Flurwoche(n)

Nun ist meine ehemalige Nachbarin schon ein paar Wochen tot und der Flur seitdem ungeputzt. Für mich ist das wenig überraschend. Als die noch lebende Nachbarin von gegenüber vor drei Wochen den Flur hätte putzen sollen, hat sie es vergessen und selbst dann nicht nachgeholt als noch genug Zeit war. Sie hat lediglich gesagt es vergessen zu haben. Ergibt für mich zwar keinen Sinn, aber egal. Als der neue Nachbar in der Woche darauf an der Reihe war, hat man es ihm angeblich direkt vorher nochmal gesagt. Geputzt hat er aber nicht. Kurz bevor ich an der Reihe bin, wird der neue Nachbar noch einmal von der früheren Hausmeisterin auf seine Pflicht hingewiesen. Allerdings nicht er persönlich, sondern zunächst sein Cousin, denn der Cousin versteht im Gegensatz zu dem Nachbarn gut deutsch. Er verspricht, dass der neue Nachbar das mit dem putzen nachholt. Da erwartungsgemäß nichts passiert, putze ich wenig später die Fensterbank und das Geländer und fege kurz durch. Dabei fege ich den Dreck größtenteils zur unteren Etage, weil mich das mit dem Flurputzen nervt und ich möglicherweise ein Arsch bin.

Am nächsten Abend höre ich Geräusche aus dem Flur. Es klingt als würde jemand putzen. Durch den Türspion kann ich sehen, dass dem tatsächlich so ist. Doch es ist nicht der Nachbar, der sein Bestes gibt, es ist die Ex-Hausmeisterin, die da im Flur rumwirbelt. Das ergibt für mich zwar auch keinen Sinn, aber besser sie macht es als keiner. Irgendwann wird sie mir sicher davon erzählen und sich beschweren, dass es ja sonst keiner tut. Vielleicht bitte ich sie dann, den Flur immer für mich zu putzen. Das könnte die unerwartete Lösung der Flurprobleme sein. Verrückt, wirklich verrückt.

Gelesen: Elefant

Ich hatte viel von dem Buch gehört, zögerte aber lange es mir zu holen. Letztlich hätte ich es mir aber ruhig früher holen können, denn es hat mich wirklich gut unterhalten. Mir gefällt der Schreibtstil, ich mag die Geschichte und ich mag auch den Gedanken an einen rosafarbenen Elefanten, auch wenn das vermutlich albern klingt. Derartige Genversuche finde ich alleridings doof, das Buch hingegen absolut nicht. Ich musste sogar außerhalb meiner üblichen Lesezeiten weiterlesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Somit kann ich Elefant nur wärmstens empfehlen. Gute Unterhaltung.

Sozialpädagogische Fahrgemeinschaft

Wir haben wieder eine neue Sozialpädagogin im Kollegenkreis. Wie die meisten Sozialpädagoginnen lebt sie auf einem fernen Planet. Vermutlich auf dem Sozialpädagoginnenplanet. Mir ist das ziemlich egal, so lange wir nebenher existieren und es nur wenige Berührungspunkte gibt. Mir sind Sozialpädagoginnen suspekt. Ich frage mich seit Jahren, was diese Spezies so wertvoll macht. Wenn ich mit der Kollegin rede, schaue ich sie meist nicht wirklich an. Es kann gut sein, das ich sie nicht erkenne, wenn wir uns außerhalb der Arbeit an einem anderen Ort begegnen. Die gute Frau ist wohl in den Fünfzigern und redet mir zu viel. Selbstverständlich auch nichts, was mich besonders interessiert. Und wenn es mal beruflich interessant war, dann ist es ihr Vortrag bisher nicht gewesen. Kann aber alles noch kommen, sie ist ja noch nicht lange dabei. Ich glaube allerdings nicht, dass da noch was kommt. Vielleicht sind wir deshalb noch beim siezen, während sich sonst geduzt wird. Mir ist das egal. Wenn ich sie so beobachte ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mich frage, was sie den Teilnehmern wohl geben kann. Was kann ich noch von ihr lernen? Ich weiß es nicht. Nein, wir haben wirklich nicht viel gemein. Lediglich den gleichen Arbeitgeber und den gleichen Wohnort. Und diese Kombination ist immer gefährlich. Bei so etwas denkt der Durchschnittsbürger immer schnell an Fahrgemeinschaften. Ich hingegen finde Fahrgemeinschaften gruselig. Schon der Gedanke, dass ich regelmäßig mein Auto mit jemandem teilen muss, nur weil wir denselben Weg haben, lässt es mir kalt den Rücken runter laufen. Aber zum Glück denken die Wenigsten so wie ich und so ist mir schnell klar, worauf der verbale Frontalangriff, den sie plötzlich startet, hinauslaufen wird. Und noch bevor die gute Frau zu Ende formuliert hat, hört sie schon mein „Nein. Schlagartig scheint sie in sich zusammen zu fallen. Dummerweise habe ich auch noch viel zu tun und kann sie nicht trösten. Vielleicht sollte ich sagen, dass es nicht an ihr liegt, aber ich eine eifersüchtige Frau habe, die das nie akzeptieren würde. Aber das wäre gelogen. Vielleicht müsste ich sie in den Arm nehmen und sagen, dass ich nur einen Sitz im Auto habe, aber auch das wäre gelogen. Vielleicht könnte ich sie trösten, wenn ich Sozialpädagoge wäre. So aber ist es mir nicht möglich. Es ist nämlich schlicht und ergreifend so, dass ich nur Leute in meinem Auto haben will, die ich kenne und die irgendwas mit meinem privaten Leben zu tun haben. Alle anderen müssen draußen bleiben. Ich sage der konsternierten Frau dann doch noch etwas erbauliches, nämlich dass ich fünfzehn Minuten vor ihr Feierabend habe und schnell weg muss. Sie murmelt daraufhin auch etwas, verabschiedet sich womöglich, und geht dann zurück an den Ort von dem sie kam. Wenn sie jetzt gesagt hätte, ihr Auto sei kaputt und ob ich sie vielleicht ein- bis zweimal mitnehmen kann, hätte ich mich durchaus erbarmt, aber eine klassische Fahrgemeinschaft ist nun wirklich nichts für mich und eine vollkommen unsinnige Erfindung. Wie kann man so etwas einem Fremden nur antun wollen? Klar, könnte man noch den Umweltaspekt anführen, aber bei aller Liebe zur Umwelt, ist mir dieser Preis um ein Vielfaches zu hoch.

Filmperlen aus meiner Jugend 4

Erneut möchte ich meine Erinnerungen auffrischen und wähle dieses Mal Filme mit einem der coolsten Schnauzbärte, dessen Filme ich in meiner Jugend sehr häufig gesehen habe. Charles Bronson. Ich mochte Filme mit Charles Bronson immer irgendwie, denn er war auf seine Art sehr cool und hatte meist eine gute Synchronstimme, was auch immer wichtig ist. Besonders mochte ich dennoch die Filme, in denen er nicht so viel geredet hat. Es gibt wirklich gute Filme mit ihm und auch eine ganze Menge weniger gute bis ziemlich schlechte Filme. Ich habe sie fast alle mindestens einmal gesehen und gönne mir für diesen Rückblick gleich drei dieser Filmperlen.

Ein Mann räumt auf
Wirklich erinnern kann ich mich eigentlich nur an den Titel. Um was es geht, hatte ich mit den Jahren einfach so vergessen. Charlie Congers (Charles Bronson) bekommt den Auftrag Jackie Pruit (Jill Ireland), die Geliebte eines Unterweltbosses Joe Bomposa (Rod Steiger) zu entführen, damit sie als Kronzeugin aussagen kann. Während die beiden versuchen zu fliehen, werden sie von Bomposas Leuten verfolgt. Soweit klingt das alles ganz gut, doch schon nach wenigen Minuten ist irgendwie die Luft raus. Charles Bronson ist auf seine Art cool wie immer, aber das reicht dann einfach nicht, wenn das Drehbuch nicht wirklich was hergibt. Der stotternde Gangsterboss nervt ebenso wie seine Geliebte Jackie. Dazu ist das alles unspannend vorgetragen, wirkt teilweise dann doch zu billig und bis Charlie dann endlich aufräumt, dauert es eine Ewigkeit. Und eigentlich räumt er auch nicht wirklich auf, sondern liefert nur eine Bombe ab. So ist an diesem Film lediglich der Titel gut. Charles Bronson kann nicht überzeugen und die Filmmusik ist auch nur manchmal nett. So kommen einem die neunzig Minuten viel länger vor als sie sind und ich hoffe, dass ich beim nächsten Film ein besseres Händchen habe.

Der Liquidator
Das ist einer der Filme, den ich früher sehr oft geguckt habe. Er gehörte sogar lange zu meiner Sammlung und selbst jetzt nach so vielen Jahren, finde ich ihn noch immer spannend. Ich mag die Geschichte und die Art, wie Charles die Bösen erledigt. Und auch wenn man dem Film das Alter ansieht und die wenigen Actionszenen sicher auch schon damals recht billig wirkten, gehört “Der Liquidator” auch weiter zu den besseren Bronson Filmen, der mich nach all den Jahren wieder gut unterhalten hat. Somit besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich mir diese Filmperle in ein paar Jahren erneut anschaue.

Der Grenzwolf
Filme über illegale Einwanderer in die USA gibt es viele. Dieser gehört sicher nicht zu den Meilensteinen. Er ist lediglich solide, ohne wirklich zu überzeugen. Charles Bronson spielt seine Rolle routiniert, kann den Film aber auch nicht wirklich aufwerten. Den Grenzwolf kann man sich ansehen, wenn er mal im Fernsehen läuft, man kann es aber ebenso gut lassen. Es gibt wesentlich bessere und unterhaltsamere Filme mit Charles Bronson und am Ende hat sich lediglich “Der Liquidator” gelohnt bei dieser Reise in die Vergangenheit

Filme 04.18

Im April habe ich mir 21 Filme angeguckt. Für meinen Zustand recht wenig. Einige davon stelle ich nachfolgend näher vor.

Kedi – Von Katzen und Menschen ist eine Dokumentation über Katzen in Istanbul. Da ich Tiere mag und mich der Trailer neugierig gemacht hat, war es vermutlich nicht zu verhindern, dass ich diese wirklich interessante und auch niedliche Dokumentation sehen musste. Und ich kann Kedi nur weiterempfehlen. Allerdings nicht für Katzenhasser und solche, die es werden wollen. Alle anderen werden auf eine sympathische Art und Weise unterhalten.

World War Z gehört zu meiner eigenen Filmsammlung und wird bei Bedarf an Zombies immer wieder von mir angeschaut, da ich gute Filme gerne öfter gucke. Meine Abneigung gegen diese flinken Zombies habe ich mittlerweile abgelegt, sonst würde mir World War Z auch nicht so ein Vergnügen bereiten. Die Effekte sind nach meinem Geschmack, die Gewalt ist es auch. Die kleine Zombieepedemie gehört somit zu den Filmempfehungen des Monats und sollte unbedingt in angemessener Lautstärke genossen werden, um maximalen Spaß zu haben.

Mord im Orient-Express bietet eine interesante Story, bekannte Schauspieler und ist durchaus unterhaltsam. Alles wäre somit vermutlich gut, gäbe es nicht die Version von 1974. Denn wenn man die Version kennt, stellt man sich unweigerlich die Frage, wozu es diese Neuverfilung gibt, wer sie braucht und ob wirklich jemand darauf gewartet hat. Eine Neuverfilmung, die nicht wirklich etwas Neues zu bieten hat und dazu auch nicht wirklich an eine Verfilmung, die schon so lange zurück liegt, heranreicht, ist zumindest für mich ziemlich überflüssig. Und so kann ich diese Version auch nur dann empfehlen, wenn man die Version von 1974 nicht kennt und eine Abneigung gegen alte Filme hat. Ansonsten gibt es meiner Meinung nach nicht wirklich einen Grund sich die Version von 2017 anzusehen.

Drittes Training

Das dritte Training folgt dem gleichen Ablaufschema, wie ich es erwartet habe. Ich starte mit zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer und hantiere anschließend für etwa zwanzig Minuten an irgendwelchen Geräten rum. Bevorzugt und fast ausschließlich trainiere ich Bauch und Beine, möglicherweise auch den Po. Dabei klingt „Bauch, Beine, Po“ eher nach einem Frauentrainingsplan. Aber den Oberkörper zu trainieren, habe ich keine Lust. Hatte ich noch nie. Wird also auch in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen, dieses Training. Nach dem kurzen Intermezzo an den Geräten geht es zurück auf den Crosstrainer. Aber nur für zehn Minuten, denn dann muss ich aufs Laufband. 14 Minuten halte ich durch und bin schon währenddessen völlig aus der Puste und schwitze fröhlich vor mich hin. So geht wohl Training. Vermutlich werden alle meine künftigen Trainingstage auf diese Art ablaufen. Vorausgesetzt mein Körper macht da weiter und problemlos mit.

Drei Stunden später steht fest, dass mein Körper da wohl nicht mitmachen wird. Mein Knie tut weh. Allerdings nicht nur dort, wo der Schmerz sonst immer rumlungert, sondern insgesamt. Ich fürchte, das mit dem Laufband kann ich künftig vergessen und muss stattdessen eines der Fahrradergometer benutzen. Das ist echt deprimierend. Noch schlimmer ist allerdings die Tatsache, dass sich damit das Thema „Joggen in freier Wildbahn“ endgültig erledigt haben dürfte. Alt werden ist einfach Scheiße.

Fuck the System

Als ich neulich aus dem Fenster schaute, war ich etwas irritiert, denn das Haus gegenüber hatte quasi über Nacht ein paar Botschaften erhalten. Vermutlich von einem oder mehreren unzufriedenen Menschen. Diese Menschen müssen äußerst unzufrieden sein, denn in der vierten Etage so Sachen zu sprühen ist sicher nicht ungefährlich. Somit sind diese Menschen, ich gehe ab jetzt einfach davon aus, dass es mehrere waren, nicht nur unzufrieden, sie sind auch Abenteurer. Vielleicht sind sie auch irgendwie gestört, ich weiß es nicht. Nun glaube ich ja nicht, dass so Botschaften einen weiter bringen. Maximal bekommt man Ärger oder fällt runter. Und daher frage ich mich, ob es nicht besser wäre, wenn diese Menschen einfach runter gefallen wären. Das wäre mal ein Statement. Zermatscht auf dem Boden liegend mit der Spraydose in der Hand. Fuck the System und raus aus dem System mit nur einem Sprung. Zack. Erledigt. Keine unnötigen Schmierereien an der Häuserwand, die vermutlich niemals entfernt werden, stattdessen ein paar zerschmetterte Systemfucker überall auf dem Boden verteilt. Das wäre was. So kommt man ins Fernsehen, so setzt man Ausrufezeichen. Stattdessen versaut man mir die ohnehin schon miese Aussicht noch mehr. Danke schön.

Was wohl dieses I87 bedeutet? Idiot, 1987 geboren? Oder ist es eine 187? Eine Hommage an den Film „187 – Eine tödliche Zahl“ mit Samuel L. Jackson in der Hauptrolle? Vielleicht sollte ich mir den Film nochmal anschauen, um zu verstehen, was das alles bedeuten könnte.

Und was ist KGM? Kann gut malen? Oder Initialen? Klaus-Georg Meier vielleicht? Noch schlimmer als das Geschmiere finde ich die Tatsache, dass ich mal wieder nix verstehe. Verpasse ich hier vielleicht den Anfang einer Revolution?

Und dann noch B6 oder BG. BG kenne ich. Das steht für Bedarfsgemeinschaft. Möglicherweise ein Hinweis auf unzufriedene ALG-II Empfänger, die zwar vom System leben, es aber am liebsten ficken würden, weil sie sich nur eine Sprühdose leisten können pro Auftrag. Oder es steht für Vitamin B6 und soll zum Ausdruck bringen, dass die Sprüher der Botschaft unter einem Vitamin B6- Mangel leiden. Ein Mangel kann für Nervenschäden verantwortlich sein. Vielleicht auch für nächtliche Sprühattacken.

Abgesehen davon, dass es mir nicht gefällt, diesen Anblick nun mein Leben lang ertragen zu müssen, hat es mich immerhin zum Nachdenken gebracht, somit eine Weile beschäftigt und ist obendrein ein Hinweis darauf, mir demnächst mal wieder einen Film mit Samuel L. Jackson anzusehen. Ich mag den nämlich. Cooler Typ. Also, scheiß auf die Schmierereien. Das einzige, was mich jetzt noch stört ist die Tatsache, dass ich nicht zusehen durfte, wie das Haus mit einem Filmtipp und geheimen Botschaften versehen wurde. Aber man kann halt nicht alles haben.

Montagsausflug

Vielleicht hat sich Bad Salzuflen heimlich zu meinem bevorzugten Ort für Montagsausflüge entwickelt. Wie sonst ist es zu erklären, dass es mich immer wieder hierhin verschlägt? Vermutlich ist der Ort irgendwie für mich gemacht. Und es gibt auch genügend Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme für mich. So landen wir heute in den Seeterrassen, wo ich mir zunächst ein stilles Wasser servieren lasse.
Stilles Wasser

Natürlich folgt nach der Bewässerung die Nahrungszufuhr. Bruscetta mit Rucola. Schon erstaunlich, wie oft ich Rucola zu mir nehme. Es ist noch gar nicht lange her, da wusste ich nicht einmal, dass man so etwas essen kann. Möglicherweise hielt ich das Grünzeug sogar für gefährlich.
Bruscetta

Nach dieser kleinen Stärkung geht es weiter durch den Ort. Zu meiner Überraschung bekomme ich wenig später von Agnes eine Solarlampe geschenkt. Meine bekannte Vorliebe für Geschenke und Lampen hat durchaus seine Vorteile. Irgendwann werde ich allerdings eine größere Wohnung für all die Lampen brauchen.

Im Salinen Café gibt es später noch ein Stück Kuchen und einen Tee für mich, bevor es zurück in den Park geht. Es ist wieder mal ein Urlaubstag mitten in der Woche und vielleicht ist Bad Salzuflen ja ein Ort an dem ich Leben könnte. Da sind viele alte Menschen, die Luft ist gut und Geschenke bekomme ich dort auch immer wieder. Sobald ich zu Geld komme, sollte ich unbedingt einen meiner Wohnsitze dorthin verlegen.

Zweites Training

Schon am Abend vor dem zweiten Training bin ich genervt. Dieses genervt sein war einer der Gründe, warum ich vor zwei Jahren die Mitgliedschaft bei McFit beendet habe. Es war stets eine furchtbare Quälerei mich immer mal aufzuraffen, um einen Moment zu trainieren. Jetzt geht der Mist schon wieder los. Daher stehe ich am Sonntag schon völlig genervt auf, nur um eine Stunde später aufzubrechen.

Das Training findet dieses Mal bei McFit in Dortmund-Eving statt. Irgendwie ist mir das sympathischer als in Lünen. Nach zwanzig Minuten auf dem Crosstrainer, die sich nicht so schlimm anfühlen, wie in der letzten Woche, mache ich irgendwelche Übungen mit Kindergewichten. Alles schön langsam und ohne dabei außer Atem zu geraten. Da stellt sich natürlich gelegentlich schon die Frage, ob das überhaupt einen Sinn macht. Anschließend geht es für zehn Minuten zurück auf den Crosstrainer. Nur zehn Minuten deshalb, weil ich plötzlich die grandiose Idee habe aufs Laufband zu klettern. Nach einer Minute schnellem Gehen stelle ich die Geschwindigkeit auf 8,5 und laufe los. Fast leichtfüßig als wäre es das Normalste auf der Welt. Zehn Minuten will ich laufen, muss ich laufen, um meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Mein Plan nicht zu schwitzen und keine Schnappatmung zu bekommen, ist allerdings nicht umzusetzen. Lediglich wenn attraktive Frauen an mit vorbei gehen, stelle ich das Atmen fast völlig ein und tue so als würde ich völlig entspannt und unangestrengt vor mich hinlaufen. Gewisse Eitelkeiten, die man möglicherweise als Albernheiten abtun muss, kann ich mir auch in meinem Alter nicht abgewöhnen. Nach sieben Minuten gelingt mir aber auch das nicht mehr. Ich atme schwer, freue mich aber, dass mein Knie keine echten Beschwerden macht. Nach neun Minuten drossle ich das Tempo, gehe noch einen Moment und erlöse mich dann von den Qualen. Letztlich muss ich zugeben, dass das Training vielleicht doch einen Nutzen hat und träume sofort davon, schon bald wieder durch den Wald joggen zu können mit einem Knie, welches jeglichen Widerstand aufgegeben hat und mich einfach nur laufen lässt. Im Optimalfall laufe ich nächsten Sonntag zwanzig Minuten auf dem Laufband. Sollte ich das nicht schaffen, werde ich allerdings sehr enttäuscht von mir sein. Verdammter Druck.

Ausflug ins Kreuzviertel

Manchmal, nur für einen kleinen Moment, und nur, wenn man nicht richtig hinsieht oder hinhört, könnte man glauben, wir drei sind normale Menschen, die sich nicht schon im nächsten Moment selbst entlarven und ihrer ganz persönlichen Verschrobenheit hingeben. Jeder für sich ist schon eine merkwürdige Gestalt, voller Behinderungen und Schatten, zusammen sind wir eine selten bekloppte Mischung, die möglicherweise kaum zu ertragen ist und für Außenstehende sicher sehr befremdlich wirkt. Dummerweise sind wir nicht immer leise in unserm Dasein, so dass wir durchaus auch mal als echte Zumutung durchgehen könnten. Unser Verhalten ist geprägt von Routinen und/oder Absonderlichkeiten. Wir streiten das gerne ab, aber wenn andere oder wir genauer hinsehen, dann ist zu erkennen, dass in unseren Oberstübchen ein sehr merkwürdiger Film abläuft. Dauerhaft kompatibel sind wir mit den wenigsten, kurzzeitig mitunter allerdings durchaus amüsant. Zumindest hin und wieder. Alles hängt natürlich von der jeweiligen Tagesform aller Beteiligten ab. Wir sind älter als wir uns das selber abnehmen, denn in unserem Wesen sind wir kindisch, verwirrt, verstört und eigenartig. Nur niemals tatsächlich erwachsen geworden. Zumindest nicht, wie andere, wie viele oder gar die meisten. Entwicklungstechnisch haben wir den einen oder anderen Schub verpasst oder bewusst umschiff. Und so sitzen wir hier im Kreuzviertel und können es selbst kaum glauben.

fatto in casa

Es ist Freitag, der vorgezogene Sommer hat uns einen Strich durch den traditionellen Filmabend gemacht, und ohne es wirklich zu verstehen verabredeten wir uns nicht nur, um das Haus zu verlassen, wir haben es auch umgesetzt. Als wäre es das Normalste von der Welt. Aber das ist es nicht. Für uns sind derartige Abweichungen von der Routine eine äußerst seltene Sache. Wobei unser Jüngster, der Manni, sich im Großen und Ganzen schon längst weiter entwickelt hat. Petra und ich hingegen sind da längst nicht so weit. Bei Petra muss man fürchten, dass sie irgendwann nur noch im Garten sitzt und Vögel und Eichhörnchen füttert, beobachtet und bespricht und bei mir ist die Gefahr groß, dass ich eines Tages eins sein werde mit meiner Wohnung. Dennoch wirkt unser Ausflug für Außenstehende vermutlich ganz normal, für uns aber stellt er eine Art Meilenstein der Entwicklung dar. Ein seltenes Schauspiel, ein wahres Event. Und um all dem die Krone aufzusetzen, sind wir nicht nur ins Kreuzviertel gefahren, wir haben sogar einen Plan mit uns geführt. Salat essen an einem fremden Ort zu einer, zumindest für mich, außergewöhnlichen Zeit. Manchmal, wenn mich so ein Entwicklungsschub packt, bin ich mir noch unheimlicher als ich es ohnehin schon bin.

Für mich gibt es ordnungsgemäß stilles Wasser, weil stilles Wasser still ist und in der Regel keinem sauer aufstößt. Serviert in einer für mich ansprechenden Flasche, die zum Ambiente passt.

Stilles Wasser

Während wir auf das Essen warten, verzichten wir auf Gespräche über Krankheiten, obwohl es da immer was zu erzählen gibt. Beim Thema Krankheiten nimmt Petra schon lange einen Spitzenplatz ein. An ihr scheint mittlerweile alles am Bewegungsapparat kaputt gegangen zu sein und Schwierigkeiten zu bereiten. Ich bin größtenteils innerlich kaputt und wirke nach außen fast agil. Mein Verfall verläuft größtenteils von innen nach außen und ohne Schmerzen. Ich kann nur meine verpickelte Stirn präsentieren und vermutete böse Hautkrankheiten. Petra hingegen kann von immer neuen Schmerzen berichten und scheint als erste von uns komplett kaputt zu gehen. Also so kaputt, dass man auch nicht mehr weiß, ob man da noch was reparieren kann. Anderseits sind diejenigen, die früh mit dem Leiden beginnen am Ende oft die, welche über die meisten Jahre einfach nur so leiden, während die andern längst an einer grauenvollen Krankheit, die glücklicherweise rasch das Leben beendet hat, verstorben sind. Da weiß man auch nicht, was wirklich besser ist. Weil diese Themen aber in der Regel Hauptbestandteil der Gespräche, während der Wanderungen an denen Manni meist nicht teilnimmt, sind, reden wir heute nicht darüber. Vielleicht gibt es auch andere Gründe, die das Thema gesundheitliche Gebrechen verhindern. Möglicherweise haben wir auch nur vergessen über Krankheiten zu reden. Wir erfreuen uns stattdessen an unserem Ausflug und wundern uns lediglich, dass wir überhaupt einen Ausflug gemacht haben. Gelegentlich gehen attraktive Frauen an uns vorbei, die meine volle Aufmerksamkeit erfordern. Schöne Frauen und schöne Autos kann ich mir immer anschauen. Eines der wenigen Talente, welches mir auch im Alter geblieben ist. Dann bekommen wir unser Essen.

Rucola e Tacchino

Es ist etwa 20.10 Uhr und ich kann mich nicht erinnern, jemals so spät einen Salat gegessen zu haben. Überhaupt kann ich mich daran erinnern, in meinem Leben schon öfter als zweimal einen Salat bestellt zu haben. Habe ich mir je zuvor Salat in dieser Größenordnung, der eine andere Mahlzeit ersetzt, bestellt? Ich weiß es nicht. Obwohl ich Ruccola etwas gewöhnungsbedürftig finde, kann ich den Salat nur empfehlen. Ich bin so zufrieden, dass ich am Ende fast drei Euro Trinkgeld gebe. Einfach mal so tun, als spiele Geld eine untergeordnete Rolle. Tolle Sache.

Es folgt ein Spaziergang durchs Kreuzviertel. Wir erinnern und an unseren letzten Ausflug hierher. Damals hat es uns so gut gefallen, dass wir eine baldige Rückkehr beschlossen. Und wir haben Wort gehalten. Nur etwa neun Monate später sind wir wieder hier. Wenn wir uns etwas vornehmen, dann setzen wir es auch zeitnah um. Da sind wir schon konsequent, Und weil wir auch heute sehr entspannt und angetan sind, nehmen wir uns vor, demnächst wieder herzukommen und in einem anderen Lokal zu essen. Das wird sicher toll.

Obwohl ich noch bleiben könnte und mich gut fühle, was möglicherweise vom Salat kommt, suchen wir kein weiteres Lokal auf, sondern beenden kurze Zeit später unseren Ausflug. Schließlich ist es spät geworden und dunkel. Es ist etwa 21.30 Uhr als wir zurück am Auto sind und die Heimreise antreten. Es fühlte sich fast wie ein Urlaubstag an, ohne im Urlaub gewesen zu sein. Wenn alles gut läuft, sind wir schon 2019 wieder im Kreuzviertel. Es ist wirklich schön derartige Pläne zu haben, die einem das Leben versüßen und einem für einen Moment das Gefühl vermitteln als wäre man nicht völlig geistesgestört.