Ist das Leben nicht schön?

Kaum hat das Jahr begonnen, neigt es sich auch schon dem Ende entgegen und es ist Weihnachten. Weihnachten ist die Zeit für Weihnachtsfilme und die Auswahl an Weihnachtsfilmen ist enorm. Doch es gibt nur den einen Weihnachtsfilm, der mich seit vielen Jahren begleitet und der eigentlich in keinem Jahr fehlen sollte. Aufgrund diverser unerklärlicher Ereignisse, musste ich im letzten Jahr auf diesen besonderen Weihnachtsfilm verzichten. Als Ersatzweihnachtsfilm sah ich deshalb „Ein kurzer Film über das Töten“. Ich muss gestehen, dass das nicht wirklich ein geeigneter Ersatzweihnachtsfilm ist. Deshalb bin ich mehr als erfreut, dass heute der Weihnachtsfilm schlechthin gezeigt wird. Ist das Leben nicht schön. Der Film ist einfach der perfekteste Weihnachtsfilm den es gibt und ich will nie wieder ein Weihnachtsfest ohne diesen Film verbringen müssen. Und weil ich ein hoffnungsloser Optimist bin, wird es auch nie wieder so sein. Ist das Leben nicht schön und Weihnachten gehören einfach zusammen und nichts wird daran je wieder etwas ändern.

Heiligabend

Wie schon im letzten Jahr beschlossen, findet der Heiligabend am Abend bei Manni statt. Gegen 20.10 Uhr besuchen Petra und ich ihn und lassen uns Tee servieren. Der Gastgeber bekommt zwei Flaschen Wein, eine Packung Früchtetee und eine schwimmende Sanduhr geschenkt und dann sitzen wir so souverän und abgeklärt da, als würden wir es schon seit Jahren so machen. Wenn wir etwas können, dann Traditionen leben.
Dabei ist es erst  unser zweites traditionelles Beisammensein am Heiligabend.

Während wir unseren selbst mitgebrachten Tee trinken, schaltet sich Manni durchs TV Programm und liest im Videotext, wie das TV Programm am weiteren Abend ist. Tee haben wir übrigens nur deshalb mitgebracht, weil Manni Früchtetee bevorzugt und ausschließlich im Angebot hat, wir aber Früchtetee nicht wirklich mögen. Wir plaudern, wie nicht anders zu erwarten, über Filme und andere wichtige Dinge des Lebens und die Zeit vergeht ganz fix. Die Müdigkeit ergreift mehr und mehr Besitz von uns, wir gähnen ein paar Mal ausgiebig und beenden kurz vor Mitternacht unser traditionelles Zusammensein. Traditionen sind wirklich etwas ganz besonderes.

Amazon Instand Video

Weil ich es einfach nicht lassen kann, nutze ich das Angebot für einen kostenlosen Probemonat bei Amazon Prime. Beim ersten Test gefiel mir Watchever besser als Lovefilm. Aber weil Lovefilm nun Amazon Instand Video ist und Watchever mir dieses Mal nicht zugesagt hat, besteht durchaus die Möglichkeit, dass alles anders sein wird als beim ersten Test. Und schon ein Blick auf die Filmauswahl scheint meinen Verdacht zu bestätigen. Für mich gibt es hier eindeutig mehr zu sehen als bei Watchever. Sofort schaue ich eine Folge vom Tatortreiniger. Was ich davon halten soll, weiß ich allerdings nicht, weshalb ich sofort im Anschluss eine Folge The Big Bang Theory schaue. Ich liebe diese Nerds. Später schaue ich Jonas. Auch da weiß ich nicht wirklich, was ich davon halten soll. Doch alles in allem werde ich sicher einen Monat lang gut unterhalten. Und falls nicht, macht es auch nichts, weil es ja kostenlos ist.

Watchever 2 – Ende

Noch vor Ablauf des Testmonats beende ich meine kostenlose Mitgliedschaft bei Watchever, was daran liegt, dass Watchever nicht genug Filme im Angebot hat, die mich wirklich interessieren. Außerdem, und das ist ein absolutes KO-Kriterium, gibt es seit dem 01. Dezember meine Lieblingsserie nicht mehr. The Big Bang Theory wurde einfach gestrichen. Und so blieben mir nur ein paar Klassiker und einige Filme mit Alain Delon. Die meisten anderen Filme, die mich interessieren, habe ich bereits gesehen. Für jemanden, der pro Jahr mindestens 206 Filme guckt, lohnt sich Watchever nicht wirklich. Als ich Watchever zum ersten Mal getestet habe, war ich definitiv zufriedener. Ob die Auswahl nun schlechter geworden ist oder ob es an mir liegt, kann ich nicht beurteilen. Immerhin habe ich zehn Filme während der Testphase gucken können.  Aber leider fehlte mir doch insgesamt die Begeisterung. Dennoch würde ich gegen eine dritte kostenlose Testphase, in etwa einem Jahr, nichts einzuwenden haben.

Filmkritik: Die Vermessung der Welt

Die Leben von Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz) und Alexander von Humboldt (Albrecht Schuch) werden im Wechsel gezeigt. Mal geht es um die Erlebnisse von Carl Friedrich Gauß, dann wieder um Alexander von Humboldt. Schon allein der Wechsel von der einen zur anderen Person sorgt für Unbehagen. Dazu kommt, dass alles irgendwie wahllos wirkt. Es scheint der Zusammenhang zu fehlen und so ist schon nach wenigen Minuten jegliches Interesse an dem Film minimiert. Dazu kommt dieser merkwürdige, aber stets fragwürdige deutsche Humor, der nie witzig, sondern andauernd dümmlich daherkommt. Möglicherweise sollen manche Szenen und Auftritte auch gar nicht witzig sein. Dann stellt sich allerdings die Frage, was sie stattdessen sein sollen. Erschreckenderweise wirken diese klugen Köpfe in dem Film öfter recht dümmlich. Manchmal kommt es einem gar so vor als wären alle etwas beschränkt oder auf ihre ganz spezielle Art zurückgeblieben. Auch das Fehlen jeglicher Spannung tut dem Film nicht gut. Ebenfalls völlig unpassend ist der Erzähler, dessen Stimme den Film von Beginn an abwertet. Und so ist es wenig verwunderlich, wenn man während der zwei Stunden jegliches Interesse an dem Werk verliert.

Fazit: Aufregend wie ein zu Boden gefallener Waschlappen.

Die letzte Fahrt der Jahres

Weil es trocken ist, das Jahr sich dem Ende entgegen neigt und ich einen sauberen Benz in der Garage überwintern lassen möchte, beschließe ich spontan und für mich selbst überraschend, dass heute der Tag ist, an dem er für den Winterschlaf präpariert wird. Mit der Versicherung ist längst alles geklärt, so dass der Winterschlaf jederzeit beginnen kann. Der Benz wird gewaschen, ausgesaugt und vollgetankt. Anschließend wird der Reifendruck auf 3,5 bar erhöht und ab geht es in die frisch gefegte Garage. Hier wird er nun bis März stehen und ebenso wie ich darauf warten, dass es wärmer wird und er wieder raus darf. Ich indes werde meine ersten Erfahrungen als Mensch, der kein eigenes Fahrzeug zur Verfügung hat, machen. Und so beginnt am Ende eines recht ereignislosen Jahres ein völlig neues Abenteuer und es stellt sich die Frage, ob mein Leben von nun an noch ereignisloser wird oder aber völlig aus den Fugen gerät. Dies zu erfahren,  kann ich kaum erwarten.

Winterpause

Weil ich glaube, dass es ihm gut tut, melde ich meinen Benz ab sofort in den Wintermonaten ab. So erhöhe ich seine und meine Chance, dass er ein Oldtimer werden kann. Außerdem spare ich so natürlich auch Geld für Versicherung, Steuern und Benzin. Und es gibt noch einen weiteren Grund, der mich dazu bewogen haben könnte, den Benz abzumelden. Denn wenn ich kein Auto habe, habe ich noch mehr Ausreden, warum ich nicht mehr so oft etwas unternehmen kann. Ohne Auto bin ich nämlich auch nicht mehr in der Lage ins Fitnessstudio zu kommen. So unterstütze ich meine Faulheit und kann es immer damit begründen, kein Fahrzeug zu haben. Ich liefere mir und allen, die es nicht hören wollen, auf diese Weise quasi eine Erklärung für mein Verharren in der Wohnung. Das ist so billig und leicht zu durchschauen, aber dennoch völlig effektiv und absolut glaubwürdig. Dennoch ist es auch schon fast tragisch traurig, dass ich solche Aktionen nutze, um mich und meine Trägheit zu fördern und gleichzeitig zu entschuldigen. Und so machen mein Benz und ich nun jedes Jahr vier Monate Winterpause, obwohl der Winter nur drei Monate dauert.

Der dritte Weisheitszahn

Ob die Natur es gut mit mir gemeint oder es schlicht vergessen hat, meinen vierten Weisheitszahn wachsen zu lassen, weiß ich nicht. Doch wenn ich daran denke, dass die Weisheitszähne als überflüssig bezeichnet werden und sie bei immer mehr Menschen gar nicht wachsen, muss es nicht schlecht sein. Andererseits sollen Menschen, denen ein oder mehrere Weisheitszähne nicht wachsen, durchaus Probleme haben können, die von den nicht gewachsenen Weisheitszähnen ausgehen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Nachdem das Entfernen meines ersten Weisheitszahns im Unterkiefer vor vielen Jahren eine einzige Quälerei war, ich anschließend etwa zwei Wochen meinen Mund nicht mehr wirklich öffnen konnte und unfassbare Schmerzen hatte, gestaltete sich die Entfernung des Weisheitszahnes im Oberkiefer als Kinderspiel. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, dass die heute anstehende Entfernung des Weisheitszahnes aus dem Unterkiefer, eine recht einfache Angelegenheit wird. Und so erscheine ich, nach einer recht schlaflosen Nacht, welche ich meiner Zahnarztangst zu verdanken habe, pünktlich zu meinem Termin. Nach einer kurzen Wartezeit sitze ich auf dem Behandlungsstuhl, sehe die Spritze und andere Instrumente und möchte eher gehen als bleiben. Der Zahnarzt kommt herein, gibt mir zwei Spritzen und die letzte Stunde meines Zahnes hat geschlagen. Sobald die Spritze wirkt, ist er Geschichte. Doch dann nehmen die Dinge eine unerwartete Wendung. Weil ich auch nach Minuten nicht das Gefühl habe, dass alles wirklich betäubt ist, kommen mir erste Zweifel, ob alles ist, wie es sein soll. Der Zahnarzt kommt zurück, betrachtet die Röntgenaufnahme, sagt, dass die Zahnwurzel mächtig ist, und beginnt mit seiner Arbeit. Sein Plan ist es, den Zahn in zwei Teilen zu entfernen. Kaum beginnt er mit dem Durchtrennen, trifft er den Zahnnerv und ein köstlicher Schmerz durchfährt meinen Körper. Er fragt, ob es geht, ich gebe ihm zu verstehen, dass er weiter machen soll, frage mich aber sofort, wieso ich das getan habe. Wenige Augenblicke später trifft er erneut den Nerv. Ich zucke zusammen und der Zahnarzt beendet sein Vorhaben, gibt mir die dritte Spritze und ich darf warten. Dummerweise habe ich nicht das Gefühl, dass die Spritze irgendwas bewirkt. Und kaum beginnt die Behandlung erneut, bestätigt sich mein Verdacht. Der Zahnarzt trifft den Nerv und stellt fest, dass wir so nicht weiter kommen. Und so kommen wir zu Plan B. Zahn lockern und entfernen. Auch das klappt wegen starker Schmerzen nicht. Ich sinke tiefer und tiefer in den Behandlungsstuhl. Und schon folgt Plan C. Irgendwelche Hebel und ein Skalpell kommen zum Einsatz. In mir ist längst alles auf Flucht eingestellt. Nur weil ich weiß, dass mir das nicht wirklich helfen würde und ich mich irgendwie zusammenreißen muss, weil eine Flucht auch ziemlich peinlich wäre, laufe ich nicht schreiend davon.
Mit dem Skalpell soll vermutlich das Zahnfleisch von der Wurzel entfernt werden. Jedenfalls stelle ich mir das so vor. Der Eingriff fühlt sich gruselig an, tut aber nicht zu sehr weh. Im Vergleich zu den vorherigen Schmerzen jedenfalls nicht. Nachdem Skalpell kommen wieder andere Geräte zum Einsatz. Erst was zum lockern des Zahnes, dann wird erneut gebohrt. Der Bohrer bereitet wieder üble Schmerzen. Ich will sofort nach Hause, raus aus diesem Stuhl. Aber das geht noch immer nicht, weil der Zahn noch da ist. Nun kommt die Zange zum Einsatz. Ich weiß nicht, was genau der Zahnarzt da macht, aber es tut höllisch weh, so dass ich noch weiter nach unten rutsche und eine weitere Pause gemacht werden muss, weil ich die Schmerzen nicht mehr ertrage. Kurz Atmen. Ich schwitze, bin völlig verkrampft und der Weisheitszahn ist noch immer in meinem Kiefer. Die ganzen Geräusche, welche die Behandlung bisher verursacht hat, bekomme ich sicher nie mehr aus meinem Kopf.
Der Zahnarzt fragt, ob ich bereit bin noch einmal Schmerzen zu ertragen. Ich bin es nicht, gebe aber zu verstehen, dass es weiter gehen kann. Und dann tut es nochmal richtig weh bevor es endlich vorbei ist. Ich bin völlig verwirrt und will schon durchatmen als ich bemerke, dass das Loch nun noch zugenäht werden muss.
Das Nähen ist unangenehm und ich denke schon jetzt daran, dass die Fäden irgendwann gezogen werden müssen. Das regt mich irgendwie sehr auf. Ich will das nicht, will nie wieder herkommen. Als auch der Schritt endlich geschafft ist, sagt der Zahnarzt, dass ich nun durchatmen kann und noch eine Weile sitzen bleiben soll. Ich bin derweil wütend auf alle und alles. Die sollen mich in Ruhe lassen und abhauen. Sofort. Ich verschränke die Arme und sitze so auf dem Behandlungsstuhl und warte. Worauf ich wirklich wütend bin, weiß ich allerdings  nicht genau. Es muss so etwas wie eine Trotzreaktion sein. Ich dachte immer, so etwas kommt nur bei Kindern vor. Eine Helferin sagt, dass noch Blut in meinem Gesicht ist und wischt es ab. Normalerweise würde ich das selber machen. Aber weil ich sauer bin, sitze einfach nur da und lasse sie machen. Ich will auch mit keinem mehr reden. Die sind alle böse und gemein.
Als ich wenige Minuten später aus der Praxis bin, bin ich zwar erleichtert, habe aber Schmerzen und ärgere ich mich, dass ich mir den Zahn hab ziehen lassen. Denn schließlich war er nur von Karies befallen, aber tat nur ganz selten mal weh. Drei Jahre habe ich den Eingriff immer wieder verschoben. Und jetzt weiß ich wieder, warum ich es getan habe.

Als ich endlich zu Hause bin, schaue ich, nachdem ich die Mullbinde, oder wie auch immer man es nennt, was der Zahnarzt mir auf die Wunde gelegt hat, entfernt habe, in meinen Mund. Blutet noch. Neue Binde drauf und abwarten. Binde raus, blutet noch. Egal. Da die Schmerzen sich steigern nehme ich eine Ibuprofen. Vielleicht hilft das ja.

Der Nachmittag und Abend verlaufen weniger schmerzhaft als befürchtet. Mein größtes Problem ist, dass ich meinen Mund kaum öffnen kann. Da macht essen gleich doppelt Spaß. Bis 23.00 Uhr halte ich es ohne weitere Schmerztablette aus. Dann nehme die zweite Tablette des Tages  und gehe ich ins Bett..

Am nächsten Tag muss ich zur Kontrolle, was mir nicht gefällt, weil es draußen viel zu kalt ist und mein Mund sich noch weniger öffnen lässt. Da kann der Zahnarzt eh nichts sehen. Das macht doch keinen Sinn. Und erst recht keinen Spaß. Irgendwie sieht der Zahnarzt dann aber doch genug und sagt, dass die Schwellung den Umständen entsprechend ist. Dafür, dass er was am Knochen weggefräst hat, ist mein jetziger Zustand absolut okay. Irgendwie tröstet mich das wenig und die Tatsache, dass nächsten Montag die Fäden gezogen werden sollen,  verdirbt meine Laune nur noch mehr. Wie soll man so seine Zahnarztphobie loswerden?

Ein Verlorener namens Karl

Er ist 53 Jahre und die wenigen Zähne, die er noch hat, sind in einem desolaten Zustand. Seine Haare sollten mal wieder zum Friseur. Manchmal riecht er streng, heute zum Glück nicht. Sein Schnauzbart ist alles andere als gepflegt. Wir kennen uns seit mindestens dreißig Jahren und er war schon immer etwas zurück in seiner Entwicklung. Doch früher war es noch nicht ganz so schlimm, da kümmerte sich seine Mutter noch um ihn und er hatte nicht so merkwürdige und kaputte Freunde. Auch trank er damals noch nicht und seine Zähne befanden sich in ordnungsgemäßem Zustand in seinem Mund. Doch das ist lange her. Mir kommt es vor als wäre das in einem anderen Leben gewesen. Wie es ihm wohl vorkommt? Soll ich ihn fragen? Besser nicht.
Alle paar Wochen passiert es, dass er mich in ein Gespräch verwickelt und es gab Zeiten, da war es mir äußerst peinlich. Mittlerweile macht es mir nichts mehr aus. Die Gespräche interessieren mich zwar nicht, aber ich denke, dass es ihm ganz gut tut, wenn sich mal jemand mit ihm unterhält. Außerdem kennen wir uns schon so lange und ich habe ihn sogar mal besucht als er noch nicht in diesem desolaten Zustand war. Dennoch war es irgendwie gruselig.

Es muss etwa zwanzig Jahre her sein, dass ich ihn besuchte. Damals war er noch nur irgendwie merkwürdig und etwas schlicht in seinem Kopf. Und so ließ ich mich von seinem Betteln, ihn doch mal zu besuchen, erweichen. Wir saßen in seinem Zimmer, plauderten belanglos daher und während des Gesprächs bekam ich mehr und mehr den Verdacht, dass Karl sich sexuell eher zu Männern hingezogen fühlt, was sich mittlerweile längst bestätigt hat. Damals war das neu für mich, aber irgendwie passte es auch, denn selbst in seinem damaligen Zustand konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Frauen für ihn interessieren. Wobei ich mir auch nicht vorstellen kann, dass ein Mann, der nicht ebenso merkwürdig wie Karl selbst ist, Gefallen an ihm finden könnte. Lediglich Menschen, die ebenfalls in ihrer Entwicklung weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, kamen meiner Meinung nach als Partner für Karl in Frage. Während er von seinen Erlebnissen berichtete, war ich gedanklich ganz woanders. Ich versuchte mir tatsächlich vorzustellen, was für Frauen und Männer das wohl waren, von denen er sprach. In meiner Vorstellung waren es ziemlich merkwürdige Gestalten und ich fragte mich, was ich hier eigentlich machte. Die Welt in der Karl und die Leute von denen er mir erzählte lebten, war mir nicht nur fremd, sie kennenzulernen erschien mir auch alles andere als erstrebenswert. Egal, wie viele Orgien sie auch feiern würden. Langsam kehrte ich aus meiner Gedankenwelt zurück und fragte mich, wie lange ich noch bleiben muss, damit meine Entscheidung zu gehen nicht unhöflich ist und ihn verletzt. Er sollte ja nicht merken, dass ich der Meinung war, dass irgendwas mit ihm ganz und gar nicht stimmt. Und damit meinte ich nicht, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Eher seinen komischen Allgemeinzustand. Als er wenig später eine leicht homoerotisch angehauchte Geschichte erzählte, war ich zwar nicht wirklich überrascht, wollte aber keine weiteren Details über seinen Kontakt zum männlichen Geschlecht und beschloss zu gehen. Dass ich ihn nicht noch einmal besuchen würde, stand indes schon vor der Geschichte mit dem berührten Geschlechtsteil eines anderen Mannes fest. Zu gering war mein Interesse an seinen komischen Geschichten, zu verschieden unsere Leben. Er suchte Freunde, ich wollte kein Freund werden. Weder auf die eine, noch die andere Art.

Im Gegensatz zu mir, weiß er bis heute nicht, dass ich ihn nie wieder besuchen werde. Und so lädt er mich seitdem immer wieder zu sich ein. Wie auch jetzt. Und wie immer erkläre ich ihm, dass ich keine Zeit habe, trainieren muss und ständig zu tun habe. Ich bringe es einfach nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass er in einer anderen Welt lebt und ich diese nicht betreten möchte. Ich möchte nicht, dass er weint. Sein Weinen ist nämlich beängstigend. Er schluchzt und scheint vollkommen außer sich, wenn er weint. Ich habe bisher nie mit Sicherheit sagen können, ob diese Anfälle komplett gespielt sind oder echte Emotionen widerspiegeln. Nachdem seine Mutter starb, brach er oft in dieses Schluchzen aus, was mir immer unangenehm war, weil ich damit so gar nichts anfangen kann. Und ebenso heftig und schnell, wie es ihn überkam, verschwand es wieder. Und genau das ist es, was ich nie verstand. Gespielt oder nicht gespielt? Ich weiß es nicht, möchte es aber auch nicht mehr erleben. Also bin ich nett zu ihm, ignoriere alle seine verzweifelten Einladungen und verhalte mich meiner Meinung nach angemessen. Mehr kann ich nicht für ihn tun.
Ich will gerade gehen, da weist er mich darauf hin, dass ich im August Geburtstag habe, und dass er das von meiner Mutter weiß. Ich habe da so meine Zweifel, da ich bisher nie im August Geburtstag hatte und davon ausgehe, dass auch meine Mutter das weiß. Selbstverständlich widerspreche ich ihm nicht. Die Illusion meinen Geburtstag zu kennen, möchte ich ihm nicht rauben. Sein Geburtstag ist auch bald. Dann wird er 54. “54!”, ruft er es fast theatralisch heraus und macht eine Geste mit den Händen, die ich nicht verstehe. “Ich könnte Dein Vater sein.”, sagt er ganz aufgeregt. Ich finde das etwas unwahrscheinlich, ist er doch nur elf Jahre älter als ich. Doch darauf hinweisen möchte ich ihn nicht, weil ich fürchte, dass dann eine Welt für ihn zusammenbricht. Weil er so fasziniert von der Vorstellung ist, er könnte mein Vater sein und mich immer als jung bezeichnet, frage ich ihn, wie alt ich denn bin. “Mitte 30”, sagt er sehr überzeugt. Dann kann er tatsächlich mein Vater sein. So habe ich das bisher nicht gesehen. Als er mich erneut anbettelt, ihn doch mal zu besuchen, verabschiede ich mich unverzüglich, mache mich auf den Weg und lasse ihn in seiner speziellen Welt zurück.

Big Brother – Arm gegen Reich

Das Motto der achten Big Brother-Staffel lautete “Arm gegen Reich”. Das Haus war wie gewohnt in zwei Bereiche aufgeteilt. Während die Bewohner im reichen Lager im Luxus lebten, hatten die Bewohner im armen Bereich nur nur das Notwendigste zum Leben. Besonders gelungen war das WC im armen Bereich. Irgendwie ein widerlicher Ort. Getrennt waren beiden Bereiche durch eine hüfthohe Mauer.

Ansonsten war es fast wie immer. Ein paar vollkommene Dumpfbacken und ein paar halbwegs normale wohnten monatelang zusammen und redeten Blech, waren verwirrt, hatten unwichtige Probleme und waren echte TV Stars für eine kurze Zeit. Es wurden wieder lustige Spielchen gespielt, die selten lustig waren. Manche flirteten und Sex gab es auch. Es wurde alles geboten, was den degenerierten Zuschauer begeistert. Und so steht es vollkommen außer Frage, dass es eine Fortsetzung von Big Brother geben wird.

Als Entschädigung oder Belohnung bekam Gewinnerin Isi, das tanzende Suppenhuhn, 250.000€.

Die Bewohner

Adrian, der Tätowierte. Er hat es tatsächlich geschafft von Big Brother rausgeschmissen zu werden, weil er einen niveaulosen Spruch brachte. Das ist schon ziemlich bescheuert, passt dennoch irgendwie perfekt ins Bild. Mehr gibt es über Adrian nicht zu sagen.

Bianca, die nervende Lästertante. Schon früh ging ihr blödes Gelaber und ihre blöden Launen allen auf den Keks. Oft fühlte sie sich von ihrer Gruppe ausgeschlossen und ungeliebt. Dann fing sie an sich darüber zu beschweren, nervte rum und gab dummes Zeug von sich. Ihre grausame Frisur und die passend dazu grausigen Grimassen passten perfekt dazu. Und so flog die schreckliche Person direkt als erste aus dem Haus. Das war sehr schön. Ihre Heulorgie nach der Verkündung, dass sie das Haus verlassen muss, war allerdings weniger schön. Schon allein dafür hätte man sie minutenlang Ohrfeigen und schütteln sollen.

Dirk, der Deplazierte. Sein Einzug stellte sich alsbald als Irrtum heraus. Er passte nie wirklich zu den ganzen Birnen im Haus. Er war zu alt und irgendwie zu normal. Wobei niemand weiß, was normal bedeutet. Nach wenigen Tagen hatte er jedenfalls genug von dem Elend oder den elendigen Leuten im Haus. Und so zog er freiwillig aus. Dafür verdiente er sich tosenden Applaus.

Anki, die Lästerschrulle. Mit ihrem unerträglichem Wesen und ihrer schrecklichen Stimme war sie von Anfang an kaum zu ertragen. Ständig hatte sie was zu meckern. Scheinbar hatte sie das Gefühl besser zu sein als die meisten anderen im Haus. Wie sie auf eine solche Idee kam wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Die Ziege meckerte rund um die Uhr und wurde zurecht ganz schnell rausgewählt. Wenn Fernseher weinen könnten, hätten sie bei Ankis Auftritten bittere Tränen vergosssen.

Neila, das Lästermaul. Das Pendant von Anki. Ebenso unerträglich und pausenlos am lästern. Vom ersten Augenblick an war sie einfach nur lästig und vollkommen überflüssig. Ihre Anwesenheit war eine echte Bestrafung für die Zuschauer. Ihr Auszug kam keine Minute zu früh. Wozu sie im Haus war, weiß kein Mensch. Ihr früher Rausschmiss war jedenfalls der absolute Höhepunkt ihres gruseligen Auftritts.

Melly, das Nesthäckchen. Optisch konnte man ihr nichts vorwerfen. Der Anblick war wirklich nett. Ansonsten war sie weder witzig noch besonders unterhaltsam. Ihre Essgewohnheiten und ihr teilweise kindisches Verhalten waren eher weniger positiv. Zum Glück war der Anblick gut genug, um über solche Schwächen hinweg zu sehen. Dass sie relativ früh ausziehen musste war allein wegen der Optik bedauerlich, letztlich aber auch vollkommen egal.

Manuel, der Unauffällige. Seine Anwesenheit fiel in etwa soviel auf wie sein Auszug. Er war kurz dabei, doch niemanden hat es interessiert.

Patrick. Er war scheinbar zu normal, um im Haus glücklich zu werden. Deshalb zog er einfach freiwillig aus. Keine schlechte Entscheidung, denn wirklich unterhaltsam war er nicht und so war sein Auszug weder bedauerlich noch schwer zu verkraften.

Rebecca, die Intelligenzbestie. Auch sie schaffte es, sich von Big Brother aus dem Haus werfen zu lassen. Passte zu ihr. Die Intelligenz, die man bei ihr vergeblich suchte, führte zu einer dummen Äußerung, die sofort mit dem Auszug bestraft wurde. Und so musste die oberflächliche Tussi nicht weiter von den Zuschauern ertragen werden. Sie hatte auch genug Zeit im Haus verbracht und mit ihrem dummen Gesichtsausdruck und ihrer nervigen Anwesenheit mehr gestört als einem lieb war. Dass bei ihrem Auszug so viele Tränen flossen kann nur daran gelegen haben, dass es sich um Freudentränen handelte.

Jenny. Sie war nicht wirklich lange im Haus. Und so gibt es auch nichts schreckliches über sie zu berichten. Vielleicht war sie zu normal für Big Brother. Vielleicht aber auch nicht.

Nadine, das heulende Elend. Sie zog freiwillig aus, da sie ihre unehrlichen Mitbewohner nicht mehr ertragen konnte, die alte Heulsuse. Permanent doof und ständig nervend, dass was Nadine. Eine echte Katastrophe. Zumindest hatte sie mit Hassan Sex im Haus. Dabei hat sie ausnahmsweise mal nicht geheult oder dummes Zeug geredet. Vermutlich hätte sie permanent Sex haben sollen, dann wäre sie vielleicht erträglicher gewesen. Gut, dass sie freiwillig auszog. Es war der einzige Höhepunkt ihrer weinerlichen Anwesenheit.

Marcel S., der Unauffällige. Dass er im Haus war, fiel kaum auf. Er war dermaßen bedeutunglos, dass selbst sein Auszug kaum jemandem auffiel. Solche Bewohner bringen es einfach nicht.

Mari, der Zweifler. Er musste das Haus verlassen, weil er ständig allen erzählte, dass es ihm nicht gefällt, dass sie ihn nominieren sollen und dass er unbedingt nach Hause will. Leider war er nicht in der Lage von sich aus zu gehen und belästigte deshalb mit seinem blöden Geschwätz die Mitbewohner und die Zuschauer. Zum Glück wurde er nach einiger Zeit von Big Brother aus dem Haus geworfen. Das hatte er sich redlich verdient.

Serafino, der Bekloppte. Nie gabe es einen Kandidaten, der mehr geweint hat als Serafino. Außer weinen konnte er fast nichts. Er konnte lediglich noch seine Mitbewohner nerven, seine Freundin Steffi in den Wahnsin treiben und Selbstgespräche führen. Bei ihm stimmte einiges nicht. Ständig fühlte er sich als Opfer und vermutete, dass die Welt, oder wenigstens die Big Brother Welt, sich gegen ihn verschworen hätte. Was für ein Narr. Zum Glück musste er nicht lange im Haus bleiben. So hatte er frühzeitig die Gelegenheit sich mal gründlich untersuchen zu lassen. Hofentlich hat er es auch getan, denn sonst müsste man sich ernsthafte Sorgen um den menschlichen Trauerklos, der von allen Mißverstanden wurde, machen. Obwohl, warum sollte man sich Sorgen um jemanden wie ihn machen? Das wäre zu viel verlangt.

Hassan. Er zog freiwllig aus, weil er unbedingt zu Nadine wollte. Er trug die schönste Frisur im Haus. Eine herrliche Kreation. Dafür hätte man ihn knutschen müssen. Nachdem er sich mit Nadine eingelassen hatte, war es um ihn geschehen. Das war der Moment als er seinen Verstand völlig verlor. Zumindest hat er sie durchgenudelt und den Zuschauern eine schöne Show geboten. So etwas kommt beim Publikum gut an und bringt viele Beliebtheitspunkte. Deshalb, und nur deshalb, ist es verständlich, dass Hassan so beliebt war.

Nora, die Mutter. Die älteste Bewohnerin wirkte immer etwas merkwürdig und deplatziert. Dafür war sie sehr glücklich bei Big Brother dabei sein zu dürfen. Ob die Zuschauer sich auch darüber gefreut haben, darf bezweifelt werden. Sie war etwas nervig, aber alles in allem eine ganz nette Person.

Caro, die Süße. Ganz hübsch anzuschauen, aber auch ein wenig verwirrt. Sie flirtete mehr als heftig mit Alex, wollte aber angeblich nichts von ihm. Dennoch hatte ihr Techtelmechtel mit Alex einen gewissen Unterhaltungswert. Doch ein gewisser Unterhaltungswert und ein süßes Gesicht reichen nicht, um gute Fernsehunterhaltung abzuliefern. Und so war ihr Auszug nicht wirklich ein Verlust.

Steffi. Was mit ihr nicht stimmte ist schwer zu sagen. Sie weinte bei Nominierungen manchmal ganz fürchterlich und zog wegen Serafino ins Haus ein. Die beiden waren im wahrsten Sinne des Wortes ein verrücktes Paar. Als Serafino das Haus verlasen musste, fing Steffi an Selbstgespräche zu führen, weinte verzweifelt vor sich hin und redete fast permanent irgendwelchen Blödsinn. Wenn man sie so sah, stellte sich einem die Frage, warum kein Psychologe ins Haus geschickt wurde, um ihr zu helfen. Möglicherweise wäre eine Paar- oder Gruppentherapie für sie und Serafino genau das Richtige. Man weiß es nicht. Jedenfalls war ihr Auszug ein Fest der Freude. Nicht unbedingt bei allen Mitbewohnern, vermutlich aber bei einem Großteil der Zuschauer, denn ihre Psychoshow tat schon beim Zuschauen weh.

Alex. Der charmante Langweiler hatte im Haus seinen Spaß mit Caro. Wie viel Spaß er mit ihr hatte, darüber darf spekuliert werden. Dass er zu Hause in der Realität eine Freundin hatte störte ihn jedenfalls wenig bis gar nicht. Irgenwie musste er sich die Zeit im Haus ja versüßen und dafür war die süße Cora einfach genau die Richtige. Ansonsten war Alex nicht weiter erwähnenswert.

Franco. Ein fast vollkommen normaler Bewohner. Gut zu ertragen und selten nervend. Was brachte ihn nur dazu ins Hau zu gehen?

Tanja. Die blonde Frau war ebenfalls ein wenig merkwürdig. Am auffäligsten waren ihre Hautirritationen. Witzig oder unterhaltsam war sie in keinster Weise. Sie war in erster Linie langweilig. Auf sie hätte man locker verzichten können.

Mandy, das Küken. Jung und etwas Banane. Ebenfalls eine überflüssige Bewohnerin mit dem Unterhaltungswert einer Waschmaschine. Optisch auch nicht gerade prickelnd. War viel zu lange im Haus. Allerdings waren die Mitbewohner teilweise noch schlimmer und irgendwer musste ja länger bleiben. So kam es, dass sie so weit kam.

Kevin, der Dicke. Nach wochenlanger Diät brachte er nur noch etwas über 100kg auf die Waage. Fast 40kg hat er während seiner Diät verloren. Wie kann ein junger Mensch nur so Fett sein? Das war wirklich kein schöner Anblick. Auch nachdem er abgenommen hatte war es noch kein schöner Anblick. Kevin gehörte zu den gemütlichen Dicken, die zwar beliebt sind und viel mit Frauen reden, weil gemütliche Dicke oft tofte Kumpel sind, aber wirkliches Interesse hatte verständlicherweise keine an ihm. Dazu war sein Körper einfach zu massig und schwabbelig. Der Gemütlichkeitsbonus spülte ihn auf Platz 3.

Marcel, der Mützenkasper. Der Scherzbold des Hauses. Immer zu Späßen aufgelegt. Oftmals waren diese zwar ziemlich Scheiße und unlustig, aber er und seine Mitbewohner freuten sich dennoch. Ein Hoch auf die flachen Scherze des Mützenmannes, der sich gern zum Kasper machte. Im Vergleich zu den anderen Schnarchnasen war er jedoch ganz passabel. Er hat zu Recht nicht gewonnen.

Isi, der tanzende Zwerg. Die Frau, die sich und ihren etwas merkwürdigen Körper gerne zur Schau stellte und es liebte Selbstgespräche zu führen. Sie hatte, so wie es sich für eine Siegerin gehört, mächtig einen an der Waffel. Schade, dass man selbst mit dem Gewinn ihre ganzen Fehler nicht reparieren lassen kann. Vermutlich wird man sie bald im TV wiedersehen. Sie könnte beim DSF diese komische Sendung moderieren, bei der die Moderatorin sich ein paar ihrer Kleidungsstücke entledigt. Noch besser wäre sie allerdings bei 9Live untergebracht. Mit dem Sieg der achten Staffel dürfte einer großen Karriere nichts mehr im Wege stehen. Herzlichen Glückwunsch.

© 07.2008