Zawisch – CDU

Sehr geehrter Herr Zawisch,

täglich laufe ich an Ihrem Wahlwerbeplakat vorbei. Und täglich gefällt es mir weniger. Tagelang fragte ich mich, was Sie mir damit sagen wollen. Ich fand keine Antwort. Soll es bedeuten “Laut statt leise”? Oder ” Laut § 17 Abs. 1, 2 StVO”? Oder soll es bedeuten, dass Sie immer, wenn Ihnen die Argumente ausgehen, rumschreien wie ein unkontrollierter Politiker? Mit so einem fragwürdigen Werbeplakat kommen Sie meiner Meinung nach nicht weit. Möglicherweise regen Sie zum Nachdenken an, aber ehrlich gesagt habe ich dazu keine Lust, und der Großteil der Bevölkerung ist dazu nicht in der Lage. Entweder aus Zeitmangel oder aus Mangel an Intelligenz. Also was wollen Sie mit so einem Plakat erreichen? Und wer hat Ihnen dazu geraten? Meine Freundin hätte Ihnen sicher ein besseres Wahlplakat gebastelt. Vermutlich sogar für viel weniger Geld. Doch das ist eine andere Geschichte und tut jetzt nichts mehr zur Sache.

Wegen meiner Verwunderung über Ihr Wahlplakat bin ich auf Ihre Webseite gegangen und habe Ihren Flyer betrachtet. Dort erklären Sie das Wort “Laut” so: Ich werde meine Stimme und meine Tatkraft nutzen, um die gewünschten Vorhaben in unseren Städten im Landtag durchzusetzen. Ich nenne das belangloses Politikergesülze. Das klingt für mich so als würden Sie, sofern Sie gewählt werden, bei Sitzungen laut brüllen, um so glaubhafter zu wirken. Für mich klingt das unsympathisch. Menschen, die laut werden müssen, haben meist keine Argumente und entwickeln sich rasch zu Störfaktoren. Sind Sie so ein Störfaktor? Wissen Sie, warum ich laute Menschen auch nicht leiden kann? Vermutlich nicht, deshalb erkläre ich es Ihnen. Ich wohne über einem Cafe Bistro. Dort sind viele Besucher, die gerne laut sind. Und weil es keine Gesetze gibt, die dafür sorgen, dass ein Cafe Bistro, in dem Alkohol ausgeschenkt wird, ab einer gewissen Uhrzeit die Türen schließen muss, damit das Umfeld nicht gestört wird, werde ich fast jede Nacht belästigt. Sicherlich könnte ich meine Fenster schließen, aber dazu ist es im Sommer zu warm. Und so darf ich bis tief in die Nacht diesen furchtbaren Lärm hören und werde um den Schlaf gebracht. Sie können sicher verstehen, dass laut so gar nichts für mich ist.

Deshalb kann ich Ihnen meine Stimme nicht geben. Mir ist es schon laut genug. Und viel Lärm um Nichts kann keine Lösung sein.

Ich wünsche Ihnen, weil ich manchmal ein höflicher Mensch bin, viel Glück für die Wahl. Und wer weiß, vielleicht wird ja, trotz des fragwürdigen Wahlplakats, doch noch ein bekannter Politiker aus Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen
Fischer

Sehr geehrter Herr Fischer,danke für Ihre Nachricht. In der Tat freue ich mich, dass Sie sich damit so wortreich auseinandersetzen.

Mein Wahlplakat soll tatsächlich erreichen, dass man sich damit beschäftigt. Ich lese gerne, dass Sie sich ausführlich mit der Erläuterung auf meinem Flyer beschäftigt haben. Allerdings ist der Schluss, den Sie ziehen, ein völlig falscher. Ich bin weder ein Schreihals, noch ein rumrüpelnder Prolet.

Im Gegenteil, seit 13 Jahren sitze ich als Ratsherr im Rat der Stadt Lünen. Ich weiß ganz genau, welche Probleme die Kommunen vor Ort haben. Und damit auch die Bürger. Das ist der Grund, warum ich zur Kandidatur bereit war. Und der Grund für die Wahl des Wortes “laut”. Ich will auf die Probleme der Kommunen im Land aufmerksam machen. Wer mich kennt, weiß, dass ich niemand bin, der hinten im Saal sitzt und den Mund nicht aufmacht. Diejenigen wissen aber auch, dass ich beileibe nicht schreien muss, um mich verständlich auszudrücken und meine Argumente nach vorne zu bringen.

Vielleicht bilden Sie sich selbst ein Bild von mir, indem Sie zu einer der Veranstaltungen kommen.

Bis dahin wünsche ich Ihnen einen schönen Sonntag und danke Ihnen nochmals dafür, dass Sie mir geschrieben haben. Ein Feedback ist interessant und wichtig.

Schöne Grüße

M. Zawisch

Sehr geehrter Herr Zawisch,

leider komme ich erst jetzt dazu Ihnen zu antworten. Ich hatte einen mehrtägigen gesundheitlichen Ausfall, der mich einigermaßen zurück geworfen hat.

Über Ihre Antwort war ich sehr erfreut. Ich hatte nämlich nicht damit gerechnet, dass Sie antworten, und bin erfreut zu hören, dass Sie kein rumrüpelnder Prolet sind. Davon haben wir auch schon genug in unserem Lande. Solche Leute kann ich nicht leiden.

Es hat mich überrascht zu hören, dass Sie bereits seit 13 Jahren als Ratsherr im Rat der Stadt Lünen sitzen. Dummerweise bin ich nicht über die Aufgaben eines Ratsherrn informiert, weshalb ich dazu keine Meinung habe. Natürlich gefällt es mir, dass Sie auf die Probleme der Kommunen im Land aufmerksam machen, fürchte jedoch, dass man damit nicht weit kommt, weil da ja so viele andere Leute sitzen, die natürlich auch eine Meinung haben. Und so prallen verschiedene Meinungen aufeinander, es wird geredet und geredet und am Ende kommt nur heiße Luft heraus. Das ist etwas, was mir an Politik am meisten auf die Nerven geht, dieses ganze Bla Bla.

Ihre Einladung zu einer Veranstaltung zu kommen, kann ich leider nicht annehmen. Ich habe oft im Fernsehen politische Debatten verfolgt und habe so viele Märchen und Endlosdiskussionen hören müssen, dass mir übel wurde. Wo wir gerade beim Thema sind. Ich habe mir viele Wahlplakate angesehen. Gefallen hat mir keines davon. Sie sind also nicht allein.

Eine Frage habe ich noch. Kann so ein Ratsherr der Stadt Lünen eigentlich helfen, mir etwas Ruhe zu verschaffen? Ich erwähnte ja schon meine Problematik mit dem Cafe Bistro über dem ich wohne. Haben Sie da vielleicht einen Rat für mich?

Mit ihrer Antwort haben Sie übrigens auf meinem Stimmzettel einige Kandidaten überholt. Damit hatte ich nicht gerechnet als ich ihr Wahlplakat gesehen habe. Sie müssen auch nicht fürchten, dass ich jetzt ständig meine Zeit damit verbringe, Ihnen zu schreiben. Erst bei der nächsten Wahl werde ich wieder einen kritischen Blick auf die merkwürdigen Wahlplakate der Kandidaten werfen und mich gegebenenfalls dazu äußern.

Viel Glück am Sonntag.

Grüße
Fischer

© 05.2012

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