlich 100€ zurück, um die große Reparatur nächstes Jahr bezahlen zu können. Irgendwie ist das alles frustrierend und passt somit bestens zu mir und meinem trostlosen Leben.

Kostenvoranschlag

Weil der Benz nicht nur ein Problem mit dem Lüfter der Klimaanlage hat, sondern obendrein nicht ganz dicht ist, steht er erneut in einer Werkstatt, um herauszufinden, wo er leckt. Als die Fehler gefunden sind, werde ich benachrichtigt. Der Benz braucht einen neuen Klimakompressor, ein neues Expansionsventil (wurde vor etwa zehn Monaten schon gewechselt), einen neuen Trockner und einen neuen Verdampfer. Die Teile kosten etwa 500€, was ich durchaus verkraften könnte. Das Problem sind die allerdings die Einbaukosten, die bei etwa 1000€ liegen, da man den Benz ziemlich zerlegen muss, um den Verdampfer zu wechseln. An dieser Stelle ist das Thema für mich durch. Dieses Jahr habe ich wahrlich genug Geld in die beiden Autos gesteckt. So kann ich nun bis zum nächsten Jahr darüber nachdenken, was ich zu tun gedenke.

Sonntagsaktivität

Das Wetter ist zu schön, um den ganzen Tag zu Hause zu bleiben, doch ich bin zu faul mich zu bewegen. Tatsächlich bewege ich mich immer seltener und immer weniger. So entscheide ich mich für eine Ausfahrt mit dem Benz. Dummerweise ist der Benz bei der letzten Ausfahrt in den Regen gekommen und etwas schmutzig, weil ihn seitdem niemand gewaschen hat. Ärgerlich. Dennoch fahren wir eine Stunde spazieren, was uns beiden sicher gut tut.

 Keine Ausfahrt ohne Skelett.
 Ebenfalls sehr wichtig ist die richtige Auswahl der
Musik.
Auch wenn der Klang im Benz ziemlich lausig ist.

Zurück in der Garage. Das Verbotsschild wird wie immer missachtet. Das hängt auch nur da, weil ich dachte, dass ich bis an mein Lebensende Ford fahren würde. Gelegentlich irre selbst ich mich. Den Benz stört es zum Glück nicht

 

 

Benz bei Bosch


Wegen des defekten Klimaanlagenlüfters versuche ich mein Glück bei Bosch.
Bei der Auftragsannahme sagt
mir der Mitarbeiter, dass ich einen tollen Wagen habe. Ich erwidere, dass
ich das weiß. Wirklich weiter bringt uns das nicht.
Gegen Mittag bekomme ich einen Anruf, dass der Fehler an einem Kabelbaum
vermutet wird und es ab jetzt arg teuer werden kann. Pro Stunde 86€ und es ist
nicht abzusehen, wie lange es dauern wird bis der Fehler gefunden ist. Ich
sage, dass bei 350€ Schluss sein muss, weil man irgendwo eine Grenze setzen
muss. Fehler an der Elektronik habe ich schon immer gefürchtet. Daher sind
moderne Autos erst recht nichts für mich. Wenn nun alles dumm läuft, zahle ich
350€, ohne dass irgendetwas repariert wurde. Damit wird der Benz auf seine
alten Tage wieder zu einem Luxusfahrzeug. Ich kann nicht behaupten, dass mir
das gefällt.
Zwei Stunden später ist es vollbracht. Die Suche wird eingestellt und der
Fehler bleibt unentdeckt.  Als ich den
Benz abhole, zahle ich 283,92€ und kann irgendwann, wenn ich glaube, es mir
leisten zu können, die Suche nach dem Fehler fortsetzen lassen. Der Mitarbeiter
sagt, dass er erst kürzlich einen Benz da hatte, der ein ähnliches Problem
vorzuweisen hatte. Die Suche des Fehlers dauerte 15 Stunden und ich erspare mir
zu fragen, was das wohl gekostet hat.
Zum Abschied bietet der Mitarbeiter an, mir den Benz abzukaufen, weil er
ja nicht verbaut und in einem guten Zustand ist. So kämen auch keine weiteren
Kosten auf mich zu.  Ich lehne dankend
ab, weil ich vorhabe mit dem Benz in Rente zu gehen und ihn nach meinem Tod an
ein Museum zu vererben. Bis dahin muss er in einem perfekten Zustand sein.

Finde den Fehler

Als ich den Benz aus der Werkstatt hole, wird mir mitgeteilt, dass der Lüfter  der Klimaanlage funktioniert und der Fehler irgendwo auf dem Weg dorthin liegen muss. Der Weg ist lang und auf dem Weg gibt es diverse Bauteile, die kaputt sein können. Das allerdings ist Aufgabe für Kfz-Elektriker und da muss meine Werkstatt passen. Ich soll es mal bei Bosch versuchen. Dafür kostet mich der Spaß keinen Cent, was ja immerhin positiv ist. Und so kann ich meinen freien Montag auch weiter damit verbringen mit meinen Autos von Werkstatt zu Werkstatt zu tingeln.

Teurer Aktivtag

Bei schönem Wetter kann man prima bummeln gehen, irgendwo essen und trinken und den Tag genießen. Oder man macht was ganz anderes.
Ich habe mich entschieden, Dinge zu erledigen und so geht es nach dem Frühstücksmüsli zunächst zu meinem Hausarzt, um mir ein paar Überweisungen zu holen. So kann ich meine freien Montage bei
diversen Fachärzten verbringen, wenn meine Autos mal nicht zur Werkstatt müssen. Anschließend geht es direkt weiter nach Lünen, wo ich mit dem Heilpraktiker über meinen Allgemeinzustand spreche, den es zu verbessern gilt. Wir einigen uns darauf, dass diverse Blutuntersuchungen Sinn machen könnten. Weil Hausärzte diesbezüglich vollkommen nutzlos sind, lasse ich mir nächsten Montag Blut abnehmen. Später kaufe ich dann teure Präparate und stelle fest, dass weitere´Untersuchungen nötig sind. Herrlicher Spaß.
Zu Hause mache ich etwas zu essen, was für die nächsten drei Tage reicht. Dann geht es ab nach Dortmund. Die Klimaanlage vom Benz kühlt nicht mehr. Da sie vor noch nicht einmal einem Jahr repariert wurde, gilt es das zu überprüfen. Eine Befüllung inklusive Kontrastmittel kostet knapp über 70 €. In zwei Wochen sehen wir vielleicht, wo der Fehler liegt. Weil bei der Gelegenheit festgestellt wird, dass der Lüfter der Klimaanlage nicht funktioniert, muss ich später zur Werkstatt meines Vertrauens. Die haben letztes Jahr den Fehler schon nicht gefunden und mir mitgeteilt, dass alles in Ordnung ist. Vielleicht vertraue ich den falschen Leuten?
Weil ich eh schon in Dortmund bin, lasse ich mir beim Orthopäden neue Einlagen aufschreiben. Auf dem Rückweg tanke ich den Benz voll. Kostet nur um die 70€, weil der Tank noch nicht wirklich leer war. Ich bin heute furchtbar effektiv.
Nächste Station Werkstatt. Wir einigen uns darauf, dass ich den Benz am Mittwoch abgebe damit er Donnerstag geprüft wird. Da ich anschließend langsam genug von meinen Terminen habe, lasse ich die Einlagen hier im Ort anfertigen. Normalerweise gehe ich zu Tingelhoff. Kaum bin ich im Sanitätshaus, weiß ich, warum ich hier nie wieder hinwollte. Abgesehen
davon, dass es nicht wirklich sauber ist, wirkt alles andere merkwürdig
Laienhaft. Statt die Füße per PC auszumessen, darf ich hier in so Schalen
treten und werde von der Mitarbeiterin gelobt, wie toll ich das mache. Ich
komme mir vor wie bei der versteckten Kamera, doch das hier ist Realität. „Sie haben das wirklich toll gemacht.“ Ich antworte nicht. „Das machen Sie bestimmt öfter.“ – „Ich glaube nicht, dass man dazu irgendwelche Fähigkeiten haben muss.“ – „Wenn Sie wüssten, ich hatte das letzte Woche einen hier, der… .“ Während sie mir die rührende Geschichte erzählt, bereue ich, dass ich zu faul war, die Einlagen bei Tingelhoff machen zu lassen. Nachdem die Geschichte zu Ende erzählt ist und mir die Mitarbeiterin auch noch mitgeteilt hat, dass sie sich mit all den Einlagen nicht auskennt, möchte ich fast weinen. Ich will nicht von Leuten bedient werden, die keine Ahnung haben und ganz offensichtlich hier nicht hingehören. Wenn das mal keine Teilnehmerin irgendeiner Maßnahme ist, die hier ihren praktischen Teil macht. Oder der Arbeitgeber bekommt den Großteil des Gehaltes der Frau vom Jobcenter bezahlt. Oder der Arbeitgeber ist einfach
nur bescheuert. In sieben bis zehn Tagen sind die Einlagen fertig. Ich würde
mich nicht wundern, wenn die nicht passen und von minderer Qualität sind. Dafür kosten sie nur fünf bis zehn Euro. Irgendwie tröstet mich das so gar nicht.
Als ich den Benz in seine Garage bringe, frage ich mich, wie ich die beiden nächsten Reparaturen bezahlen soll, denn irgendwann geht auch mein Geld mir aus. Schließlich arbeite ich nur 30 Stunden in der Woche, die zwar recht gut bezahlt sind, aber dennoch sollte ich etwas aufpassen. Dann denke ich mir, dass ich zu viel denke und es ja in wenigen Wochen wieder neues Geld gibt. Und was soll man sonst mit Geld machen, wenn schon nicht ausgeben? Das wäre wider der Natur. Und so lasse ich den Tag ausklingen und überlege mir, was ich mit dem Geld mache, wenn meine Autos mal nicht repariert werden wollen. Ich bin sicher, mir fällt da einiges ein.